© David Schreiber

Chronik Niederösterreich Sankt Pölten
05/16/2021

Wiedersehen unter Linden beim St. Pöltner Wirten

Matthias Strunz übernahm die Gaststätte Figl in Ratzersdorf genau drei Wochen vor dem ersten Lockdown. Seither hat er vieles gelernt – über Lieferservice und Loyalität.

von Miriam Steiner

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Im Wirtshaus von Matthias Strunz steht eine ganze Garnitur neuer Gartentische und Sesseln bereit. Unangetastet und zusammengeschlichtet wartet das Mobiliar darauf, nach draußen getragen und aufgebaut zu werden. Darauf, dass Teller mit Zitronenbackhendl, feiner Spargelcremesuppe und gebratenen Forellenfilets darauf landen. Darauf, dass sich Gäste darüber zuprosten, unterhalten und verweilen.

Ausweitung des Außenbereichs

„Ich freue mich sehr darauf, wenn dann so ein Tag kommt, an dem es bei uns voll ist mit glücklichen und zufriedenen Gästen. Das macht dann auch mich glücklich und zufrieden“, sagt Strunz. Der 31-jährige Wirt will pünktlich zur Öffnung der Gastronomie am 19. Mai den Außenbereich der Gaststätte Figl ausweiten: Künftig soll man auch vor dem Haus am Ratzersdorfer Hauptplatz und unter der alten Linde speisen können. Der entsprechende behördliche Bescheid flatterte vor ein paar Tagen ins Haus. 

Matthias Strunz hatte eigentlich nie vorgehabt, Gastronom zu werden. Als Jugendlicher brach er die HTL ab und schrieb an die 20 Bewerbungen an Firmen im EDV-Bereich. „Und eine schickte ich ins Restaurant Pedros Landhaus in Kasten bei Böheimkirchen. Und wie es der Zufall will, war das die einzige erfolgreiche Bewerbung“, erzählt er. Also begann Strunz eine Lehre als Restaurantfachmann.

Karriere wie im Bilderbuch

„Ich wusste damals nicht einmal, ob die Gabel links oder rechts aufgedeckt wird. Ich kannte Gastronomie bloß aus Restaurantbesuchen mit meiner Familie an Weihnachtsfeiertagen“, sagt der St. Pöltner heute. Und trotzdem legte er damals eine Karriere wie aus dem Bilderbuch hin: Auszeichnung als bester Lehrling Niederösterreichs, ein Notendurchschnitt von 1,1, eine Saison am Arlberg und mit nur 19 Jahren war er schon Restaurantleiter im Lehrbetrieb.

Vor fünf Jahren wurde Strunz dann von der Gaststätte Figl abgeworben – als Geschäftsführer mit Aussicht auf Erfüllung seines großen Traumes: Die Übernahme des Lokals. Dazu kam es dann im Februar 2020. Mit der Gaststätte Figl übernahm Strunz ein weit über St. Pölten hinaus für Regionalität und Qualität bekanntes Haubenlokal, in das Promis, Politiker und St. Pöltner gleichermaßen einkehrten. Was sollte da schon schiefgehen?

„Dass eine Situation, in der wir praktisch zum Zusperren verpflichtet werden, überhaupt möglich ist, hätte ich nie gedacht. Das war auch wirklich nicht leicht“, sagt Strunz und reibt sich die Augen. Exakt drei Wochen lang konnte er die Gaststätte als seine eigene führen, ehe der erste Lockdown in Kraft trat. Einen Teil seines Teams musste Strunz entlassen. Zu groß waren damals noch die mit Lockdown und Kurzarbeit verbundenen Unsicherheiten. „Ich hatte kein Eigenkapital und konnte mir keine Fehler erlauben“, sagt er. "

Gastronom: Viel über Loyalität gelernt 

Doch Strunz blieb mit allen Team-Mitgliedern in Kontakt und stieß bei ihnen auf Loyalität und Verständnis: „Dieses Team, meine Küchenchefs Sebastian Kickinger und Martin Barasits – und vor allem auch meine Lebensgefährtin Julia und meine Mutter – all diese Menschen waren für mich in dieser Notsituation eine unglaubliche Stütze“.

Im vergangenen Jahr habe er jedenfalls einiges an Menschenkenntnis gewonnen und viel über Loyalität gelernt, sagt Strunz: „Es gibt Leute, die sagen dir: ,Melde dich, wenn du was brauchst.´ Und dann gibt es jene, die einem wirklich beistehen. Ich bin zum Glück Großteils von letzteren umgeben“. Bis zum Sommer 2020 hatte Strunz alle Mitarbeiter wieder angestellt, im November griff man dann auf Kurzarbeit zurück.

Lieferservice nicht das Gleiche

Auch das in schlaflosen Nächten ausgearbeitete Liefersystem trug letztlich Früchte – für Strunz im Bereich der Haubenküche alles andere als selbstverständlich: „Wenn früher bei uns ganz selten jemand was zum Abholen bestellte, dann war das etwas Eigenartiges. Und plötzlich lieferten wir gegrilltes Saiblingsfilet und Co. bis vor die Haustür, auch an ältere Kundinnen und Kunden.“

Ob dieser Lieferservice auch nach der Pandemie bestehen bleiben wird, lässt der St. Pöltner noch offen. „Wenn jemand bei uns anruft und bestellt, dann werden wir ganz gewiss nicht nein sagen“, meint er. Allerdings habe schon der vergangene Sommer gezeigt, dass seine Gäste, sobald es möglich ist, dann doch lieber ins Wirtshaus gehen: „Mit dem ersten Tag der Öffnung vergangenen Sommer sanken die Bestellungen via Lieferservice auf Null.“

Gut möglich, dass dies auch am 19. Mai 2021 passieren wird – und, dass die Menschen lieber unter der alten Linde auf der neuen Gartengarnitur Platz nehmen. Gastronom Matthias Strunz wäre dafür jedenfalls mehr als bereit. Er plant schon jetzt Galadinner und Spezialabende. Mit einem Clubbing will er irgendwann auch junge Menschen ins Lokal locken: „Wir sind selbst ein junges Team und wollen, dass sich andere Junge beim Figl wohlfühlen.“ Und auch Feste soll es geben, sagt Strunz, denn „da gibt es definitiv viel nachzuholen!“

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