Sonnenkollektoren am Landhausschiff in St.Pölten

© Atzenhofer Wolfgang

Chronik Niederösterreich
03/05/2020

Sonnenstrom ohne Bodenverlust

Niederösterreich will Kollektoren bis 2030 verzehnfachen und trotzdem Flächen schützen

von Wolfgang Atzenhofer

Mit 40.000 Fotovoltaik-Anlagen und 230 Hektar Sonnenkollektoren liegt Niederösterreich bei der Erzeugung von Sonnenstrom im Spitzenfeld der Bundesländer. In den nächsten zehn Jahren soll die Leistung der Sonnenkraftwerke noch einmal verzehnfacht werden. Bei diesem massiven Ausbau komme den Einrichtungen des Landes selbst und den Gemeinden die größte Verantwortung zu, erklärte Landesvize Stephan Pernkopf, ÖVP. In der Ausbau-Strategie des Landes dürfen große Kollektorenflächen im freien Gelände aber keinesfalls wertvollen Agrargründe verbrauchen.

Seit 2015 deckt NÖ den Strombedarf zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie, erinnerte Pernkopf. Bei der angestrebten generellen Energiewende werde die Fotovoltaik eine noch größere Rolle spielen. Klimaschutz, aber auch neue Wertschöpfung für regionale Betriebe seien zusätzliche begrüßenswerte Faktoren dabei. Die schon in NÖ erreichte Leistung von 325 Megawatt werden hauptsächlich von auf Dächern montierten Kollektoren erzeugt. Das soll so auch bestmöglich fortgesetzt werden, kündigte der LH-Vize an.

„Priorität haben PV-Anlagen auf Dächern, auf Betriebshallen und anderen schon bebauten Flächen. Das können auch Parkplätze sein“, sagte Pernkopf. Das Land möchte Vorbild sein. Sämtliche Dächer aller 225 Landesgebäude wurden auf ihre Fotovoltaik-Tauglichkeit geprüft. Möglichst viele sollen hochgerüstet werden.

Grundumwidmungen

Um das ehrgeizige Ziel zu erreichen müssen aber auch Freiflächenanlagen gebaut werden. Dabei wird den Gemeinden eine maßgebliche Rolle zukommen. Sie müssen entsprechende Gründe auf „Grünland-Fotovoltaikanlage“ umwidmen. Raumordner, Naturschützer und Landschaftsarchitekten haben dafür einen Widmungsleitfaden erarbeitet, der die Bürgermeister unterstützen soll, berichtete Pernkopf. Sonnenkraftwerke dürfen nicht einfach auf der grünen Wiese errichtet werden.

Deshalb gibt es klare Vorgaben: Die Kommunen sind angehalten, vor Umwidmungen eine Gemeinde-Strategie zu erarbeiten, weiters müssen die ausgewählten Gründe einen Netzzugang aufweisen. „Außerdem sind hochwertige Agrargründe, die wir für die Lebensmittelproduktion brauchen, von vornherein auszuschließen“, verlangte Pernkopf. Projektbetreiber dürfen nur Flächen mit minderer Bodenqualität nutzen. NÖ sei Vorreiter beim Schutz hochwertiger Böden, sagte Thomas Knoll, Präsident der Landschaftsarchitekten. Mit guter Planung könne man Fotovoltaik gut ins Landschaftsbild integrieren.

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