Schlaflos in Wiener Neustadt: Bahnausbau nervt Anrainer

Nachtarbeiten für den viergleisigen Ausbau der Nordeinfahrt zum Hauptbahnhof Wiener Neustadt. ÖBB hat Ombudsstelle eingerichtet.
Viergleisiger Ausbau der Nordeinfahrt Wiener Neustadt. Die Eisenbahnbrücke in der Fischauer Gasse gilt als Nadelöhr.

Die ÖBB bezeichnet es als "Intensiv-Bauphase". Es ist ein unangenehmer Lärm, der vielen Innenstadtbewohnern in Wiener Neustadt aktuell den Schlaf raubt. Der viergleisige Ausbau der Nordeinfahrt ist in seiner heißen Phase angekommen – zumindest, was die negativen Auswirkungen für Anrainer anbelangt.

Seit Tagen wird auch nachts mitten im Stadtgebiet lautstark geschremmt, gehämmert und gebohrt. Vermeiden lässt sich das nicht, heißt es seitens der Bundesbahnen.

Ruf nach besserer Verbindung

Es ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits fordert die Öffentlichkeit und besonders Pendler bessere, schnellere und zuverlässigere Bahnverbindungen, speziell im Ballungsraum rund um Wien. Auf der anderen Seite gibt es wenig Toleranz, wenn die dafür nötigen Ausbauten unangenehme Auswirkungen haben. Bestes Beispiel dafür ist aktuell der viergleisige Ausbau der Nordeinfahrt Wiener Neustadt. Drei Gleise führen derzeit aus Richtung Wien kommend in den Hauptbahnhof.

Viergleisiger Ausbau der Nordeinfahrt Wiener Neustadt

Viergleisiger Ausbau der Nordeinfahrt Wiener Neustadt

170 Millionen Euro

Weil die Verknüpfung von Südbahn und Pottendorfer Linie besser gestaltet werden soll, erweitern die ÖBB den Abschnitt. "In den nächsten Jahren planen wir, den Fernverkehr überwiegend bzw. ausschließlich auf die Pottendorfer Linie umzulegen, damit auf der Südbahn mehr Nahverkehrszüge fahren können", heißt es vonseiten der ÖBB. 170 Millionen Euro verschlingt das Projekt, bis 2029 soll der Ausbau abgeschlossen sein.

Auch wenn man bei den ÖBB von Anfang an betont, alles daran zu setzen, um die Unannehmlichkeiten für die Anrainer so gering wie möglich zu halten, hat der Beginn der Nachtarbeiten diese Woche für gehörigen Unmut gesorgt.

Der Ärger hat auch vor der Stadtpolitik nicht Halt gemacht. "Es war uns klar, dass wir das als Stadt abbekommen werden. Wir hatten aber keinerlei Einfluss auf die Genehmigung von Nachtarbeiten", erklärt Rathaus-Sprecher Thomas Iwanschitz. Die "Intensiv-Bauphase" umfasst bis April Schremmarbeiten für den Weicheneinbau sowie die Rammfundierung für die Errichtung der Behelfsbrücken – beides sehr laute Arbeiten.

Gewisse Sperren nur nachts möglich

Warum diese Tätigkeiten auch nachts durchgeführt werden müssen, erklärt ÖBB-Sprecher Christopher Seif: "Um den Zugverkehr im Sinne der Tausenden Reisenden tagsüber aufrecht zu erhalten. Manche Arbeiten erfordern eben Sperren, die wir teilweise nachts durchführen müssen. Die ÖBB haben das auch mittels Anrainerinfo und Newsletter so kommuniziert."

Die Arbeiten für den viergleisigen Ausbau in Wiener Neustadt

Die Arbeiten für den viergleisigen Ausbau in Wiener Neustadt

Der Boden bebt

Neben den üblichen Emissionen kommt es in den kommenden Wochen zu leichten Erschütterungen – insbesondere während der Rammarbeiten. Entspannung für die Anrainer ist erst ab kommenden Herbst zu erwarten. Dann sollen bereits die neuen Lärmschutzwände errichtet sein, um Emissionen entlang der Strecke zu reduzieren.

Weil bei derart großen und heiklen Projekten im Siedlungsgebiet erfahrungsgemäß mit Beschwerden und Fragen zu rechnen ist, haben die ÖBB eine Ombudsstelle (0664/88194792; Mo. bis Do. 8 bis 16.30 Uhr, freitags 8 bis 12 Uhr) eingerichtet.

Wie Seif erklärt, hat es bisher bei den Bundesbahnen aber keine einzige Beschwerde betreffend der aktuellen Arbeiten gegeben. Anders sehen die Reaktionen in sozialen Medien aus, wo über die lauten Nachtarbeiten heftig diskutiert wird.

Private Westbahn neu auf der Südstrecke

Wiener Neustadt kommt auf der Südstrecke eine wichtige Rolle als Knotenpunkt zu. Die Stadt ist einer der Taktknoten mit den meisten Zughalten in ganz Österreich. "In der Morgen- und Abendspitze halten 40 Züge pro Stunde. Das bedeutet: Ein Zug alle eineinhalb Minuten", heißt es bei den ÖBB, die auf der Strecke Konkurrenz bekommen haben.

Die private Westbahn von Hans Peter Haselsteiner hat am vergangenen Sonntag ihren Betrieb auf der Südbahn aufgenommen. Ab Mai werden Westbahn-Züge fünfmal täglich pro Richtung zwischen Wien und Villach verkehren – jeweils mit Stopp in Wiener Neustadt.

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