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Chronik Niederösterreich
05/26/2021

Riesiges Drogenlabor in Weinviertler Weinkeller aufgeflogen

Der Straßenverkaufspreis der verkauften und sichergestellten Chemikalien beträgt zwischen 4 und 5 Millionen Euro. Ein Täter ist flüchtig.

von Johannes Weichhart

Dieser Fall könnte auch aus einem ORF-"Landkrimi" stammen: In Walterskirchen im Bezirk Mistelbach konnten Ermittler des Landeskriminalamtes Niederösterreich ein riesiges Drogenlabor ausheben, das in einem Weinkeller versteckt war. Für zwei Beschuldigte aus Wien (30 und 35 Jahre alt) klickten die Handschellen, ein 29-Jähriger befindet sich noch auf der Flucht.

Chemikalien wurden über das Internet bestellt

Laut Polizei hatten die drei Beschuldigten im Jahr 2019 beschlossen, in Österreich Drogen herzustellen. Die Tätergruppe bestellte in China über das Internet verschiedene Chemikalien und Drogenausgangsstoffe in kleineren Mengen. Bis Juli 2020 wurden verschiedene Experimente und Versuche in einem kleineren Versuchslabor in einer Wohnung in Wien durchgeführt. Dabei versuchten die Beschuldigten, verschiedene Suchtmittel wie Amphetamin/Methamphetamin, MDMA, synthetisches Cocain und Mephedron herzustellen. Aufgrund der verfügbaren Chemikalien, Drogenausgangsstoffe, Laborausrüstung sowie der Synthesewege kamen sie zu dem Entschluss, dass die Herstellung von Mephedron (dabei handelt es sich um eine psychoaktive Substanz, Anm.) am einfachsten wäre.

Gleichzeitig suchte das Trio Vertriebswege für den Verkauf der Drogen. Über verschiedene Chat-Räume im Darknet und Messenger-Dienste wurde Kontakt zu eventuellen Abnehmern in Neuseeland hergestellt und mit diesen Probelieferungen vereinbart.

Im Juli 2020 wurde von der Tätergruppe ein aufgelassener Weinkeller in Walterskirchen angekauft und in diesem das Labor in größerem Ausmaß eingerichtet. Die Laborgeräte bzw. technischen Geräte bestellten sie bei diversen Firmen in Deutschland und China. Größere Mengen an Chemikalien wurden online bei verschiedenen Firmen in China bestellt. "Zur Verschleierung der Tathandlungen wurden als Zustelladressen in Österreich über Job-Portale Studenten angeworben. Diese übernahmen die Pakete und folgten sie der Tätergruppe aus", berichtet ein Ermittler.

Täter machten Millionen

Weiters organisierte die Tätergruppe den Schmuggel der Drogen nach Neuseeland. Zu diesem Zweck wurden Aludosen-Rohlinge, eine Dosen-Druckmaschine und eine Maschine zum Verschließen der Alu-Dosen angekauft. Sie beauftragten eine Online-Firma in der Ukraine mit dem Design des Dosendrucks.

Laut Polizei beträgt der Straßenverkaufspreis der verkauften und sichergestellten Chemikalien zwischen 4 und 5 Millionen Euro.

Innenminister gratuliert den Fahndern

„Dieser Fall zeigt einmal mehr die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit, aber auch der Ermittlungskompetenz im virtuellen Bereich auf. Dieser besondere Form der Suchtmittelkriminalität werden wir daher in Zukunft durch zusätzliche technische Ressourcen und speziell ausgebildetem Personal einen besonderen Schwerpunkt in der Bekämpfung widmen. Mein besonderer Dank gilt den Ermittlern für ihre akribische Ermittlungsarbeit“, so Innenminister Karl Nehammer.

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