Ein mit einer Pistole bewaffneter Mann konnte am Samstag in Klosterneuburg verhaftet werden.

© APA/USCHI SPITZBART/FEUERWEHROBJ

Niederösterreich
10/14/2013

„Mein gefährlichster Einsatz. Ich spürte den Adrenalin-Kick“

Polizistin Dagmar Wiesinger überredete auf Tschechisch einen bewaffneten Räuber zur Aufgabe

von Jürgen Zahrl, Martin Bernert

Das war mein bisher gefährlichster Einsatz“, sagt die 31-jährige Polizistin Dagmar Wiesinger aus Schrems im KURIER-Interview. Obwohl sie einen bewaffneten Räuber aus Tschechien mit ihren Sprachkenntnissen in Klosterneuburg zur Aufgabe bewegte, fühlt sie sich nicht als Heldin. „Es ist mein Job, die Lage einzuschätzen und entsprechende Maßnahmen zu treffen“, sagt die Waldviertlerin. Sie handelte nicht alleine, sondern hatte stets Unterstützung der Kollegen.

Wie berichtet, spielte sich der gefährliche Polizeieinsatz am Samstagabend in Klosterneuburg ab. Weil Passanten einen Verkehrsrowdy angezeigt hatten, gingen die Beamten auf die Suche nach einem Skoda Octavia. Der 40-jährige Miro S. hatte seinen Wagen in einer Parkbucht abgestellt und ging zu Fuß Richtung Wien weiter. Was die Polizei zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste: Der Tscheche war zuvor an einem Überfall in Znaim beteiligt und flüchtete nach Österreich. „Als er die Waffe zückte und auf uns zielte, verschanzten wir uns hinter dem Polizeiauto. Ich hatte keine Angst. Aber in dieser Situation bekommst du einen Adrenalin-Kick“, erzählt Wiesinger, die seit acht Jahren Polizistin ist und seit zwei Jahren einen Sprachkurs des Innenministeriums besucht. „Weil ich nahe der Grenze lebe, wollte ich unbedingt Tschechisch lernen“, erzählt die Schremserin.

Sprachkurs

Ihre Sprachkenntnisse waren am Samstag Gold wert. „Wir haben versucht, den bewaffneten Täter anzusprechen. Er hat sehr undeutlich geredet. Ständig stammelte er irgendetwas von Pistola und Zigaretta herum“, sagt Wiesinger. Ihr war bald klar, dass S. eine Zigarette wollte. „Ich hab’ ihm gesagt. Wenn er die Waffe hergibt, bekommt er eine Zigarette“, schildert Wiesinger. Und tatsächlich legte er die Faustfeuerwaffe weg und ließ sich festnehmen. Erst am Montag wurde bekannt, dass seine Waffe nur eine ungeladene Schreckschusspistole war und S. in Tschechien bereits 27-mal vorbestraft ist. Eine Vermutung ist, dass der Mann am Samstag versucht haben könnte, sich durch „Suicide by cop“ töten zu lassen.

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