Ex-Ortschef Harald Richter (mit Anwalt Ernst Schillhammer, re.) bekannte sich nicht schuldig.

© Wammerl Patrick

Chronik Niederösterreich
06/07/2021

Sportplatz-Bau führte Ex-Ortskaiser auf Anklagebank

Ehemaliger Bürgermeister von Lichtenwörth stand vor Gericht. Er wurde nicht rechtskräftig freigesprochen.

von Patrick Wammerl

Für den früheren Bürgermeister der Marktgemeinde Lichtenwörth bei Wiener Neustadt, Harald Richter (SPÖ), wurde der Bau eines neuen Sportplatzes zum Bumerang. Bei dem Projekt fehlten Beschlüsse und die Auftragsvergabe sowie die Kosten ließen einige Fragen offen. Das führte ihn nun vor Gericht. Eineinhalb Jahre nach seinem politischen Abgang musste er sich im Zusammenhang mit dem Projekt am Montag am Landesgericht Wiener Neustadt wegen des Vorwurfs der Untreue unter Ausnützung einer Amtsstellung verantworten.

Jahrzehntelang hatte die SPÖ in Lichtenwörth die absolute Mehrheit und der Bürgermeister den Status eines Ortskaisers. Bei der Wahl 2020 wendete sich das Blatt und Richter musste abdanken. Allerdings holten mehrere anonyme Anzeigen bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft den Nachrichtentechniker wieder ein.

Kostenrahmen zu gering

2018 hatte die Gemeinde den alten Sportplatz zu Wohnbauzwecken für 1,6 Millionen Euro an die SPÖ-nahe Erste Burgenländische Siedlungsgenossenschaft verkauft. Dafür sollte im Gegenzug auf der grünen Wiese ein neuer Fußballplatz errichtet werden. Richter ließ von drei ihm bekannten Firmen Angebote für eine Generalplanung einholen. Allerdings nur mit einem Kostenrahmen von 600.000 Euro. „Wissentlich, dass das eigentliche Projekt viel mehr kostet“, so die Staatsanwältin.

„Die Summe war für uns erschreckend. Es wussten alle, dass man um diesen Betrag keinen Sportplatz bauen kann“, belastete der Lichtenwörther Amtsleiter seinen ehemaligen Bürgermeister. Es hätte zuvor schon Kostenschätzungen von rund 1,5 Millionen Euro gegeben. Richter habe sich in der Angelegenheit als „beratungsresistent“ erwiesen, keine Ausschreibung vorgenommen und die Vorgangsweise nur in den SPÖ-Gremien abgesegnet, so der Zeuge.

"Kalte Füße" bekommen

Die Frau eines befreundeten SPÖ-Bürgermeister-Kollegen, die bei einer der Firmen arbeitete, bekam schließlich den Zuschlag für die Projektierung. Im Endeffekt schlug sich der Bau mit 2,3 Millionen Euro zu Buche. Wieso er nicht die notwendigen Gemeinderatsbeschlüsse im Vorhinein einholte, wollte die Richterin wissen.

„Wir haben alles in der Fraktion besprochen und wir hatten die Mehrheit. Die Beschlüsse sollten nachgeholt werden“, erklärte der Beschuldigte. Und es war Eile geboten. Der SC Lichtenwörth spielte seine Heimspiele schon eine Saison lang auswärts und die Liga drohte mit einem Ausschluss. „Es wurde gestritten und die Opposition zog immer wieder aus dem Gemeinderat aus. Weshalb sich das Projekt auch um Monate verzögerte“, sagte Richter.

Um rechtzeitig vor der Saison fertigzuwerden, musste die Gemeinde auf das Ansäen des Rasens verzichten und stattdessen für über 100.000 Euro einen Rollrasen bestellen. In der SPÖ habe man gedacht, die Sache fliege ihnen im Wahlkampf um die Ohren, sagte Richter. Man habe „kalte Füße“ bekommen und wollte das Vorhaben erst nach der Wahl beschließen. Da war die Fraktion allerdings nicht mehr am Ruder.

Bezahlt ist der Rollrasen bis heute nicht und ein Rechtsstreit mit der Gemeinde anhängig. Am Montagabend folgte dann das Urteil in dem Verfahren: Freispruch – nicht rechtskräftig.

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