Schnellbahn-Sperre: Perchtoldsdorf fürchtet „Chaos auf Straßen“
Bürgermeisterin Andrea Kö und Vizebgm. Anton Platt fürchten massive Auswirkungen der S-Bahn-Sperre auf der Stammstrecke in Wien.
Die sogenannte Stammstrecke der Wiener S-Bahn - also der Abschnitt zwischen Wien Meidling und Wien Floridsdorf - wird bis Ende 2027 umfassend modernisiert. Daher ist von 4. Juli bis 6. September der Abschnitt Floridsdorf bis Praterstern gesperrt.
In Perchtoldsdorf (Bezirk Mödling) fürchtet man massive Auswirkungen für Pendler und hat sich daher nun an die ÖBB gewandt.
„Die bevorstehende 14-monatige Sperre stellt für Perchtoldsdorfer Pendlerinnen und Pendler eine echte Geduldsprobe dar, denn viele Menschen verlieren ihre direkte Verbindung in die Bundeshauptstadt“, sagt Vizebürgermeister und Mobilitätsreferent Anton Platt (Neos). Er befürchtet „längere Fahrzeiten, mehr Umstiege, weniger Planbarkeit und absehbares Chaos auf den Straßen in und um Perchtoldsdorf: Denn ohne verlässliches Öffi-Angebot steigt zwangsläufig das Aufkommen des Autoverkehrs.“
Resolution ans Land
Während frühzeitig an Lösungen für Wien gearbeitet worden sei, würden Maßnahmen für Niederösterreich fehlen, kritisiert Bürgermeisterin Andrea Kö (ÖVP). „Da unsere Gemeinde in ihrem Wirkungsbereich nur sehr eingeschränkt auf diese Problematik reagieren kann, hat der Gemeinderat einstimmig eine Resolution an das Land Niederösterreich beschlossen.“
In dem von allen politischen Fraktionen unterstützten Papier fordert die Gemeinde, bereits jetzt Lösungen mit den Anbietern des bundeslandübergreifenden öffentlichen Verkehrs zu finden. Dies sei vor allem „eine Ausweitung der Kernzone 100 auf Perchtoldsdorf und eine Schnellbus-Offensive“. Denn: „Direkte Busverbindungen aus den betroffenen Regionen stellen sicher, dass Pendler ohne Zeitverlust zu Umsteigeknoten oder den Endstationen der U-Bahn kommen. Das federt Engpässe ab und verhindert Chaos im Frühverkehr“, ist Platt überzeugt.
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Und man regt „eine offene Informationspolitik gegenüber den Fahrgästen“ an, um diesen eine bessere Vorausplanung zu ermöglichen. „Und zwar Monate vor Beginn der Sperre. Nicht erst, wenn sie schon im Stau stehen oder am Bahnsteig auf Alternativen warten“, so Platt.
Kö fordert eine Task-Force von ÖBB und der Landesverkehrsgesellschaft NÖVOG. Diese sei bereits jetzt höchst notwendig: „Verspätungen und Ausfälle, vor allem zu den morgendlichen und abendlichen Spitzenzeiten, wie sie in den vergangenen Monaten verstärkt festzustellen waren, dürfen nicht zur Normalität werden. Rund 5.300 Perchtoldsdorferinnen und Perchtoldsdorfer pendeln nach Wien aus, 3.625 Menschen kommen im Gegenzug täglich als Einpendler in die Marktgemeinde. Ein hoher Anteil dieser berufsbedingten Mobilität entfällt auf den Öffentlichen Verkehr, wobei die Schnellbahn hier eine Hauptrolle im Aufkommen spielt.“
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