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„Jeder Einsatz prägt“: Seit 60 Jahren immer der Hundenase nach

Die Rettungshundebrigade rückt aus, wenn Menschen vermisst werden. Zwei Mitglieder erzählen, warum sie sich engagieren.
Hund balanciert auf einer schmalen Holzsteg-Trainingsbahn, im Hintergrund steht eine Person in roter Einsatzkleidung.

Mato geht zuerst. Vorsichtig setzt der athletische Malinois-Rüde eine Pfote vor die andere und balanciert geschickt über die hölzernen Sprossen. Hinter ihm steht Evelyn Hiesinger und behält jede seiner Bewegungen im Blick. Am Ende der waagrecht ausgelegten Leiter bleibt Mato stehen und wartet, die Zunge weit aus dem Maul gestreckt, bis ihn sein Frauchen vom Trainingsgerät auf den Boden hebt und die Übung damit beendet.

Als Nächster ist „The Riot Club Lead The Way“, Rufname Rudi, an der Reihe. Voller Elan springt der braune Labrador auf das Hindernis und hat die Aufgabe rasch erledigt – so rasch, dass sich Christoph Umgeher beeilen muss, um seinen Hund noch rechtzeitig zu greifen, bevor er selbstständig auf den Boden springt. Was Tier und Mensch am Areal der Hundeschule Korneuburg trainieren – Trittsicherheit, Geduld, Bewegung auf unebenem Gelände – kann im Ernstfall Leben retten.

Hiesinger und Umgeher engagieren sich seit etlichen Jahren bei der Österreichischen Rettungshundebrigade (ÖRHB). Einmal wöchentlich trainiert das Paar auf der weitläufigen Wiese nordwestlich von Wien. Am Wochenende geht es hinaus ins Gelände: auf Hügel, zu Flussläufen, in Wälder oder leer stehende Gebäude. Dort absolvieren die Hunde unterschiedliche Szenarien, um im Falle einer Alarmierung vorbereitet zu sein.

Zwei Personen in roten Rettungsjacken sitzen an einer Holztheke in einer Hütte und lächeln sich an.

Hiesinger und Umgeher engagieren sich seit Ende der 1990er-Jahre bei der ÖRHB.

„Die meisten haben einen bestehenden Hund und kommen dann erst zur Rettungshundearbeit“, sagt Umgeher. Das gilt auch für ihn und seine Partnerin. Die Ausbildung funktioniert grundsätzlich durch positive Bestätigung, wie Umgeher erklärt: „Sprich: Der Hund bekommt Futter oder ein Spielzeug, wenn er jemanden findet.“

Es war der Wunsch, etwas Sinnvolles mit ihrer Hovawart-Hündin Zahra vom Gablitztal zu machen, der Hiesinger 1999 zum Ehrenamt geführt hat. Die Rettungshundebrigade ist für sie ein Ort, an dem „Sinn, Gemeinschaft und Verantwortung“ zusammenfließen. „Wo man nicht nur trainiert, sondern auch zusammenwächst und gebraucht wird“, sagt sie. 

Einsatzbereit

Wird in Niederösterreich eine Person vermisst, folgt die Alarmierung aller einsatzfähigen Personen via Handy. „Natürlich ist es gewollt und gewünscht, dass man kommt“, so Umgeher. Dafür braucht es Flexibilität – und auch Mobilität, denn Anfahrtszeiten von eineinhalb Stunden sind mit Blick auf den weitläufigen Zuständigkeitsbereich nicht selten.

Gesucht werden meist ältere, demente Personen, erzählen die beiden. Vereinzelt auch Kinder. Seit Corona habe zudem die Anzahl der angekündigten Suizide zugenommen. „Im Prinzip prägt jeder Einsatz, besonders dann, wenn es einen Personenfund gibt“, sagt Hiesinger.

Jede Suchaktion sei anders und im Vorhinein nie vollkommen vorhersehbar. Man fahre immer in der Hoffnung los, die abgängige Person zu finden – doch nicht immer reichten die Anhaltspunkte für Mensch und Tier aus. Belastend sei es dann, wenn Suchaktionen abgebrochen werden müssten. „Das beschäftigt einen doch. Wo ist die Person? Was ist passiert?“

In den vergangenen Jahrzehnten habe sich bei der Rettungshundebrigade einiges getan. Vieles habe sich modernisiert – von der Technik über die Ausrüstung bis hin zum Training.

Das exemplarische Training für den KURIER ist beendet, Mato und Rudi werden an ihren Leinen vom Platz geführt. Da greift Hiesinger nach ihrem Handy. Eine Alarmierung. Und was im Gespräch gerade noch Theorie war, wird wieder Realität.

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