Trauer um verstorbenen Vater machte 19-Jährigen zum Brandstifter
Der 19-Jährige am Dienstag am Landesgericht Wiener Neustadt.
Ein Müllcontainer und eine Thujen-Hecke brannten in der Nacht von 7. auf 8. Februar dieses Jahres in einer Gemeinde im südlichen Niederösterreich. Kurz hintereinander waren die beiden Feuer gelegt worden, die sich jedoch glücklicherweise nicht weiter ausbreiteten.
Der Brandstifter konnte schon kurz darauf ausgeforscht werden, nachdem er noch ein weiteres Mal zugeschlagen hatte: am 12. Februar ging eine Papiermülltonne in Flammen auf.
In diesem dritten Fall erlosch das Feuer nicht so rasch, weshalb den Brandstifter die Angst packte und er die Feuerwehr alarmierte. Mit der richtigen Vorgangsweise war er bestens vertraut - ist er doch selbst Mitglied der Wehr.
"Blöde Gedanken"
Als Held dazustehen und am Löscheinsatz mitzuwirken, sei jedoch nicht seine Motivation für die Taten gewesen, beteuerte der 19-Jährige, der sich am Dienstag wegen seiner Taten am Landesgericht Wiener Neustadt verantworten musste. Vor einem großen Schöffensenat - denn ihm drohten bis zu zehn Jahre Haft.
Auslöser für die Brandstiftungen sei vielmehr der Tod seines Vaters vor rund fünf Jahren gewesen, sagte er: "Wenn ich an ihn denke, geht es mir wirklich schlecht und dann komme ich einfach auf so blöde Gedanken."
So sei es auch am 8. Februar gewesen. "Ich bin in der Nacht alleine spazieren gegangen und dann hab ich auf einmal gedacht, dass ich etwas anzünde." Ein Feuerzeug habe er als Raucher immer bei sich. Schwerer als Affekthandlung zu erklären wurden die Brandstiftungen allerdings angesichts der Tatsache, dass der 19-Jährige auch Grillanzünder aus Holzwolle bei sich hatte, die er in einem Fall auch verwendete."
"Die ganze Nacht darüber nachgedacht"
"Da müssen Sie sich doch etwas gedacht haben, als Sie die eingesteckt haben", mutmaßte der Staatsanwalt. "Nein. Ich weiß nicht mehr, warum ich die mitgenommen habe", antwortete der Angeklagte.
Dass ihm als Feuerwehrmitglied bewusst gewesen sein musste, welchen Schaden er hätte anrichten können, gibt er auf Frage der Vorsitzenden zu. "Ich habe dann auch zuhause beim Fenster hinausgeschaut, ob ich ein Feuer sehe", sagt er. Und: "Ich habe die ganze Nacht darüber nachgedacht."
Er wolle nun eine Therapie beginnen, um die Trauer über den Tod seines Vaters zu verarbeiten und zu verhindern, dass "so ein Blödsinn noch einmal passiert", beteuerte der junge Mann, der seit seiner Festnahme in Haft saß.
Prozess vertagt
Um einen Sachverständigen beurteilen zu lassen, ob der 19-Jährige zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig war, wurde der Prozess vertagt.
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