Lackenberger (re.) legte Schwarz (mi.) und Androsch die aktuellen Daten aus NÖ vor.

© /Herbert Kaefer

Schuldenfalle
03/02/2017

Rund 21.000 Niederösterreicher sind schon konkursreif

Verbindlichkeiten liegen im Schnitt bei 72.500 Euro. Immer mehr Junge stehen in der Kreide.

von Matthias Hofer

Die Zahlen sind alarmierend. Laut Kreditschutzverband sind in Österreich 110.000 Privatpersonen so überschuldet, dass sie nach wirtschaftlichen Maßstäben konkursreif wären. In NÖ trifft das bereits auf 21.000 Menschen zu.

Knapp 4200 Niederösterreicher hat die Schuldnerberatung im abgelaufenen Jahr betreut. Im Schnitt hat jeder von ihnen ein gewaltiges Schuldenpaket von 72.500 Euro abzutragen. Zwar hat sich diese Durchschnittssumme gegenüber 2015 verringert, dafür wurden die einzelnen Fälle komplexer. Mehr als 22.400-mal mussten die Schuldnerberater bei Gläubigern, Dienstgebern oder vor Gericht tätig werden. Die Zahl der Erstkontakte ist gestiegen (siehe Grafik). Und immer mehr Junge sind verschuldet: In ihrer Gruppe gibt es ein Plus von acht Prozent, ihre Schuldensumme steigt von durchschnittlich 18.000 auf 20.000 Euro. "Hauptgründe dafür sind die Frage des Arbeitsverhältnisses verbunden mit niedrigem Einkommen und ein schwieriges Konsumverhalten", sagt der zuständige Landesrat Maurice Androsch (SPÖ).

Mehr Klientel

Michael Lackenberger, Geschäftsführer der Schuldnerberatung NÖ, rechnet mit mehr Verschuldeten in den nächsten Jahren: "Ich gehe von einem Anstieg um 30 Prozent aus." Grund dafür sei auch die von der Regierung vorgesehene Novelle bei Privatinsolvenzen. Darum geht es: Wer seine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann, wird derzeit im Rahmen eines so genannten "Abschöpfungsverfahrens" auf das Existenzminimum gepfändet. Über sieben Jahre müssen zehn Prozent der Restschuld erbracht werden. Im Vorjahr wurden österreichweit knapp 7900 Privatkonkursverfahren eröffnet. Die Novelle soll den Zeitraum auf drei Jahre verkürzen, die Verpflichtung zur Zehn-Prozent-Rückzahlung soll fallen. Experten rechnen damit, dass Privatinsolvenzen damit attraktiver werden.

Ursachen

Die Gründe für übermäßige Verschuldung bleiben die gleichen. Allerdings spielt die Arbeitslosigkeit eine immer größere Rolle. Auch der Schritt in die Selbstständigkeit wird für viele zur Schuldenfalle: Im Bereich der Ein-Personen-Unternehmen liegen die Verschuldungen im Schnitt bei 290.000 Euro. Dass viele einfach über ihre Verhältnisse leben, spielt naturgemäß eine zentrale Rolle bei der Verschuldung. Allerdings geraten nicht wenige aufgrund von einschneidenden Lebensveränderungen wie Scheidungen oder Todesfälle in finanzielle Nöte.

Soziallandesrätin Barbara Schwarz (ÖVP) ortet jedoch den "Trend, dass die Menschen früher zur Schuldnerberatung kommen, um mit ihrer finanziellen Situation fertig zu werden".

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