Rotes Kreuz: Zukunft hängt an seidenem Faden

Rotes Kreuz, Zukunft hängt am seidenen Faden, Ende…
Foto: Stefan Straka Bezirksstellenleiter und Zivildiener präsentieren Leistungsbilanz

Rot Kreuz-Chef Stefan Grusch blickt voller Sorge in die Zukunft. Ein „Aus“ für den Zivildienst hätte ungeahnte Folgen für die Freiwilligkeit.

Sie sind gekommen um zu bleiben – die Zivildiener. Exakt die Hälfte aller Freiwilligen, die beim Roten Kreuz im Bezirk Hollabrunn für die Sicherheit der Allgemeinheit unterwegs sind, haben als Zivildiener angefangen. Rot Kreuz-Bezirksstellenleiter Stefan Grusch hat sich die Zahlen der vergangenen Jahre ganz genau angesehen. Kurz vor der Wehrpflicht-Volksbefragung ist er in großer Sorge und warnt: Mit einem „Aus“ für den Zivildienst hänge auch die Existenz des Rotes Kreuzes an einem seidenen Faden. „Das System ohne Zivildiener wäre unfinanzierbar.“

Zwei Seelen schlagen in der Brust von Grusch. In seinem Brotberuf als Bezirkshauptmann muss er als oberster Hüter der Wahlrechtskommission neutral sein. Wenn Grusch allerdings in die Rot Kreuz-Uniform schlüpft, nimmt sich der 49-Jährige Spitzenbeamte kein Blatt vor den Mund.

Die Einsatz-Statistiken sprechen laut Grusch eine eindeutige Sprache. Demnach haben die 28 zugeteilten Rettungssanitäter in den RK-Ortsstellen im vergangenen Jahr ein Drittel aller Mitarbeiter-Stunden erbracht. Es wäre ein Horrorszenario, müssten diese durch hauptberufliche Mitarbeiter ersetzt werden. Grusch: „Da bräuchten wir 750.000 Euro zusätzlich jedes Jahr. Hochgerechnet auf Niederösterreich macht das 35 Millionen Euro an Personalkosten aus.“

System kippt

Außerdem würde auf lange Sicht gesehen die Freiwilligkeit in Frage gestellt werden. „Warum sollen Freiwillige einen Dienst übernehmen, wenn es Bezahlte gibt? Das System würde kippen“, sagt Grusch. Das Finanzdesaster wäre mit dem „Aus“ der Wehrpflicht also vorprogrammiert. Und auf die Gemeinden würde eine zusätzliche Belastungslawine (Stichwort Erhöhung des „Rettungsbeitrages“ pro Einwohner“ zukommen.

Nachsatz von Grusch: „Wir sind auf einen Systemwechsel überhaupt nicht vorbereitet.“

(kurier) Erstellt am
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