Einer der Tatorte in Guntramsdorf

© Thomas Lenger

Chronik | Niederösterreich
05/28/2019

Schon 21:0 für die Bankomat-Knacker

Die Ermittler sind gewarnt, nachdem die Täter sogar höchst gefährlichen Sprengstoff einsetzten.

Der Schaden hat schon lange die Millionen-Marke überschritten, ans Geld gekommen sind die Täter aber in den wenigsten Fällen. Bereits 21, zum Teil brachiale Coups auf Bankomaten hat es im heurigen Jahr in Österreich bereits gegeben.

Hotspot ist mit neun Tatorten Niederösterreich. Erst am vergangenen Sonntag ist einer Bande in Kottingbrunn (Bezirk Baden) wieder ein Einbruch geglückt. Und das, obwohl die Ermittler bereits gewarnt waren.

Die Kriminellen hatten nämlich am Freitag in Theresienfeld im Bezirk Wiener Neustadt bei zwei Autohändlern einen Audi Q7 und einen Audi A6 gestohlen. Samstagvormittag wurde der Q7 verkohlt in einem Waldstück entdeckt. Die Täter hatten das Fahrzeug abgefackelt. „Wir wissen noch nicht, ob sie eine falsche Spur legen wollten oder ob irgendetwas nicht ihren Vorstellungen entsprach“, sagt ein Ermittler.

Beim nö. Landeskriminalamt ging man jedenfalls davon aus, dass der nächste Coup unmittelbar bevor stehe. Die Polizeidienststellen in der Umgebung wurden daher sensibilisiert. Das nutzte jedoch wenig.

Denn die Gangster hatten, wie bereits bei einem Einbruch am 1. Mai in Böheimkirchen im Bezirk St. Pölten, ihre Hausaufgaben gemacht und Vorbereitungen getroffen. Sie stachen vor dem Coup die Reifen der Streifenwagen vor dem nächstgelegenen Polizeiposten auf, um so eine rasche Verfolgung zu verhindern.

Anschließend rauschten sie Sonntag gegen 2 Uhr Früh mit dem Audi A6 durch das Portal des Supermarktes und knackten den Bankomaten. Dieses Mal sogar erfolgreich. Die Höhe der Beute soll zwischen 50.000 und 70.000 Euro liegen.

Als der Einbruchsalarm bei der Polizei einlangte, kamen die Beamten mit den aufgestochenen Reifen an ihren Streifenwagen nicht in die Gänge. Das Fluchtfahrzeug wurde wenig später lichterloh brennend in Biedermannsdorf bei Mödling entdeckt.

Kaum DNA vorhanden

Nach dem neunten Vorfall in Serie wurden am Montag beim Landeskriminalamt alle aktuellen Erkenntnisse in den Fällen abgeglichen. Speziell geschulte Fahnder machen Jagd auf die Gangster, wobei nach wie vor unklar ist, ob hinter der Serie nur eine Tätergruppe steckt. Die Bankomat-Knacker gehen nämlich nicht immer mit derselben Methode ans Werk. In einigen Fällen wurde versucht, die Geräte zu sprengen, an anderen Tatorten wurde ein Schweißgerät verwendet.

Was den Ermittlern besonderes Kopfzerbrechen bereitet: Die Kriminellen vernichten mit dem Legen von Bränden fast immer alle brauchbaren Spuren.

Die Alarmglocken schrillten, als 2018 auch ein seltener Sprengstoff an einem der Tatorte verwendet worden sein soll. „In Ex-Jugoslawien kommt man leider immer noch an solche äußert gefährlichen Sprengmittel“, schildert ein Ermittler.

Wegen der Gefahr, die von dem Sprengstoff ausgeht, mussten alle Tatorte zunächst vom Entschärfungsdienst des Innenministeriums begutachtet und freigegeben werden.