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Chronik Niederösterreich
09/21/2012

Schönborn verordnet Radikalkur

Zusammenlegung von Pfarren, mehr Aufgaben für Laien. In Niederösterreich stößt die Reform auf Ablehnung.

von Julia Schrenk

In vielen kleinen Orten in Niederösterreich gibt es längst keine Post, keinen Greißler und kein Wirtshaus mehr. Jetzt soll so manch kleiner Gemeinde auch der angestammten Pfarrer genommen werden. Denn Kardinal Christoph Schönborn hat der Erzdiözese Wien eine Radikalkur verordnet.

Die derzeit 660 Pfarren (485 davon in Niederösterreich) sollen ab Jänner umgekrempelt werden. Geplant ist, die Pfarren in mehrere, großflächige Pfarrgemeinden mit bis zu neun "Filialgemeinden" einzuteilen. Die Leitung der großen Gemeinden soll jeweils ein Priester innehaben. Ihm wird ein Team aus Priestern, Laien, Diakonen und Pastoralassistenten zur Seite gestellt. Die Verantwortung über die "Filialgemeinden" soll den Laien übertragen werden. Dass Pfarren zusammengelegt werden, stößt vor allem am Land auf Widerstand: "Dass nicht jeder Woche der gleiche Priester kommt, daran haben sich die meisten Menschen hier längst gewöhnt. Aber dass ihnen jetzt auch die Pfarre genommen wird, das wäre ein empfindlicher Verlust für die Leute", sagt George van Horick, der Dechant der Pfarre Poysdorf.

Viel größer sei aber das Problem, dass sich die Priester in ihren Kompetenzen beschnitten fühlten könnten. "Manche Pfarrer in der Peripherie glauben, sie wären näher bei Gott als andere", meint van Horick. Werden den Laien mehr Aufgaben zuerkannt, müssten Priester Aufgaben in der Seelsorge abtreten. Das könnte zu Reibereien führen.

Den Reformplänen widersetzen will sich auch die Pfarrer-Initiative: "Wir werden notfalls auch dagegen aufstehen", sagt deren Sprecher Helmut Schüller, der auch Pfarrer in Probstdorf (Bezirk Gänserndorf) ist.

Für die Diözese St. Pölten sind die umfassenden Reformpläne aus Wien kein Thema. "Unsere Diözese ist regional so unterschiedlich, dass so ein Masterplan nicht funktionieren würde", sagt der Pressereferent der Diözese, Markus Riccabona. Es sei wichtig, die Seelsorge vor Ort aufrecht zu erhalten, nicht Strukturen zu verändern. Deshalb wurden schon vereinzelt Pfarrverbände gegründet.

Dass einzelne, kleine Pfarren aber aufgelöst oder zumindest zusammengelegt werden, kann Riccabona nicht ausschließen: "Irgendwann wird das nicht mehr zu verhindern sein. Aber wir werden nicht jede Pfarre, der weniger als 150 Gläubige angehören, auflösen."

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