Pilotprojekt in NÖ: Software erkennt Waldbrand-Gefahr
Waldbrand in Gutenstein.
Das heurige Frühjahr war in den Wäldern bereits eines der brandintensivsten der letzten 30 Jahre. Das Institut für Waldbau der Universität für Bodenkultur Wien (Boku) untersucht die Gründe und führt seit Jahren eine eigene Waldbrand-Datenbank. Laut den Aufzeichnungen wurden heuer bis Mitte Juni österreichweit 142 Waldbrände registriert. Das ist der höchste Wert seit 2020 – damals waren es 172 Waldbrände.
Statistisch gehört die erste Jahreshälfte 2026 zu den 5 mit den meisten Waldbränden in den vergangenen 3 Jahrzehnten, heißt es vonseiten der Boku. Niederösterreich liegt heuer mit 23 Waldbränden im Bundesländer-Vergleich an 3. Stelle – hinter der Steiermark (knapp 50) und Kärnten (24).
Einsatz in Gutenstein
Wegen der heuer extremen Trockenheit wurde bereits im April in allen Bezirken Niederösterreichs die Waldbrandverordnung ausgerufen. Das bedeutet, dass das Entzünden von Feuer, das Rauchen in Waldgebieten, Grillstellen oder Lagerfeuer strengstens verboten sind. Bei Missachtung drohen den Verursachern hohe Strafen. Nichtsdestotrotz gab es Montagabend im Bezirk Wiener Neustadt schon wieder Waldbrand-Alarm. Ein Pilot hatte auf einem Bergrücken im Raum Gutenstein eine Rauchsäule wahrgenommen und die Sichtung der Flugsicherungsbehörde Austro Control gemeldet.
Waldbrand in Gutenstein.
Waldfachpläne erstellt
Sofort wurden die örtlichen Feuerwehrkräfte alarmiert. Die Suche nach der Brandstelle gestaltete sich äußerst herausfordernd. Erst nach rund 1 Stunde gelang es Patrick Herger, Einsatzleiter und Kommandant der Feuerwehr Gutenstein, die genaue Einsatzstelle in dem steilen Waldgebiet im Matzingtal zu lokalisieren.
Zur Erkundung der Lage aus der Luft wurde ein Polizeihubschrauber angefordert. Als Herausforderung gestaltete sich der Aufbau der Löschleitungen in dem steilen Gelände. Zur Unterstützung wurden die Feuerwehren der Umgebung nachalarmiert, 60 Feuerwehrleute standen stundenlang im Einsatz.
„Pyroscout“
Damit bei Waldbränden sofort klar ist, wo und mit welchen Fahrzeugen zu Brandherden vorgerückt werden kann, hat man im Industrieviertel bereits vor 2 Jahren sogenannte Waldfachpläne erstellt. Dazu wurden die Forstwege von den Feuerwehren gemeinsam mit den Bezirksforstbehörden und Grundbesitzern befahren und für die Einsatzorganisationen kartiert, kategorisiert und digitalisiert. Es ging vor allem darum, die Breiten und Durchfahrtshöhen für den Einsatz von großen Tanklöschfahrzeugen und Großgeräten festzustellen.
Suche nach Partner-Gemeinden
In die Pläne aufgenommen wurden auch die bestehenden Wasserentnahmestellen. Das Piestingtal und speziell die Gemeinden Gutenstein und Waldegg sind in den kommenden Monaten auch Testgebiet für ein neues Pilotprojekt mit dem Namen „Pyroscout“. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) testet in den Gebieten eine neue Software für Drohnen, um Waldbrände frühzeitig zu erkennen. Auf Basis der Drohnenaufnahmen lassen sich auffällige Temperaturmuster und potenzielle Risikobereiche frühzeitig erkennen. Laut KFV erhalten Gemeinden, Feuerwehren und Einsatzkräfte damit eine zusätzliche Grundlage, um gefährdete Waldabschnitte rascher zu identifizieren, die Überwachung gezielt zu verstärken und präventive Maßnahmen vorzubereiten. Das Kuratorium sucht noch nach Partner-Gemeinden, um den Prototyp an verschiedenen Orten bis in den Herbst zu testen.
Enorm hohe Kosten
Wieso die Vermeidung von Waldbränden wichtig ist, skizzieren die Experten der Boku: Waldbrände zerstören nicht nur Erholungsgebiete, sondern verringern auch die Schutzfunktion von Bergwäldern, erhöhen die Anfälligkeit gegenüber Naturgefahren, reduzieren die Produktivität durch verstärkte Bodenerosion. Außerdem verursachen die Feuer hohe Kosten bei der Brandbekämpfung und der Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme.
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