Ab in den Süden: Wie es sich in der Westbahn nach Kärnten fährt
Ein Zug der Westbahn mit Werbung für Kultur in Kärnten.
Westbahnhof, Gleis 11. Sozusagen am letzten Gleis steht am Freitag ein Sonderzug der Westbahn. Aber der fährt an diesem Tag nach Süden, für die Westbahn eine Premiere.
Sonnenaufgang am Westbahnhof.
Nicht nur die Sonne, die den Westbahnhof durchflutet, bringt die Fahrgäste, die mit dem Zug der Firma Stadler fahren, zum Lächeln. Er hört auf den Namen „Smile“. Und die Freundlichkeit ist ein besonderes Markenzeichen der Westbahn-Mitarbeiterinnen.
Westbahnzug der Firma Stadler.
Vom Hauptbahnhof in den Süden
Langsam geht es – quasi über die Verbindungsbahn – nach Meidling. Ab 1. März fährt der Zug aber am Hauptbahnhof – dem früheren Südbahnhof – ab.
Die Waggons sind neu und topmodern, nichts ruckelt. Ein Detail am Rande: Die Mistkübel sind verschlossen, die Mitarbeiter sammeln regelmäßig den Schmutz ein. Das soll auch im Regelbetrieb besser funktionieren als die Mistkübel.
Die WC's sind sauber und funktionieren, es gibt Platz für Fahrräder. In den Waggons geht es auf und ab, das irritiert, ist aber besser als Stufen.
Dass der Zug über die Pottendorfer Linie fährt, freut Westbahn-Chef Marco Ramsbacher nicht. „Wir würden lieber über die Südbahn zwischen Meidling und Wiener Neustadt fahren“, erläutert er den Mitreisenden.
Wiener Neustadt und Payerbach
Ein großes Thema im Zug: Dass das große Konkurrenzunternehmen, die ÖBB, nicht mehr in Wiener Neustadt stehen bleibt.
„Nicht einmal in der Stadt des Bundeskanzlers“, schmunzelt ein Fahrgast. Wobei das – zur Ehrenrettung der ÖBB – nur für einige Verbindungen gilt.
Die Westbahn fährt jedenfalls nur bei der Sonderfahrt an diesem Freitag durch Meidling und Wiener Neustadt durch.
Sonst bleibt der Zug immer stehen – sogar in Payerbach/Reichenau, wie der CJX der ÖBB. Vorerst drei Mal täglich, ab 1. März.
Kunst und Kultur auf Schiene
Für die „Jungfernfahrt“ hat das Unternehmen ihren Gästen ein wunderbares Kulturprogramm zusammengestellt. „Über dem Bahnhof zittert die Luft“, wird Christine Lavant aus einem Briefwechsel mit dem Künstler Werner Berg zitiert.
Auf dieser Kultur-Schiene präsentiert ein Walking-Museum die Werke des Künstlers, der selbst nur mit dem Zug gefahren ist und viele Fahrgäste beobachtet und gemalt hat.
Ein Bild von Werner Berg im "Walking Museum" der Westbahn.
„Hätte es die Westbahn schon gegeben, wäre er mit ihr gefahren“, sagt der Sprecher. Was Hans-Peter Haselsteiner freut, der durch den Zug geht und jedem Gast die Hand schüttelt. Der Mann war mal Politiker - einer der alten Schule.
Fast direkt ins Museum
Im Werner-Berg-Museum in Bleiburg sind ab 10. Mai Bilder von Berg, Mercedes Helnwein und Alberto Ciacometti zu sehen.
Von Kühnsdorf-Klopeiner See, wo die Westbahn (zur Freude der Touristiker und Urlaubsgäste) stehen bleibt, ist man in 16 Minuten mit der Schnellbahn in Bleiburg.
„Rolling in my sweet Babys arm”, intoniert unterdessen das “Hillibilli-Trio“ und bringt einen Schwung Lebensfreude in den Zug.
Das Hillibilli Trio.
Nachdenklicher wird es bei der Literatur im Zug. Karl Kraus wird rezitiert. „Warum lässt die Südbahn den Zug in Breitenstein halten, wo nur ein Passagier einsteigt?“, fragt er: „Weil er ein Freund vom Südbahngeneral ist.“
"Sitzen alle im gleichen Zug"
Und Erich Kästners Eisenbahngleichnis hat immer noch Gültigkeit: „Wir reisen alle im gleichen Zug, zur Gegenwart in spe. Wir sehen hinaus. Wir sahen genug. Wir sitzen alle im gleichen Zug – und viele im falschen Coupé.“
Werbung für die Westbahn wurde sogar in die Choreografie eingebaut.
Quasi in den falschen Zug wollen in Graz Leute einsteigen. Denn als der Sonderzug in der steirischen Landeshauptstadt auf Gleis 5 hält, wollen gleich die ersten Fahrgäste mit auf die Reise.
Lust auf den Carinthischen Sommer
Richtig eingestiegen sind hingegen die Mitglieder der „Company of music“, die sonst im Carinthischen Sommer (2. Juli bis 2. August) auftreten, und mischen die Abteils auf.
Die Sängerin der Company of Music hat ihre Noten im KURIER versteckt.
Dass eine der großartigen Sängerinnen ihre Noten in einem KURIER, hinter einem Artikel des Autors, versteckt, ist nur ein besonders nettes Detail am Rande.
Westbahn mit Humor
Die Westbahn hat auch Humor, das zeigt auch die Auswahl des Programms. Florian Eisner, Dominik Kaschke und Katrin Winkler Jandl nehmen mit dem „Bundesbahnblues“ Bezug auf den Westbahnkonkurrenten und sorgen so für viele Lacher.
Der Bundesbahnblues durfte auf der Fahrt in den Süden nicht fehlen.
Unterdessen erreicht der Zug zwischen Graz und Klagenfurt die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Da könnte bei der Bundesbahn schon ein Blues ausbrechen.
Anzeige zeigt 250 km/h.
Großer Bahnhof herrscht jedenfalls in Klagenfurt, wo sozusagen zwei Landeshauptleute zusteigen, der bisherige, Peter Kaiser, und der künftige, Daniel Fellner, beide SPÖ.
Dass sie sich über das neue, zusätzliche Angebot freuen, das Kärnten mit Wien verbindet, haben sie oft genug schon betont.
Landeshauptmann Peter Kaiser (r.), Hans Peter Haselsteiner und LH-Stellvertreterin Gaby Schaunig.
Das bringen sie dann auch an der Endstation in Villach zum Ausdruck, „am schönsten Ende der Südbahn“, wie Bürgermeister Günther Albel zuvor noch behauptet. Wie ganz Kärnten will auch Villach mit Kultur punkten.
Die Züge sind auf Kärntens Kultur getrimmt.
Die Westbahnzüge sind deshalb ganz auf Kärnten gebrandet. Die Westbahn soll „für ein Aufblühen der Kärntner Gemeinden“ sorgen, der künftige Landeshauptmann Daniel Fellner will Steiermark und Kärnten nicht zuletzt wegen des Koralmtunnels „als eine gemeinsame Region“ wahrgenommen wissen.
Villacher Bier, gebraut in Graz.
Für das Villacher Bier, das bei der Ankunft ausgeschenkt wird, gilt das schon: Es wird nämlich in Graz produziert.
Zur Feier des Tages gibt es Kärntner Kasnudeln.
Selbstredend, dass es zum Essen Kasnudeln gibt.
Auf der Strecke zwischen Graz und Villach bietet die Westbahn am Samstag übrigens Gratis-Fahrten an: um 14.08 und 16.08 von Villach nach Graz, um 15.19 und 17.09 retour.
Und ab 1. März geht es vorerst drei Mal täglich zwischen Wien und Kärnten hin und her. Im besten Fall um 18,99 Euro inklusive Sitzplatz. Und mit der guten Aussicht auf viel Sonne im südlichsten Bundesland.
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