Gaudi beim Zeltfest – hier ein Auftritt der Seer beim Zeltfest der Feuerwehr Euratsfeld 2018 – ist heuer coronabedingt oft nur die Ausnahme

© FF Euratsfeld / Maria Winkler

Feuerwehren
08/07/2021

Schaumgebremste Lust der Feuerwehren auf Zeltfeste

Unsicherheit, wie sich die Corona-Zahlen und die Behördenauflagen entwickeln, erschweren die Organisation der traditionellen Festivitäten. Viele Feuerwehren meiden das Risiko und sagen ab

von Wolfgang Atzenhofer

VonWolfgang atzenhoferGrillhendl und Stelzen vom Drehspieß, zapffrische Krügerl und auf der Bühne Bands, wie die „Zellberg-Buam“ oder die „Hundskrippl“, die für Stimmung sorgen. Das Euratsfelder Sommerfest (Bezirk Amstetten) zählt seit Jahrzehnten zu den Flaggschiffen unter den Feuerwehr-Zeltfesten in NÖ.

Doch die Feuerwehren sind verunsichert. Die Ungewissheit über neue gesetzliche Pandemie-Vorgaben im August lässt nun etliche Veranstalter auf die Bremse steigen. Dass es trotz strenger 3-G-Kontrollen auch zu Covid-19-Fällen auf Feuerwehrfesten kommen kann, wie jüngst Fälle im Bezirk Lilienfeld oder in Kärnten zeigten, mahnt zusätzlich zur Vorsicht.

So auch in Euratsfeld. Nach der erzwungen Corona-Pause im Vorjahr wollte man es heuer krachen lassen. Doch jetzt zog der Veranstalter die Reißleine. Das Dreitagesfest, das in zwei Wochen stattfinden sollte, wurde abgesagt und auf 2022 verschoben. „Bei unserem massiven Aufwand, war das Risiko einfach zu groß“, sagt Feuerwehrverwalter und Festobmann Christian Gassner.

Mit täglich geschätzten 1.500 Gästen wäre die bescheidmäßige behördliche Genehmigung notwendig. „Jetzt kommen am 19. August die nächsten neuen Bestimmungen der Bundesregierung. Mit unserem Fest von 20. bis 22. August hätten wir den Bescheid erst unmittelbar vor dem Start bekommen. Auf neue Vorschriften oder Einschränkungen kam man da nicht mehr professionell reagieren“, schildert der ehrenamtliche Festmanager das Dilemma. Jetzt soll 2022 gefeiert werden. „Die Agenturen der Musikgruppen sind uns sehr entgegengekommen. Die Verträge wurden ohne Stornokosten auf nächstes Jahr verschoben, da feiern wird dann das 150-jährige Gründungsjubiläum unserer Wehr ganz besonders“, kündigt Gassner an.

Die selbe Einschätzung führte auch zum Aus für das Zeltfest der Feuerwehr Greinsfurth bei Amstetten. Dort hätten am ersten September-Wochenende die „Night Rider“ und „Die Dorfstürmer“ die Bühne gerockt.

Großes Risiko

„Es ist schwer abzuschätzen, welche Auflagen kommen. Uns war das Risiko, jetzt viel Geld in Werbung und Bestellungen zu stecken, zu groß“, sagt Kommandant Michael Heinz. Auch ließen die Musikanten mit sich reden und verschoben ihr Engagement ohne Zusatzkosten.

Gerade im heurigen Jahr, in dem Unwetter sowie Flur- und Waldbrände die Mannschaften, aber auch die Geräte und Einsatzmittel der Wehren strapazieren, ist der Ausfall der Feste und Wettkämpfe schmerzlich. Unisono ist aus den Feuerwehren aber zu hören, dass die entgangenen Einnahmen zufriedenstellend aus dem NPO-Fonds für Non-Profit-Organisationen durch den Bund ausgeglichen werden. „Für die ersten beiden Quartale wurden Mittel freigegeben, bleibt zu hoffen, dass das auch für die zweite Jahreshälfte kommt“, sagt Kommandant Heinz.

Auf Ersatz aus dem NPO-Fonds hoffen auch die Feuerwehrleute in Melk. Sie hätten kommendes Wochenende Tausende Zillenfahrer bei den NÖ Wasserleistungsbewerben zu Gast gehabt. Schon im Frühjahr war klar, dass die großen Bewerbe auf Landes- und Bezirksebene auch heuer nicht stattfinden dürfen. Nach zwei Jahren intensiver Vorbereitung gibt es für die Melker kein Verschieben auf 2022, weil da schon Gänserndorf als Austragungsort fix ist. „Die Mannschaft ein drittes Jahr zu motivieren, wäre schwierig“, sagt der Melker Kommandant Thomas Reiter. Aus Überlegungen für ein kleines Ersatzfest im Sommer ließ man nun fallen. „Aber wir haben so viel zu tun, wie noch nie. Die Gefahr durch Feste die Einsatzbereitschaft durch Infektionen zu gefährden ist nicht vom Tisch“, sagt Reiter.

Große Vorsicht

Tatsächlich sei die Lust der über 570 Feuerwehren im Land, große Feste auszurichten, „schaumgebremst“, bestätigt Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner. „Viele haben nur kleinere Veranstaltungen ohne Barbetrieb und ohne Musik. Die 3-G-Kontrollen werden ohnehin sehr ernst genommen“.

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