Chronik Niederösterreich
02/04/2019

Schiffe entsorgen Fäkalien: Brauner Schaum auf blauer Donau

Im Ausland sind die Kontrollen strenger. Immer mehr Bewohner gehen deshalb auf die Barrikaden.

von Gilbert Weisbier

Fäkalien und Abfälle im Wasser als Auswirkungen der Donauschifffahrt treiben immer mehr Bewohner der Wachau auf die Barrikaden. Sie wollen, dass die Schifffahrt mehr Rücksicht nimmt und stärker kontrolliert wird. Eine Unterschriftenliste soll der Forderung mehr Nachdruck verleihen. Zwei Schiffe wurden bei der Staatsanwalt angezeigt. Sie ermittelt.

„Das kann nicht so weiter gehen“, sagt Franz Xaver Doppler aus Krems in NÖ. Er hat eine Bürgerbewegung „Gegen Fäkalien und Brauchwasser in der Donau“ gestartet und sammelt Unterschriften. Er ist aber nicht der einzige, der ungehalten darüber ist, dass anscheinend Passagierschiffe ihr Brauchwasser, Abfälle und Fäkalien häufig direkt in die Donau entsorgen: Im vergangenen Sommer ist Rudersportlern des Kremser Ruderklubs besonders stark aufgefallen, dass das Wasser im Bereich der Anlegestelle stinkt und braune Schaumhauben bildet. Bei einer Protestaktion haben sie im Dezember 2018 gemeinsam mit Doppler und den nö. Grünen auf die Problematik hin gewiesen.

„Wenn Schiffe unterwegs sind, schäumt das Wasser im Bereich der Kremser Anlegestellen. Wenn keine fahren, dann nicht“, fasst eine Wassersportlerin eigene Beobachtungen und jene von Kollegen zusammen. „Ich habe eine Probe untersuchen lassen. Das Labor hat geantwortet, der Fäkal-Anteil sei so hoch, dass er gar nicht mehr darstellbar sei“, erzählt sie.

Regeln

Österreich hat sich immer für strenge Regelungen stark gemacht. Generell funktioniert die Entsorgung gut. Leider gibt es hin und wieder auch schwarze Schafe. Bei deren Verfolgung sind wir auf Hinweise angewiesen“, erfährt man bei der obersten Schifffahrtsbehörde im Bundesministerium für Verkehr.

Eine KURIER-Recherche ergab: Während in Deutschland Donauschiffe die korrekte Entsorgung von Fäkalien dokumentieren müssen, ist das in Österreich rechtlich nicht gefordert. Außerdem wird hier die Anwesenheit von Fäkalkeimen im Rahmen der Gewässerzustandsüberwachungsverordnung gar nicht analysiert.

Entlang des österreichischen Donauverlaufes haben Passagierschiffe lediglich in Linz, Ennsdorf, Melk und Wien die Möglichkeit, Fäkalien korrekt zu entsorgen. Donauwasser, das den Wiener Stadtbereich verlasse, sei jedenfalls sauberer als jenes, das zufließt, lautet die Auskunft der Wiener Behörden.

Ungenutzt

Die Stadt Melk hat im Jahr 2009 auf Ersuchen der Donaustationen-Gesellschaft sogar drei Stationen zum Abpumpen von Fäkalien errichtet. Die wurden aber laut Auskunft der Stadt bis ins Jahr 2017 überhaupt nicht genützt. Erst 2018 wurde die Anlage etwas frequentiert. Überwiegend im vergangenen Herbst, weil Schiffe wegen des Niedrigwassers ihr Gewicht verringern wollten. Allein im Oktober 2018 wurden da 154 Kubikmeter Gülle entsorgt. Davor waren es neun bis 40 Kubikmeter pro Monat. Moderne Kabinenschiffe arbeiten allerdings mit eigenen Kläranlagen.

„Es muss auch in der Wachau bessere Möglichkeiten zur legalen Entsorgung als bisher geben, damit Fäkalien und Speisereste nicht mehr in der Donau landen“, sagt die nö. Grünenchefin Helga Krismer. Das hat sie in der jüngsten Landtagssitzung beantragt, sie ist aber an den Stimmen von ÖVP und FPÖ gescheitert. Die Kremser Freiheitlichen brachten die Angelegenheit im Verkehrsministerium vor.

Lärm: Wahrnehmung entspricht nicht Messergebnissen

„Wenn die Schiffe ihre Aggregate laufen lassen, klirren vom Lärm bei uns die Fenster “, berichtet der Kremser FPÖ-Mandatar Werner Friedl, der in der Nähe der Anlegestellen wohnt.

Die Schiffe brauchen die Aggregate, weil die Anlegestellen  keinen ausreichenden Stromanschluss bieten. „Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Anlegestellen mit Stromanschlüssen ausgerüstet werden. Das kann aber die Stadt nicht allein finanzieren. Darüber verhandle ich mit dem Land“, sagt dazu der Kremser SPÖ-Stadtchef  Reinhard Resch.

Aber auch die Abgase der Schiffe – die Frequenz ist in der Wachau besonders hoch –  stechen Anrainern in die Nase. Eine zusätzliche Abgasquelle bilden  wohl Busse, die Schiffspassagiere zu Ausflugszielen bringen und laut Beobachtern häufig mit laufenden Motoren warten.
 Eine auf Anregung Friedls  in Krems vergangenen Sommer  durchgeführte Messung habe in nur einem Fall eine Überschreitung der Grenzwerte  erbracht, informierte Resch den Gemeinderat. Ob sich die übrigen Messungen häufig nahe am Grenzwert bewegten, ist nicht bekannt.  

International gibt es dazu  kaum Untersuchungen. Deutsche Wissenschaftler haben aber herausgefunden, dass die Luftqualität am Rhein – auch wegen Schiffsabgasen – etwa jener auf einer Autobahn entspricht.