Harter Wettbewerb: Kampfpreise auf der neuen Südstrecke

Die private Bahnbetreiberin Westbahn fährt ab Sonntag zunächst mit zwei Zügen von Wien nach Villach – und retour. Harter Wettbewerb soll das Reiseangebot in den Süden verbessern.
Westbahn Südstrecke

Es ist ein weiterer Meilenstein in Sachen Bahn-Liberalisierung. Seit fünfzehn Jahren fährt die private Bahnbetreiberin Westbahn bereits auf der Weststrecke Richtung Salzburg und mittlerweile auch bis Stuttgart. Nun startet sie auf der neuen Südbahnstrecke über die Koralmbahn in Richtung Kärnten. Am Sonntag nimmt sie erstmals Fahrt gegen Süden auf und wird auch hier direkter Konkurrent der ÖBB.

„Wir sehen auf der Südstrecke ein großes Potenzial, das insbesondere durch den Koralmtunnel gestärkt wird und wovon Reisende zwischen Wien, Graz, Klagenfurt und Villach massiv profitieren“, sagt Westbahn-Geschäftsführer Thomas Posch zum KURIER. „Unser Anspruch ist es, ein qualitativ hochwertiges Angebot zu schaffen und zusätzliche Fahrgäste für die Bahn zu gewinnen – nicht nur um Marktanteile zu gewinnen.“ Nachsatz: „Zugleich wollen wir zeigen, wie sehr Wettbewerb zur Steigerung der Qualität und Attraktivität im Bahnverkehr beitragen kann.“

Die Westbahn fährt zunächst mit zwei Garnituren drei Mal täglich von Wien-Hauptbahnhof bis nach Villach – und retour. Ab Mitte März kommt eine dritte Garnitur dazu.

Der Vollausbau folgt ab 29. Mai: Dann fährt die Westbahn, die mehrheitlich einer Privatstiftung des Investors Hans Peter Haselsteiner gehört, täglich fünfmal je Richtung auf der Südstrecke.

Während die Züge der ÖBB auf der Stammstrecke über Mödling und Baden nach Wiener Neustadt fahren, muss die Westbahn über die sogenannte Pottendorfer Strecke via Ebreichsdorf ausweichen. Eine andere Regelung lässt das Verkehrsaufkommen auf der Hauptstrecke anscheinend nicht zu.

Alle Westbahn-Züge halten in Wiener Neustadt. Der Railjet der ÖBB legt sogar im Stundentakt einen Zwischenstopp in Wiener Neustadt ein, der schnellere Railjet Xpress aus zeitlichen Gründen jedoch nicht. Was zu Kritik führt.

Zahlreiche Stationen

Die Westbahn hält außerdem ab Ende Mai auch in Semmering und fährt dann weiter über Bruck an der Mur, Graz, Kühnsdorf-Klopeiner See, nach Klagenfurt, Pörtschach und Villach. Indes hat der ÖBB-Railjet keinen Halt in Pörtschach, dafür aber einen in Velden im Programm.

Mit der Eröffnung des 33 Kilometer langen Koralmtunnels und der dazugehörigen neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke verkürzt sich die Reisezeit in die Kärntner Landeshauptstadt deutlich. Von Wien nach Klagenfurt dauert es drei Stunden und 13 Minuten, in Villach ist man in drei Stunden und 30 Minuten.

Die neue Konkurrenz führt zu Kampfpreisen.

„Wettbewerb ist für uns der Motor für beste Qualität und ein erstklassiges Reiseerlebnis“, sagt Westbahn-Geschäftsführer Marco Ramsbacher zum KURIER.

Die Westbahn startet mit Ticketpreisen ab 8,99 Euro nach Graz und ab 18,99 Euro nach Kärnten. Die ÖBB-Tickets kosten gerade einmal einen Euro mehr. Doch die Standardpreise sind logischerweise deutlich höher. Die Fahrt nach Graz kostet in der Westbahn 39,90 Euro und nach Villach 64,90 Euro. Die Standard-Tickets der ÖBB sind nur marginal teurer.

Zum Einsatz kommen bei der Westbahn auf der neuen Linie einstöckige Smile-Garnituren des Schweizer Herstellers Stadler. Sie werden von der Westbahn für sechs Jahre geleast und können danach gekauft werden. Der Kaufpreis für die drei Garnituren beträgt 120 Millionen Euro. Die Züge sind für Geschwindigkeiten bis zu 250 km/h ausgelegt und elf Waggons lang und bieten 422 Sitzplätze.

Expansionsoptionen

Langfristig denkt die Westbahn aber größer. Die Smile-Züge sind für den grenzüberschreitenden Verkehr in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Italien zertifiziert. Das eröffnet zusätzliche Expansionsmöglichkeiten.

Mit der geplanten Eröffnung des Semmeringbasistunnels Anfang 2030 strebt das Unternehmen einen Stundentakt zwischen Wien und Klagenfurt an. Die dafür notwendigen zusätzlichen Züge müssten aber zeitnahe bestellt werden.

Unter Beobachtung

Die ÖBB müssen sich auf einen harten Wettbewerb einstellen. „Wettbewerb auf der Schiene ist für uns nichts Neues. Bereits auf der Weststrecke zeigt sich, dass er den Bahnmarkt insgesamt belebt“, sagt ÖBB-Sprecher Daniel Pinka zum KURIER. „Entscheidend ist, dass dadurch noch mehr Menschen den Umstieg auf die Bahn wählen. Das ist gut für das Klima, die Wirtschaft und auch gut für uns.“ 

Mit der Koralmbahn sei „ein deutlich attraktiveres Gesamtangebot entstanden, das allen Fahrgästen zugutekommt“. Und: „Für uns als ÖBB ist das zusätzlicher Ansporn, unser Service weiter auszubauen und durch Qualität, Verlässlichkeit und Komfort zu überzeugen.“

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