Maskottchen Corona braucht vermutlich einen neuen Namen. Bürgermeister M. Gruber nimmt die Namensgleichheit gelassen.

© Wammerl Patrick

Reportage
03/22/2020

St. Corona am Wechsel: "Das ist für uns nicht die erste Krise"

Der Ausflugsort St. Corona am Wechsel (Bezirk Neunkirchen) teilt sich den Namen mit dem tödlichen Virus.

von Patrick Wammerl

Die kleine Ameise „Corona“ leitet die Touristen für gewöhnlich durchs beschauliche Dörfchen. Der Corona-Park offenbart eine Spielwiese aus Motorik-Parcours und Mountainbike-Eldorado, ein paar Hundert Meter weiter schlängelt sich der Corona-Coaster ins Tal. Die Sommerrodelbahn zieht jährlich Tausende Gäste nach St. Corona am Wechsel.

Dass das heimtückische Virus ausgerechnet denselben Namen trägt wie das beschauliche Dörfchen am Wechsel (NÖ), sorgt in der 390-Seelen-Gemeinde für gemischte Gefühle. „Ganz ehrlich. Das ist für uns nicht die erste Krise“, lacht Bürgermeister Michael Gruber. Deshalb will er die Situation auch bewusst nicht dramatisieren. Zu Beginn der Coronavirus-Epidemie habe es ob der Namensgleichheit viele Witze, Dummheiten und spaßhafte Bemerkungen gegeben. „Das ist mittlerweile aber vorbei.

Umso ernster es geworden ist, desto weniger sind die Witze und umso kleiner ist auch das Verständnis dafür geworden“, erklärt der Ortschef.

Perle des Wintersports

Wieso mittlerweile große Betroffenheit im Tourismusort auf 840 Meter Seehöhe herrscht, liegt auf der Hand. Es ist erst ein paar Jahre her, dass St. Corona sich aus einem ganz tiefen Loch gezogen hat. 47 Jahre lang galt der Ort als kleine, nostalgische Perle des niederösterreichischen Wintersports. Bis das Land 2014 die schwer defizitären Liftbetriebe einstellen musste. Was man damals noch nicht wusste, war, dass man viel stärker aus der Krise hervorgehen würde. St. Corona wurde in den Folgejahren vom Schicksal geküsst. Das touristische Ersatzprogramm einer Ganzjahresdestination mit Kinder-Skiland, dem Mountainbike-Park Wexl-Trails, einem Motorikpark und dem Corona-Coaster hat voll eingeschlagen. Und mit dem Vintage-Hotel Fernblick haben die Designer Michael Niederer und Andreas Wessely eine Hochzeits- und Eventlocation mit besonderer Note nach St. Corona gebracht.

Auch Zimmeranbieter wie Birgit und Manfred Gruber mit ihrem Urlaub am Bauernhof profitierten von der Aufbruchstimmung und dem Boom. Es wurde entsprechend in die Betriebe investiert. „Ohne das erfolgreiche Tourismusprojekt wären wir tot gewesen. Deshalb ist es für uns derzeit eine sehr unsichere Situation“, erklärt der Bürgermeister.

Dass die strengen Ausgangsbeschränkungen der Regierung bis über Ostern verlängert wurden, geht der Gemeinde durch Mark und Bein. Der Beginn der Osterferien hätte auch die Saison eingeläutet. „Wir sind von der Höhenlage her das erste Gebiet, das in Österreich radtouristisch was anzubieten hat. Umso schmerzlicher ist die jetzige Lage“, schildert Manfred Gruber. Sein Betrieb wäre über Ostern bereits ganz gut gebucht gewesen.

Für die notwendigen Maßnahmen gegen das Virus hat man aber vollstes Verständnis. „Man kann nur hoffen, dass sich die Situation bald normalisiert. Es hängen bei uns viele Existenzen am Tourismus“, so der Ortschef. Apropos Tourismus: Mit dem Coronavirus hat vermutlich auch Ameisen-Maskottchen Corona am Wechsel ausgedient. Man fürchtet, dass der Name auf lange Sicht gesehen zu negativ behaftet ist.

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