© Johannes Weichhart

Chronik Niederösterreich
09/02/2019

St. Pölten: Kripo ermittelt in der „Eierspeisburg“

Ausgerechnet der letzte Mieter wurde Opfer von Einbrechern. Der Fall ist äußerst mysteriös.

von Johannes Weichhart

Es ist ein äußerst ungewöhnlicher Fall, der derzeit die Kriminalpolizei in St. Pölten beschäftigt. Ungewöhnlich schon deshalb, weil sich der Tatort in einem Mehrparteienhaus befindet, das eigentlich gar nicht mehr genutzt werden sollte und derzeit von schweren Baumaschinen dem Erdboden gleich gemacht wird.

Das Gebäude, das viele in der Landeshauptstadt ob seiner ockergelben Farbe Eierspeisburg nennen, soll einem großen Supermarkt und Büros weichen. Geplant ist auch eine Verbreiterung der angrenzenden Straße.

Alle Bewohner haben das Haus, das zum Teil nur noch einem riesigen Trümmerhaufen gleicht, auch schon verlassen. Bis auf einen: Erik Holzer, der seit 17 Jahren in der „Eierspeisburg“ ein Büro angemietet hat, er wollte so schnell nicht ausziehen. „Mir wurde eine lächerlich geringe Ablöse angeboten. Das wollte ich mir nicht gefallen lassen. Deshalb habe ich mir einen Rechtsbeistand gesucht“, erzählt er.

Aufgebrochen

Nach langen Hin und Her wurde mit der Baufirma vor Gericht eine Einigung erzielt, doch nun muss sich der EDV-Techniker mit ungebetenen Gästen herumschlagen. Am vergangenen Donnerstag, als der 44-Jährige in seiner Wohnung an seinem Computer arbeitete, ging von einer Sekunde auf die andere plötzlich gar nichts mehr – Blackout.

"Jemand will mir schaden"

Als er Nachschau in seinem Büro hielt, bemerkte er, dass jemand einen Server gestohlen hatte. „Die Täter dürften eine Brandschutztüre aufgebrochen und so in das Innere gelangt sein“, sagt Holzer. Auch Computerware (Mainboards, Speicherboxen) im Wert von mehr als 7.000 Euro nahmen die Unbekannten mit.

Holzer glaubt allerdings nicht, dass er ein Zufallsopfer ist. „Ich gehe davon aus, dass mir jemand bewusst schaden will.“ Kurz nachdem Holzer den Einbruch gemeldet hatte, war auch schon die Exekutive vor Ort, um Spuren zu sichern.

Andrea Schmidt, die Rechtsanwältin des 44-Jährigen, hofft, dass die Polizei den Kriminellen rasch auf die Schliche kommt. „Die ganze Sache ist sehr mysteriös. Ich hoffe auf volle Aufklärung.“