Chronik | Niederösterreich
12.01.2012

Stadtbäume genau im Visier

Ein Schuldspruch gegen die Stadt St. Pölten nach einem tödlichen Baumbruch sorgt bei den Gemeinde für Besorgnis.

Kleine silberne Marken mit zwei sechsstelligen Zahlen entscheiden über Leben oder Tod. Für drei 50-jährige Akazien am Scheibbser Rathausplatz haben diese Codes die Motorsäge bereits reserviert. Die Wurzeln der mächtigen Schattenspender sind faulig, ein Pilz lässt den Stamm innerlich morschen. „Wenn die Experten Alarm schlagen, kann es niemand verantworten, solche Bäume weiter zu halten“, sagt die Scheibbser Bürgermeisterin Christine Dünwald.

Das jüngste Höchstgerichtsurteil, wonach die Stadt St. Pölten nach einem tödlichen Baumbruch für schuldig gesprochen wurde, ließ bei den Gemeindeverwaltungen erneut die Alarmglocken schrillen. „Einmal im Jahr werden alle Bäume genau kontrolliert. 350 sind im Kataster penibel registriert. Ein absoluter Profi hilft uns dabei. Sollte trotzdem etwas passieren, kann uns niemand grobe Fahrlässigkeit vorwerfen“, erklären Stadtamtsdirektor Gerhard Nenning und Stadtrat Franz Jagetsberger.

Von den vier Akazien vorm Rathaus musste wegen Gefahr in Verzug schon eine gefällt werden. Den drei anderen wird das selbe Schicksal noch heuer blühen.

Neupflanzung

Wie in Scheibbs wird auch in Waidhofen/Ybbs für jeden geschlagenen Baum ein neuer gepflanzt. Die Sägen würden nur gestartet, wenn es keine Alternative mehr gebe oder Menschen gefährdet werden, versichert Stadtförster Andreas Plachy. Seit 15 Jahren betreibt er ein EDV-gestütztes Pflegekonzept. 600 Stadtbäume, darunter regelrechte Naturdenkmäler, wie jene in der Kaiser-Franz-Josef-Allee (Österreichs längste geschlossene Allee).

Mit dem Naturpark Buchenberg und einem Kletterwald haben Plachy und zwei städtische Forstarbeiter das ganze Jahr über alle Hände voll zu tun. Um manchen Edelbaum zu retten, werden auch Profi-Baumpfleger engagiert. Doch in Sparzeiten müsse vieles in Eigenregie erledigt werden. Das St. Pölten–Urteil mache einmal mehr die Verantwortung bewusst. Nach manchem Wintersturm schlafe er in den Nächten nicht gut, gesteht Plachy.

Nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen hat es auch in Amstetten am zentrumsnahen Jakobsbrunnenweg massive Schlägerungen gegeben. „Das St. Pölten-Urteil haben wir mit Interesse registriert. Die Kontrollarbeit der Stadtförster erfolgt regelmäßig“, sagt Stadtamtsdirektorin Beatrix Lehner.