„Sein Leben wär’ jetzt losgegangen“

© Bild: Polizei

Lokalaugenschein im Waldviertel: Ein ganzer Ort trauert um den 18-Jährigen, der durch eine „Kugelbombe“ starb.

Ein Holzkreuz und viele Grablichter erinnern an die Tragödie in der Silvesternacht, die Max Weissensteiner aus Waldenstein, Bezirk Gmünd, nur Minuten nach Mitternacht aus dem Leben gerissen hat. Viele pilgern dorthin. Dem 15-jährigen Markus laufen die Tränen über die Wangen, als er das Bild seines verstorbenen Freundes auf dem Kruzifix ansieht. „Warum gerade Max? Er war immer gutmütig“, betont er. Zu Ehren des toten 18-Jährigen weht vor dem Feuerwehrhaus die schwarze Fahne. Der gesamte Ort im Waldviertel trauert.

Wie berichtet, hatte Max Weissensteiner mit Freunden außerhalb des Ortes das neue Jahr mit einem Feuerwerk begrüßt. Eine „ Kugelbombe“ wurde ihm Minuten nach Mitternacht zum Verhängnis. Der 18-Jährige befand sich mit dem Gesicht noch über dem Rohr, als der Böller frühzeitig wie eine Kanonenkugel aus der Rohrkonstruktion schoss und gegen seinen Kopf krachte. „Max hatte noch zu meiner Tochter gesagt, geh ein Stück zurück, damit dir ja nichts passiert“, schildert Siegfried Wurz, Feuerwehrkommandant in Waldenstein, die dramatischen Szenen. Der 18-jährige Präsenzdiener erlitt so schwere Kopfverletzungen, dass er danach im Krankenhaus Gmünd verstarb.

Die Dorfgemeinschaft ist fassungslos. „Max hat erst vor kurzem die Schule beendet. Sein Leben wäre jetzt erst so richtig losgegangen“, erzählt der geschockte Kommandant. „Er war ein super Mensch – bei der Feuerwehr, im Tennisverein und in der Pfarre sehr engagiert“, sagt Wurz. Am kommenden Donnerstag wird Max Weissensteiner in Waldenstein zu Grabe getragen.

Illegal

Inzwischen hat die Polizei die Ermittlungen abgeschlossen. Es soll sich bei der „Kugelbombe“ um einen aus Tschechien illegal importierten Feuerwerkskörper handeln. „Dafür benötigt man in Österreich eine pyrotechnische Lizenz und eine behördliche Bewilligung“, sagt Bezirkspolizeichef Wilfried Brocks.

Welche zerstörerische Explosionskraft von der Kugelrakete ausgeht, haben Brand-ermittler des nö. Landeskriminalamtes im Auftrag der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt vergangenes Jahr getestet. Jugendliche hatten zuvor in der Silvesternacht 2010 eine Telefonzelle in Baden damit gesprengt. Dieses Szenario wurde nachgestellt – mit verheerendem Ergebnis. Die Druckwelle war so groß, dass alle Seitenwände der Zelle meterweit weggeschleudert wurden. Für gewöhnlich detoniert die Rakete erst in einer Höhe von 200 Metern.

Erstellt am 03.01.2012