Kunststoff statt Eis? Suche nach Ersatz für Mödlinger Eislaufplatz
Warnung vor Eislaufen auf zugefrorenen Seen.
Auch wenn die Temperaturen langsam aber sicher die heurige Badesaison einläuten: in Mödling wird nach wie vor über die Zukunft des städtischen Eislaufplatzes diskutiert. Seitens der Stadt war ja bereits im vergangenen Jahr die Schließung der bisherigen Eisfläche im Stadtbad angekündigt worden, seither gehen die Emotionen hoch.
Eine Bürgeriniative hat sich gegründet, die eine Alternativlösung für das Eislaufen in Mödling fordert. Die ÖVP schließt sich der Kritik an der geplanten Schließung an und hat zuletzt eine "mobile Eisfläche" als Lösung vorgeschlagen. Seitens der rot-grünen Stadtregierung war auch eine Kunsteisfläche - ähnlich dem "Wiener Eistraum" am Rathausplatz - ins Spiel gebracht worden.
Für diese zweite Variante liegen konkrete Angebote vor - mit speziellen synthetischen Platten, die ein authentisches Eislauferlebnis garantieren sollen. Dies versichert jedenfalls Frantisek Török, Miteigentümer der Eislauf Arena Marchegg im Bezirk Gänserndorf. Er war von der Stadtgemeinde kontaktiert worden, um sowohl eine fixe Variante auf dem derzeitigen Stockschützenplatz in Mödling vorzuschlagen, als auch eine temporäre im Museumspark, die außerhalb der Eislaufsaison demontiert werden kann.
"Kaum laufende Kosten"
In beiden Fällen kommen moderne Kunststoffplatten wie in Marchegg zum Einsatz, so Török, einst selbst Eishockey-Spieler in der Slowakei. Diese seien praktisch wartungsfrei und würden daher kaum laufende Kosten verursachen, aber gleiche Qualität wie Eisflächen bieten, versichert er. Auch in der US-Profiliga NHL würden sie zum Einsatz kommen. Bei fixer Verlegung mit Banden und entsprechenden Nebenanlagen sei auch eine sportliche Nutzung durch den Mödlinger Eishockeyverein kein Problem.
Frantisek Török.
ÖVP-Obmann Gert Zaunbauer hat klar gemacht, wenig von einer Kunsteislösung zu halten. "Eine Anlage mit echtem Eis bietet langfristig die deutlich höhere Qualität und den größeren Mehrwert", hatte er gemeint und einen "mobilen Eislaufplatz auf dem Gelände der Eisstock-Schützen mit einer Fläche von rund 30 mal 25 Metern" vorgeschlagen. Dieser sei "mit geschätzten Jahreskosten von 60.000 bis 80.000 Euro finanziell überschaubar", so Zaunbauer.
"Keine fachliche Grundlage"
Török schüttelt den Kopf: "Wie kann man durch solche Aussagen die Meinungsbildung beeinflussen, ohne über die notwendige fachliche Grundlage zu verfügen?" Die genannten Kosten seien völlig unrealistisch, wundert er sich: "Dabei handelt sich nur um die Miete für wahrscheinlich drei Monate. Sie berücksichtigen weder die notwendigen Umbauarbeiten noch die Betriebskosten." Alleine an Stromkosten sei mit deutlich mehr als 100.000 Euro pro Jahr zusätzlich zu rechnen, so Török, der bereits mehrere Eisanlagen geplant und errichtet hat. Das dafür nötige Kühlaggregat sei groß und laut, gibt er zu bedenken.
Auch die vorgeschlagenen Dimensionen seien zu hinterfragen: "Eine nahezu quadratische Fläche ist weder für ein attraktives Eislauferlebnis noch für die sportliche Nutzung geeignet." Vielmehr müsste eine Anlage oval oder langgezogen konzipiert werden.
Die von ihm angebotene Alternative mit Synthetikplatten benötige keine Energie und sei ganzjährig nutzbar, so Török, der auf das bereits existierende Beispiel in Marchegg als Referenz verweist. Zu den Errichtungskosten hüllt er sich mit Verweis auf das der Stadtgemeinde vorgelegte Angebot in Schweigen.
"Noch keine Entscheidung"
SPÖ-Klubsprecher Stephan Schimanowa bestätigt auf KURIER-Nachfrage das Vorliegen von Töröks Angebot. Darüber hinaus habe man aber auch mehrere weitere Vorschläge eingeholt, die aktuell geprüft werden. Entscheidung sei noch keine gefallen, so Schimanowa. Auch eine Präferenz für eines der Modelle wolle er nicht nennen.
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