Reinhard Hundsmüller und der Krebs: „Wenn man sich fallen lässt, ist man tot“
Es überrascht, dass Reinhard Hundsmüller auch in diesen Tagen an seinem Arbeitsplatz in der Bundeszentrale des Arbeiter-Samariter-Bundes in Wien anzutreffen ist. Der Niederösterreicher, der in wenigen Tagen seinen 70. Geburtstag feiern wird, hat erst vor wenigen Wochen erfahren, dass er an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt ist. Trotz der ab sofort notwendigen Strahlen- und Chemotherapien will er seine Funktion als Bundesgeschäftsführer des ASBÖ noch voll umfänglich ausfüllen.
Hundsmüller hat mit der Krankheit zu leben gelernt. Die jüngste Diagnose ist bereits der vierte Krebs, der in seinem Körper entdeckt worden ist. 2003 hatte er Stimmbandkrebs, 2013 erwischte es die Prostata, 2021 die Speiseröhre. Und heuer hatte der Tumormarker plötzlich wieder erhöhte Werte angezeigt. Diagnose: Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Er weiß, dass er diesmal den Kampf gegen den Krebs verlieren könnte. Das hat ihm sein Arzt, Krebsspezialist Christoph Zielinski, auch gar nicht verheimlicht. Nicht ohne ihm auch Hoffnung zu geben. Wenn er genau wüsste, was wann passiert oder eintritt, dann wäre er der liebe Gott, soll er einmal zu Reinhard Hundsmüller gesagt haben.
„Keine Stigmatisierung“
Im Gespräch ist Hundsmüller, der in Walpersbach im Bezirk Wiener Neustadt lebt, mittlerweile milder geworden. Vor allem im Vergleich zu seiner Zeit als SPÖ-Politiker in Landtag in St. Pölten. Er hat auch ein besonderes Lächeln im Gesicht, das die Strapazen der Krebsbehandlungen wegwischt. Wobei diese auch deutlich zu sehen sind. Der ASBÖ-Geschäftsführer ist sehr dünn geworden, die Therapien haben – erwartbar – auch seine Haare angegriffen.
Im Tagesgeschäft des Rettungsdienstes hat er noch dazu mit vielen Krebspatienten zu tun, die zu den Kliniken transportiert werden müssen. Er versucht dabei aus seinem eigenen Schicksal heraus, diesen Menschen Mut zuzusprechen. Sein Motto: „Sich die Frage ,Warum gerade ich?‘ zu stellen, ist müßig. Es ist halt so.“ Und: „Nur nicht aufgeben. Wenn man sich fallen lässt, ist man tot.“
Autogenes Training
Was ihm in seiner Situation besonders hilft: autogenes Training. Hundsmüller: „Das gibt mir sehr viel Kraft.“ Er versucht auch, Gruppen zu vermeiden, in denen nur über Krebs-Schicksale gejammert wird. „Ich will den Leuten Mut machen. Eine Krebserkrankung ist nicht das Ende. Aber man muss das so annehmen, wie es ist.“ Immerhin musste er bereits mehr als ein Drittel seines Lebens gegen Krebserkrankungen ankämpfen. Insgesamt hat der Walpersbacher schon 53 mehr oder weniger intensive Krebstherapien hinter sich.
Was ihm weiters hilft: ein konsequenter Lebenswandel, um den Körper nicht zu sehr zu strapazieren. Und mit der Krankheit offen umzugehen. „Ich bin gegen eine Stigmatisierung und für einen öffentlichen Umgang.“ Deshalb war er auch froh, dass SPÖ-Finanzminister Markus Marterbauer seine Krebserkrankung ohne jegliches Pathos der Öffentlichkeit mitgeteilt hat.
KURIER Talk Reinhard Hundsmüller
Politischer Hardliner
An oberster Stelle steht für ihn auch, dass er in seiner Arbeit weiterhin die volle Leistung bringt. Am schwierigsten war das für ihn, als er an Speiseröhrenkrebs erkrankt war. Damals war er unter seinem Landesparteiobmann Franz Schnabl Klubobmann im NÖ Landtag. Und für die SPÖ der wichtigste Mann, wenn es um Verhandlungen und Konflikte mit der ÖVP ging. Gefürchtet und geschätzt als Hardliner.
Dieser Krebs hatte zur Folge, dass er operiert werden musste, weil die Speiseröhre verkleinert werden musste. Als er noch rekonvaleszent war, kam ihm zu Ohren, dass in seiner Abwesenheit im Klub eine Art Putsch gegen ihn geplant war. Trotz ärztlichen Verbots setzte er sich ins Auto und tauchte unerwartet in einer Klubsitzung auf. Danach war wieder Ruhe.
Das politische Geschehen verfolgt Reinhard Hundsmüller noch immer sehr intensiv. Zuletzt wollte er sogar beim Landesparteitag der SPÖ auftauchen, um verbal mit den verhinderten Putschisten abzurechnen. Er blieb dann aber doch zu Hause. Sein Körper wird es ihm gedankt haben.
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