Chronik | Niederösterreich
09.12.2017

Schwere Missbrauchsvorwürfe gegen Jugendheim aufgetaucht

Polizei soll im vorigen Jahr 33 Mal bei Jugendwohnheim im Bezirk Krems vorstellig geworden sein.

Selbstmord-Versuche, Sexualdelikte, Körperverletzungen, Sachbeschädigungen und Diebstähle: Rund um eine Kinder- und Jugendwohneinrichtung im Bezirk Krems sind schwere Vorwürfe aufgetaucht. 33 Mal soll die Polizei im vorigen Jahr in das Heim mit seinen sechs Bewohnern ausgerückt sein, berichtet das Nachrichtenmagazin profil.

Der Betreiber der Unterkunft, die Therapeutischen Gemeinschaften (TG), will sich zu den Vorwürfe nicht im Detail äußern. "Wir haben mit dem Land Niederösterreich Verträge. Deshalb dürfen wir das aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht kommentieren", sagt TG-Sprecherin Petra Reifeltshammer auf Anfrage. Sie verweist aber darauf, dass die Kinder und Jugendlichen "schwerst traumatisiert" seien. Sollten therapeutische Maßnahmen nicht greifen, gäbe es einen "Notfallplan" abzuarbeiten – dabei würden auch Polizei und Rettung eingebunden sein.

Anzeige wird geprüft

Seitens der Landespolizeidirektion Niederösterreich spielt man den Ball an die Staatsanwaltschaft Krems weiter. "Wir haben eine Anzeige bekommen", heißt es von Sprecherin Susanne Waidecker. Welche Missstände angezeigt wurden, wollte Waidecker nicht bekannt geben. Derzeit prüfe man, ob ein Ermittlungsverfahren einzuleiten sei.

Laut profil soll sich ein ehemaliger hochrangiger Ex-Mitarbeiter der TG im Spätsommer 2016 per eMail an eine Beamtin der zuständigen Abteilung des Landes NÖ gewandt haben. Er wollte demnach seine Beobachtungen der Kinder- und Jugendaufsicht persönlich vorbringen. Die Beamtin soll geantwortet haben, sie könne ihm "leider keinen Gesprächstermin anbieten".

Schon am vergangenen Montag hatte Landesrat Franz Schnabl (SPÖ) gegenüber der Presse angekündigt, eine Sonderkommission einrichten zu wollen, um alle angeblichen Missstände zu prüfen. "Sie hat bereits ihre Arbeit aufgenommen. Wir erwarten noch vor Weihnachten erste Ergebnisse", sagt Schnabl auf Anfrage des KURIER. "Egal welche Vorwürfe im Raum stehen, jedem einzelnen werde mit 100 Prozent Akribie und Gewissenhaftigkeit nachgegangen." Jeder Missstand werde abgestellt und verfolgt.

Erste Vorwürfe gegen die TG, die mehrere Jugendhäuser in NÖ, Wien und im Burgenland betreibt, waren vor einer Wochen aufgekommen. Jugendliche berichteten in der ZiB2, an den Haaren gerissen und mit dem Knie am Bett fixiert worden zu sein. Für Diskussionen sorgte auch der Fall eines 17-Jährigen, der in einem Auto genächtigt haben soll, weil er von einer TG-Wohnstätte weggewiesen worden sein soll.