© Birdphoto.fi/Jari Peltomaki

Seeadler
05/17/2020

Starthilfe für Rückkehr des Wappentiers

Tennisstar Dominic Thiem unterstützt Besenderungsprojekt des WWF für die Seeadler

von Patrick Wammerl

Aufmerksamen Tennisfans ist es nicht entgangen, als sie vergangenen Jänner Dominic Thiems Höhenflug bei den Australian Open an den TV-Bildschirmen verfolgten. Bei einem Match des Niederösterreichers in der Rod Laver Arena drohte ein verirrter Käfer unter den Füßen der Ballkinder zermalmt zu werden. Die Nummer 3 der Weltrangliste nahm sich die Zeit, hob das Tierchen auf und setzte es an einem sicheren Platz wieder ab. Eine kleine Geste mit großer Wirkung vor einem weltweiten Millionenpublikum. Das Tennis-Ass machte seinem Ruf als Tier- und Umweltschützer alle Ehre.

Botschafter

Daher ist es auch kein Wunder, dass sich Naturschutzorganisationen weltweit um einen derart prominenten Tierfreund und Umweltschützer wie Thiem als Botschafter reißen. Als jüngsten Coup unterstützt der Tennisprofi den WWF mit seinem Engagement beim erfolgreichen Comeback des österreichischen Wappentieres in den heimischen Auen. 20 Jahre nach der Ausrottung der majestätischen Seeadler gilt die Rückkehr in Österreich endgültig als gelungen. Aktuell sind die Donau-Auen und das Waldviertel in Niederösterreich sowie der Seewinkel im Burgenland oder die Oststeiermark das Habitat für insgesamt 35 bis 40 Brutpaare.

Anstatt zum Tennisplatz, um dort für das Comeback zu trainieren, ging es diese Woche für Dominic Thiem an einen geheim gehaltenen Ort in den March-Thaya-Auen in NÖ. Sein Puls war dabei vermutlich ähnlich hoch wie bei einem Match gegen Raffael Nadal. Zusammen mit WWF-Geschäftsführerin Andrea Johanides und seinem jüngeren Bruder Moritz durfte Thiem hautnah dabei sein, als zwei sieben Wochen alten und knapp fünf Kilo schweren Jungseeadlern federleichte Rucksäcke mit Telemetriesendern angelegt wurden. Bis die GPS-Sender in ein paar Jahren wieder abfallen, liefern sie wichtige Daten über die Tiere. „Wir bekommen neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die bevorzugten Flugrouten bis hin zum Paarungsverhalten der Adler“, erklärt WWF-Geschäftsführerin Andrea Johanides.

Illegale Verfolgung

Erstmals seit Start des Projekts 2015 gelang es so vor wenigen Wochen, das Leben eines in Österreich geschlüpften Seeadlers von seiner Kindheit bis zur eigenen Brut nachzuverfolgen. Der vierjährige Felix hat bereits Tausende Flugkilometer zurückgelegt und sieben Staaten durchstreift – von Österreich über Ungarn, die Slowakei, Tschechien, Deutschland und Polen bis nach Kroatien. Derzeit ziehen er und seine Partnerin ihren ersten Nachwuchs an einem Seitenarm der ungarischen Donau heran. „Durch die Besenderung können wir die Adler effektiver schützen. Es ist ein sehr gutes Mittel im Kampf gegen die illegale Verfolgung“, sagt der Artenschutz-Experte des WWF, Christian Pichler.

Da die GPS-Sender auch mit einem Temperatursensor ausgestattet sind, weiß man sofort, wenn ein Tier nicht mehr am Leben ist. Dass Erfolg und Misserfolg der Wiederansiedlung knapp beieinander liegen, zeigen die Zahlen. Von den ersten 12 besenderten Vögel liefern nur noch zwei Daten. „Drei Tiere wurden erschossen oder vergiftet, ein Adler geriet in eine Windkraftanlage und einer erlitt einen tödlichen Stromschlag. Bei fünf ist der Sender bereits abgefallen“, schildert Pichler.

Für Thiem war der Kontakt mit den Jungtieren ein bewegender Moment: „Es war eine unglaublich berührende Erfahrung, den bald ausfliegenden Adlern Starthilfe für ihre anstehende Reise zu geben.“

40 Brutpaare fühlen sich in Österreich wohl

Der Seeadler  gehört mit einer Flügelspannweite von bis zu 230 cm zu den größten Adlern Europas. Nach seiner Ausrottung in den 1950er-Jahren war er jahrzehntelang aus Österreich und weiten Teilen Europas verschwunden. Gesamteuropäische Schutzbemühungen führten vor rund 20 Jahren zur erfolgreichen Wiederansiedlung. 2001 konnte das erste Brutpaar erfolgreich Nachwuchs zur Welt bringen. 

Österreich bietet aktuell etwa 35 bis 40 Brutpaaren Lebensraum. Zu ihren bevorzugten Habitaten und Brutplätzen zählte im letzten Jahr mit elf bekannten Brutpaaren und 16 Jungvögeln das Waldviertel. Im Nationalpark Donau-Auen sind sechs Brutpaare und fünf Jungvögel bekannt, in den March-Thaya-Auen vier Brutpaare und fünf Stück Nachwuchs. Das Nordburgenland zählt derzeit drei Brutpaare und vier Jungvögel, die Oststeiermark und das Südburgenland drei Brutpaare mit sechs Jungen.

Mitte Februar erfolgt die Eiablage. Nach 38 bis 42 Tagen Brutzeit schlüpfen die Vögel dann mit  Ende März. Anschließend werden die Jungen über einen Zeitraum von 80 bis 90 Tagen aufgezogen. Im Herbst verlassen die Jungadler den elterlichen Horst und beginnen selbst mit der Futtersuche. Das Höchstalter der in Freiheit lebenden Seeadler beträgt 36 Jahre.  

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