Sparkurs in Perchtoldsdorf trifft Ortsbus und Seniorenschwimmen
Das Hallenbad im Freizeitzentrum Perchtoldsdorf.
Es herrscht Ebbe in der Gemeindekasse in Perchtoldsdorf (Bezirk Mödling). Auf der Suche nach Einsparungspotenzial wurde seitens der ÖVP-/Neos-Rathauskoalition nun auch das Angebot im örtlichen Freizeitzentrum neu organisiert, wo Eislaufplatz, Hallen- und Freibad angesiedelt sind.
Wie in vielen anderen Gemeinden auch bereitet der Badebetrieb den Verantwortlichen in finanzieller Hinsicht Kopfzerbrechen. Rund zwei Millionen Euro muss man jährlich zuschießen, um ausgeglichen bilanzieren zu können. Bemühungen von Bürgermeisterin Andrea Kö (ÖVP) in den vergangenen Monaten, Amtskollegen aus dem Bezirk zu einer Beteiligung an den Kosten zu bewegen, blieben erfolglos. Kö hatte auf Solidarität gehofft, da Erhebungen zeigen, dass nur 20 Prozent der Nutzer des Freizeitzentrums aus Perchtoldsdorf stammen, der Rest aus dem Umland.
Nun wird der öffentliche Badebetrieb auf Mittwoch bis Sonntag beschränkt. Montags und dienstags bleibt das Freizeitzentrum Schulen und Vereinen vorbehalten. Hintergrund dazu: Für diese Schwimmkurse bzw. Trainings ist die Gemeinde nicht verpflichtet, einen eigenen Bademeister zu stellen, weil dies von den Nutzern selbst übernommen wird.
Überschaubare Teilnehmerzahlen
Betroffen davon ist allerdings das Seniorenschwimmen, das bislang an Dienstagen stattgefunden hat. Man bedaure dies natürlich, heißt es dazu auf KURIER-Nachfrage aus dem Gemeindeamt. Die Teilnehmerzahlen beim Seniorenschwimmen seien zuletzt aber eher überschaubar gewesen. Man müsse nun auf Kosteneffizienz achten.
Das betrifft auch den Ortsbus, der in Perchtoldsdorf schon im Jahr 2022 zur Diskussion stand, dann aber doch weitergeführt wurde. Jetzt stehe erneut ein Aus im Raum, fürchtet Grünen-Sprecherin Martha Günzl.
Vizebürgermeister Anton Platt (Neos) will dazu derzeit keine Details nennen, bestätigt jedoch, dass die Gemeinde neue Verhandlungen mit der Niederösterreichischen Verkehrsorganisationsgesellschaft (NÖVOG) bezüglich der Buslinie aufgenommen hat. Denn auch hier seien die Nutzungszahlen äußerst bescheiden. „Das Angebot entspricht offensichtlich nicht den Bedürfnissen der Perchtoldsdorfer Bevölkerung, sonst hätten wir eine höhere Auslastung“, sagt Platt.
2,5 Fahrgäste im Durchschnitt
Im Jahresdurchschnitt sei der Bus laut Zählungen nur mit 2,5 Personen besetzt.„ An einigen Haltestellen liege der Wert gar nur bei 0,6. “Das rechtfertigt eher nicht den Betrieb eines Dieselbusses, das kann man zum Beispiel per Taxi wahrscheinlich besser lösen„, so Platt, der aber den Verhandlungen ausdrücklich nicht vorgreifen möchte.
Ganztagesschule
Ausgebaut wird in Perchtoldsdorf hingegen die Kinderbetreuung. Nachdem man bereits die Volksschule Roseggergasse auf ein Ganztagesangebot umgestellt hatte, soll nun die Volksschule Sebastian Kneippgasse folgen.
Das Schulforum und der Volksschulgemeindeausschuss haben “mit großer Mehrheit der Einführung einer offenen Ganztagsschule zugestimmt„, so Bürgermeisterin Kö. Man setze damit “ein zentrales Anliegen unseres Koalitionsprogramms„ um, betonen Kö und Platt. “In den vergangenen Monaten wurde intensiv an dieser Lösung gearbeitet, da sie als zeitgemäßes Modell gilt, um Schule, Lernen und Betreuung besser miteinander zu verbinden.„
Ganztagesangebot. Ausschussobmann Martin Schwab, Bürgermeisterin Andrea Kö und Vize Tony Platt vor der Volksschule Sebastian Kneippgasse.
Nun prüft die Bildungsdirektion NÖ die räumlichen Gegebenheiten am Standort und entscheidet, ob Umbauarbeiten oder andere Adaptierungen erforderlich sind. Der entsprechende Antrag wurde vom Obmann der Volksschulgemeinde, Martin Schwab, eingereicht.
Freie Entscheidung
Die offene Ganztagsschule trage dem Umstand Rechnung, dass Kinder unterschiedlich schnell lernen, sagt die Bürgermeisterin. “Durch gemeinsame Lernzeiten und darin integrierte Übungsphasen erhalten Schüler mehr Raum für individuelle Förderung. Hausaufgaben können in der Schule erledigt werden – begleitet von pädagogischem Fachpersonal.„ Gemeinsames Lernen und Freizeitangebote würden soziale Kompetenzen, Selbstständigkeit und Teamfähigkeit fördern.
“Dieses Modell entlastet nicht nur die Kinder, sondern auch die Familien„, so Platt. Die Entscheidung stehe frei, ob man die Nachmittagsbetreuung in Anspruch nehmen möchte oder nicht.
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