Jugendkonferenz: Jugend fordert klare Regeln für Social Media
Die Jugendlichen diskutierten und arbeiteten konkrete Forderungen an die Politik aus.
Zusammenfassung
- Jugendliche fordern praxisnahe und altersgerechte Vermittlung digitaler Kompetenzen sowie ein eigenes Schulfach für Medienkompetenz.
- Das geplante Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige wird als unzureichend angesehen; begleitende Maßnahmen und Einbindung der Eltern werden gefordert.
- Plattformbetreiber sollen stärker in die Pflicht genommen werden, etwa durch mehr Transparenz, besseren Datenschutz und wirksame Maßnahmen gegen Desinformation.
„Wir wünschen uns aktives Zuhören“, brachte Moritz Mittermann, Vorsitzender der Bundesjugendvertretung, das Anliegen vieler junger Menschen auf den Punkt. Drei Tage lang stand die Stimme der Jugendlichen in St. Pölten im Mittelpunkt: Bei der Österreichischen Jugendkonferenz erarbeiteten mehr als 60 Teilnehmende aus allen Bundesländern und Südtirol Forderungen zu Social Media, Desinformation und psychischer Gesundheit - und diskutierten diese direkt mit der Politik.
Social Media
Unter dem Motto „Die EU, Social Media und Du“ setzten sich die Teilnehmenden mit den Chancen und Herausforderungen digitaler Medien auseinander. Ein zentrales Anliegen war dabei die Vermittlung digitaler Kompetenzen. Junge Menschen würden täglich mit einer Flut an Informationen konfrontiert, erklärte Mittermann. Umso wichtiger sei es, frühzeitig zu lernen, seriöse Quellen von Falschinformationen zu unterscheiden und die Mechanismen sozialer Plattformen zu verstehen.
„Wir fordern, dass man sich in der Schule praxisnah und altersgerecht mit digitaler Kompetenz auseinandersetzt - nicht als Randthema“, ergänzte Anna Schwabegger, ebenso Vorsitzende der Bundesjugendvertretung. Viele Teilnehmende würden sich wünschen, dass Medienkompetenz künftig einen fixen Platz im Unterricht erhält. Diskutiert wurde dabei auch die Einführung eines eigenen Schulfachs. Dass dieses Anliegen viele junge Menschen beschäftig, zeigt auch die aktuelle Ö3-Jugendstudie: Rund 77 Prozent der zwischen 16 und 25-jährigen wünschen sich mehr digitale Kompetenzen in der Schule.
Jugendlandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister verwies darauf, dass digitale Bildung in Niederösterreich bereits verpflichtender Bestandteil der Lehrerausbildung sei. Änderungen an Lehrplänen und die Einführung eines eigenen Unterrichtsfachs lägen jedoch in der Zuständigkeit des Bundes.
Social-Media Verbot
Das geplante Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige, das ab September 2026 gelten soll, beschäftigte ebenfalls die Konferenzteilnehmerinnen und Teilnehmer. Einig war man sich darüber, dass ein Verbot allein nicht ausreichen werde. Vielmehr brauche es begleitende Maßnahmen, um junge Menschen beim sicheren Umgang mit digitalen Medien zu unterstützen.
Teschl-Hofmeister verwies darauf, dass Niederösterreich bereits an entsprechenden Angeboten arbeite. Mit einem „digitalen Werkzeugkoffer“ sollen Schulen, Eltern und Jugendliche bei der Umsetzung neuer Regelungen unterstützt werden. Zudem werde mit der Initiative „Handykompetente Schule“ verstärkt auf Medienbildung gesetzt. „Wir können das nicht allein an die Schulen delegieren“, betonte die Landesrätin. Neben der Bildungsarbeit müssten auch Eltern stärker eingebunden werden.
Tiroler Jugendlandesrätin Astrid Mair diskutierte mit den Vorsitzenden der Bundesjugendvertretung Moritz Mittermann und Anna Schwabegger, sowie mit Niederösterreichs Jugendlandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister zu digitalen Medien und deren Auswirkungen.
Plattformen in der Pflicht
Die Jugendlichen machten deutlich, dass sie die Verantwortung nicht nur bei Schulen und Familien sehen. Plattformbetreiber müssten stärker in die Pflicht genommen werden. Gefordert wurden mehr Transparenz bei Algorithmen, ein besserer Schutz persönlicher Daten und wirksame Maßnahmen gegen Desinformation und Hassrede. Viele der Forderungen seien auf EU-Ebene umzusetzen, weshalb es besonders wichtig sei, dass die Jugendlichen ihre Anliegen weitertragen, so Teschl-Hofmeister.
Neben der Medienkompetenz war die psychische Gesundheit eines der meistdiskutierten Themen der Konferenz. Die Jugendlichen verwiesen auf Belastungen durch ständige Erreichbarkeit, Vergleichsdruck und unrealistische Schönheitsideale in sozialen Netzwerken. Gefordert wurden ein Ausbau der Schulpsychologie, mehr kostenlose Therapieplätze und niederschwellige Hilfsangebote.
Die Konferenz zeigte vor allem eines: Junge Menschen kennen die Herausforderungen der digitalen Welt und seien bereit, an Lösungen mitzuwirken. Entscheidend sei nun, dass ihre Vorschläge nicht nur gehört, sondern auch umgesetzt werden. „Wir wünschen uns nicht nur Zuhören, sondern auch Rückmeldungen, was mit unseren Ideen passiert“, sagte Mittermann.
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