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Chronik Niederösterreich
03/17/2019

Schallaburg: Das Hand(werk) als kostbarer Schatz

Seit Donnerstag und noch bis 3. November läuft auf der Burg bei Melk die neue Ausstellung „Der Hände Werk“

von Marlene Penz

Es ist eine Liebeserklärung an die Hände, die die Besucher der Ausstellung „Der Hände Werk“ auf der Schallaburg bei Melk erwartet. Sie zeigt, dass unsere moderne Welt ohne die Geschicklichkeit unserer Hände nie denkbar wäre.

Präsentiert werden handgefertigte Meisterstücke und erfinderisches Werkzeug. Auch Geschichten handwerklichen Lebens werden erzählt – von den Zünften des Mittelalters bis zum 3D-Druck der Gegenwart. Tonporträts geben Einblick in den Alltag von Handwerkern. Außerdem sind die Besucher eingeladen, selbst Hand anzulegen.

Geschick

Außerdem können Besucher ein eigenes Werkstück mit Bastelanleitungen mit nach Hause nehmen, und zwar einen selbstgebundenen Ausstellungsbegleiter. In jedem Raum können Seiten mit Do-it-yourself-Bastelanleitungen gesammelt werden, die am Ende zu einem Buch gebunden werden.

„Die Besucher sollen in die Ausstellung mithineingezogen werden und nicht nur durchgehen. Es ist erstaunlich, wie sie etwa beim Knopfannähen in einen Austausch kommen“, erklärt der künstlerische Leiter, Kurt Farasin.

 

Farasin war besonders wichtig, die Ausstellung für Kinder und Erwachsene zu konzipieren. Seit er 2010 die künstlerische Leitung der Schallaburg übernommen hat, ist jede Ausstellung so ausgerichtet. „Erwachsene sollen mit Kindern in den Dialog gehen. Wir splitten dabei die Themen aber nicht auf, sondern gestalten so, dass alle gleichermaßen einbezogen werden. Eine Familie soll gemeinsam Zeit verbringen können“, sagt Farasin.

Lange Vorbereitung

Vier Jahre wurde an „Der Hände Werk“ gearbeitet. Erst im Dezember begannen die Aufbauarbeiten in den Räumlichkeiten der Mostviertler Burg. Exakt drei Wochen vor der Ausstellungseröffnung musste alles aufgebaut sein, damit die Objekte angeliefert werden konnten. „Man muss ein bisschen den richtigen Riecher haben, wenn man Jahre im Vorhinein entscheidet, dass man sich 2019 den Händen widmet“, sagt Farasin. Aber vor fünf Jahren habe sich schon abgezeichnet, dass das Bedürfnis, wieder selbst tätig zu werden, zurückkomme.

Selbst tätig werden kann man im Rahmen der Ausstellung auch in der „Handwerkstatt“. Ab April laden jedes erste Wochenende im Monat Handwerker zum Mitarbeiten ein. Es wird genäht, repariert, getöpfert, fotografiert, restauriert und vieles mehr. Die Teilnahme ist kostenlos.

INFO: „Der Hände Werk“ kann bis 3. November von Montag bis Freitag zwischen 9 und 17 Uhr besucht werden, an Wochenenden und Feiertagen bis 18 Uhr. www.schallaburg.at

Wie eine Ausstellung entsteht:

Es war im Jahr 1974, als die Schallaburg nach ihrer Renovierung mit der Ausstellung „Renaissance in Österreich“ als Kulturort eröffnet wurde.Schon damals kamen 200.000 Besucher – mittlerweile  hat sich die über tausend Jahre alte Burg  als eines der wichtigsten Ausstellungszentren Niederösterreichs etabliert.

Jedes Jahr dreht sich um ein anderes Thema. Die 3.300 Quadratmeter werden selbst kuratiert und gebaut –  eine Besonderheit, wie der künstlerische Leiter der Schallaburg, Kurt Farasin, betont: „Dafür werden wir auch international bewundert.“  Die Vorlaufzeit ist lang: „An einer Ausstellung arbeiten wir drei bis vier Jahre. Das Kernteam besteht aus rund zwanzig Personen – Kuratoren, wissenschaftlichen Leitern, Kulturvermittlern, Gestaltern.“ Ein Jahr im Vorhinein stehe alles fest: Jede Vitrine, jedes Exponat.

Drei Wochen vor der Ausstellung muss alles fertig aufgebaut und staubfrei sein. Dann    werden die Objekte von anderen Museen überstellt. „Das passiert zum Teil unter strenger Bewachung und nach genauen Regeln. Viele Objekte sind von einem enormen Wert“, sagt Farasin. Zwei Wochen vor der Ausstellungseröffnung werden die ersten Exponate unter die Glaskuppeln  gestellt. Erst dann ist auch ersichtlich,  ob  die Ausstellung auch so wirke,  wie die Kuratoren das geplant hatten.