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Chronik | Niederösterreich
05/17/2019

Schiffspolizei auf Kontrolltour: „Zu 90 Prozent ist alles in Ordnung“

Beamte erhöhen den Druck, damit alle Donauschiffe ihre Abfälle korrekt entsorgen.

Als sie an Bord des Luxuskreuzers bei der Schiffsstation in Krems-Stein gehen, weiß die Besatzung sofort, was los ist. Auf der Uniform der beiden Männer ist „Schiffsaufsicht“ zu lesen. Die Strompolizisten steigen sofort zur Brücke von Kapitän Erno Major hoch. „Patent und Schiffszulassung bitte“, verlangen Strommeister Heinz Wimmer und sein Kollege Fritz Braunsberg. Der Besuch ist eine der aktuellen Schwerpunktkontrollen, die auf Anordnung des Verkehrsministeriums durchgeführt werden, seit sich Beschwerden über Verschmutzung und Fäkalgeruch des Donauwassers in der Wachau häufen.

Kaum hat die aktuelle Schifffahrtssaison begonnen, meldeten Donauanrainer erneut schaumbedeckte Flächen auf der Donau. Zuletzt zweimal hintereinander im Hafen von Traismauer unterhalb der Wachau.

Zuordnung schwierig

Diese Ereignisse konkreten Schiffen zuzuordnen, gilt unter Profis als beinahe unmöglich. Gelungen ist das in nur einem Fall, seit Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) Anfang des Jahres verschärfte Kontrollen angeordnet hat: „Da gab es eine Anzeige, die Ursache war ein technischer Defekt“, berichtet Vera Hofbauer, Chefin der Schifffahrtsaufsicht im Verkehrsministerium. Dort setzt man auf den guten Willen der Schiffsbetreiber. Die haben sich bei einem runden Tisch Anfang April verpflichtet, die Entsorgung von Abfällen zu dokumentieren. Gesetzlich gefordert ist das in Österreich nicht. In jüngster Zeit seien jedenfalls deutlich öfter als in der Vergangenheit Entsorgungsfahrzeuge bei Anlegestellen zu sehen.

Die Kontrolle auf der Crystal Mahler, einem der luxuriösesten Kabinenschiffe der gesamten Donauflotte, verläuft beispielhaft. „Das ist in 90 Prozent der Fälle so“, betont Wimmer. Bei Kontrollen überprüft er die Lieferscheine, die Auskunft über die Mengen des entsorgten Klärschlamms, Speisefetts und anderer Substanzen geben. Diese vergleicht er mit der Anzahl der Menschen an Bord. „Da weiß man gleich, ob das realistisch ist“, sagt Wimmer.

Die Kooperation bei Überprüfungen der Schiffsunternehmen sei üblicherweise ausgezeichnet. So führt Bordingenieur Lazlo Biro die Polizisten in den Bauch des 135 Meter langen und 11,5 Meter breiten Schiffes mit 55 Suiten. Dort arbeitet eine hochmoderne Kläranlage. Sie trennt und reinigt, was aus Duschen, WCs und Küche (70 Crewmitglieder kümmern sich um bis zu 110 Passagiere) in großen Tanks landet. Den größten Teil säubert die Kläranlage, den Rest – etwa gebrauchtes Speiseöl – wird mit Pumplastautos abgeholt oder in Kanalanschlüssen an Land entsorgt. Sauberes Wasser läuft – das ist so genehmigt – in die Donau. „Eigentlich müsste man das System nur einmal wöchentlich kontrollieren, aber wir machen das täglich, um jeden Fehler auszuschließen“, erläutert Biro stolz. Die tägliche Kontrolle ist auf einem eigenen Blatt vermerkt. Biro ist froh, dass bei seinem Arbeitgeber alles sogar noch genauer gehandhabt wird, als die Vorschriften es verlangen. Das sei nicht überall der Fall.

Infrastruktur nicht ideal

Ebenso wie Crystal-Kapitän Major bewertet der Wiener Schifffahrts- und Tourismusunternehmer Ernst Klug die Kontrollen auf der Donau eindeutig positiv: „Es ist gut, wenn schwarze Schafe sich an dieselben Regeln halten müssen wie wir“, betont er und wünscht sich im selben Atemzug eine bessere Infrastruktur an Anlegestellen. „Landstromanschlüsse mit verpflichtender Nutzung wären an allen Anlegestellen wichtig. Damit Anrainer nicht nachts vom Lärm der Aggregate belästigt werden, die durchgehend laufen müssen“, findet er.