© Rotes Kreuz/M.Hechenberger

Interview
03/20/2020

Rot-Kreuz-Chef: „Haben einen Feind, den man nicht sieht“

Josef Schmoll, der Präsident des Roten Kreuzes in Niederösterreich, über die Corona-Krise und was ihm derzeit Hoffnung macht.

von Johannes Weichhart

Wenn es um die Bekämpfung des Coronavirus geht, dann ist auch das Rote Kreuz in Niederösterreich voll gefordert. An der Spitze der Organisation steht Josef Schmoll, dessen Fähigkeiten als Krisenmanager gefragt sind.

Ehrenamtlich ist Schmoll seit 1988 beim Roten Kreuz aktiv, wo er als Rettungssanitäter begann. Er war aber auch schon bei einer anderen Baulichtorganisation in führender Position tätig: So leitete der 51-Jährige die Geschicke der Feuerwehr Höflein an der Hohen Wand. Der KURIER erreichte Schmoll nach einer wichtigen Besprechung am Telefon.

KURIER: Wie kann man sich derzeit Ihren Tagesablauf vorstellen?

Josef Schmoll: Ich führe viele Telefonate, es gibt viele Sitzungen. Ich pendle zwischen St. Pölten und Tulln, wo auch der Führungsstab des Roten Kreuzes tagt. Wir treffen zudem viele Vorbereitungsmaßnahmen, wenn es zum Beispiel um die notwendige Schutzausrüstung geht. Außerdem beobachten wir sehr genau die Lage, sowohl national wie auch international.

Sie sind krisenerprobt, waren im In- und Ausland bei zahlreichen Einsätzen am Ort des Geschehens. Wie unterscheidet sich die derzeitige Situation von anderen Katastrophen?

Ich war in Thailand, als der Tsunami eine Spur der Verwüstung zog und für viel Leid sorgte. Und ich war auch bei den Erdbeben-Katastrophen in der Türkei und im Iran vor Ort. Aber nichts ist vergleichbar mit dem, was wir jetzt erleben. Wir haben es mit einem Feind zu tun, den man einfach nicht sieht. Es ist deshalb viel schwerer, sich auf diese Situation einzustellen. Wichtig ist nun, dass sich die Bürger an die Vorgaben der Bundesregierung halten.

Passiert das aus Ihrer Sicht?

Großteils ja. Aber leider gibt es trotz aller Warnungen noch immer Menschen, die die Gefahr unterschätzen. Mir hat eine Trafikantin am Mittwoch erzählt, dass viele – darunter auch reichlich ältere Kunden – zum Lottospielen in die Trafik gekommen sind.

Gibt es beim Roten Kreuz genug Personal, um mithelfen zu können, diese Krise zu bewältigen?

Man muss sich bei dieser Frage vor Augen halten, dass wir abseits von Corona täglich rund 2.250 Einsätze zu absolvieren haben. Zum Beispiel, wenn es um Unfälle oder plötzliche Erkrankungen geht. Die Bekämpfung des Virus fordert uns deshalb doppelt. Wir können also jede Hand und jeden Mann und jede Frau dringend brauchen. Obwohl wir derzeit intensiv gefordert sind, werden Initiativen wie die Team Österreich Tafel weitergeführt, wo für Bedürftige Lebensmittel gesammelt werden.

Das Rote Kreuz ist in Niederösterreich unterwegs, um mobile Tests durchzuführen. Es gibt aber immer mehr Personen, die erkranken. Reichen die Kapazitäten?

Wir haben am vergangenen Mittwoch nochmals Personal aufgestockt. Insgesamt sind wir nun mit 20 mobilen Teams in allen Bezirken unterwegs, die die Abnahmen bei Covid-19-Verdachtsfällen abwickeln können. Das entlastet die Spitäler, und die Betroffenen können daheimbleiben, wodurch keine Gefahr besteht, dass sich weitere Menschen infizieren.

Das Rote Kreuz hat kürzlich im Internet eine ganz besondere Aktion gestartet.

Das stimmt. Wir haben einen Online-Kurs (www.roteskreuz.at/pflegekurs) veröffentlicht, über den man lernt, wie man sich um eine kranke oder zu pflegende Person in der Coronavirus-Krise am besten kümmert. Die Themenpalette ist breit: von Quarantäne über Hygiene, von Pflegetipps bis hin zur psychischen Betreuung.

Was macht Ihnen in dieser schwierigen Zeit Hoffnung?

Mir macht Hoffnung, dass die Versorgung im Land gesichert ist. Und dass sich viele Menschen an die Maßnahmen halten, die ihnen von den Experten vorgegeben wurden. Es geht jetzt darum, vor allem ältere Menschen vor dem Virus zu schützen.

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