© Andreas Tischler / Vienna Press/Bühnen Berndorf/Andreas Tischler

Chronik Niederösterreich
09/04/2020

SOKO Unterhaltung

Kristina Sprenger. Die Schauspielerin und Berndorfer Intendantin über den Lockdown, das Theaterspielen in Corona-Zeiten und welche Chancen die Krise bietet

von Markus Foschum

„Als es losgegangen ist, habe ich noch gedacht: Zum Glück ist unsere Premiere ja erst am 6. August, bis dahin hat sich das sicher wieder beruhigt. Die Dramatik und Tragweite war damals nicht zu erahnen. Die Erkenntnis, dass es nicht so ist, kam dann zizerlweise“, erzählt Kristina Sprenger. Wie alle Kunstschaffenden des Landes wurde auch die Intendantin der Berndorfer Festspiele (Bezirk Baden) von der Corona-Krise eiskalt erwischt. Doch die Ex-TV-Kommissarin lässt sich davon nicht unterkriegen. Die für heuer geplante Produktion „Ladies Night“ wurde zwar eins-zu-eins in den Sommer 2021 verschoben. Doch gespielt wird in Berndorf trotzdem: Zuletzt „ÖSTERreich an Witz – Lachen mit Takt im Theaterpark“ und ab 1. Oktober die Komödie „Das Abschiedsdinner“. Dazwischen (19. und 20. September) liegen die Kinderfestspiele mit „Schneewittchen – das Einzwergmärchen“.

„Corona-Modus“

Was Sprenger besonders freut: „Ladies Night war ja schon fast ausverkauft, aber nur wenige haben die Karten zurückgegeben, viele haben angerufen, dass sie mit der Verschiebung auf nächstes Jahr zufrieden und einverstanden sind.“ Trotzdem „wollten wir schon was machen, nur eben dem Virus angepasst.“ Das Ergebnis: Österreichische Literatur und Lieder vom Feinsten mit Bühnenpartner Robert Kolar und Akkordeonist Helmut Stippich. Und nicht im, sondern vor dem Stadttheater – im Zelt. Wo auch „Schneewittchen“ über die Bühne gehen wird. Für Sprenger sind diese Aktivitäten extrem wichtig. „Das sind Lebenszeichen. Ansonsten hätten wir monatelang zu gehabt.“ Das Herbststück wird wieder im Stadttheater-Inneren gespielt. Aber halt auch im „Corona-Modus“ mit weniger Zuschauern: „Wir versuchen auch schon bei den Proben Abstand zu halten, lassen uns regelmäßig testen und vermeiden große Events“, sagt Sprenger.

Wahl-Sooßerin

Der Arbeitsplatz der gebürtigen Tirolerin, die 13 Jahre lang bei SOKO Kitzbühel im Fernsehen erfolgreich ermittelte, befindet sich übrigens nur wenige Kilometer von ihrem Wohnort entfernt in der Weinbaugemeinde Sooß. Was ein glücklicher Zufall war, betont Sprenger. „Wobei Sooß vor Berndorf da war. Ich bin ja schon mit 18 nach Wien gezogen, doch als meine Tochter Rosa zur Welt kam, wollten wir der Stadtstruktur entfliehen. Meine Schwiegereltern wohnen in Baden, deshalb haben wir uns in der Umgebung umgeschaut und bei Sooß war es Liebe auf den ersten Blick. Dann hat es sich mit einem Grundstück ergeben und das habe ich keine Sekunde bereut.“ Kurze Zeit später wurde die Leitung am Theater Berndorf frei und 2014 wurde aus der TV-Ermittlerin die Intendantin. Sprenger folgte dabei auf Kaliber wie Felix Dvorak (22 Jahre Intendanz) und Michael Niavarani (drei Jahre) und baute das Programm aus.

Optimismus

Den Lockdown hat die quirlige Intendantin und Schauspielerin übrigens nicht nur gut überstanden, sondern sogar etwas genossen. „Das war die totale Entschleunigung, weil sowohl ich als auch mein Mann sonst beruflich sehr eingespannt sind. Wir waren dann sieben Wochen praktisch untergetaucht. Ich bin jeden Tag in der Früh mit meiner Tochter und dem Hund spazieren gegangen oder wir haben auch viel miteinander gekocht“, erzählt Sprenger.

Doch die Ruhe währte nicht lange. Mit Rudi Roubinek ging Kristina Sprenger im ORF auf Sommertour, im Wald4tler Hoftheater stand sie auf der Bühne, bei Lesungen und Moderationen war sie aktiv. „Es tut sich was, unglaublich vielfältig, aber so habe ich mir das nach 13 Jahren Serienarbeit auch vorgestellt. Es ist schön, wenn man präsent sein darf“, betont Sprenger.

Die Corona-Krise sieht sie auch als Chance, sich mit sich selbst zu befassen, an sich zu arbeiten. „Ich glaube, man darf nicht darüber nachdenken, wie lange das jetzt so weitergeht.“ Für die nähere Zukunft müsse man sich auf kleinere Produktionen einstellen, was aber auch „spannend sein kann.“ Und weiter: „Wir müssen vielleicht etwas kleiner denken, solange uns das Virus begleitet. Aber man darf nicht denken, was nicht geht, sondern was geht.“

www.buehnen-berndorf.at

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