Chronik | Niederösterreich
18.04.2012

Problemtier: Biber nagen am Nervenkostüm

Laut Forstexperten verursachen die Tiere enorme Schäden. Sie fordern eine bessere Handhabe und höhere Entschädigungen.

Wir machen uns große Sorgen“, sagt Josefa Widmann. Die Stadträtin in Neulengbach (NÖ) blickt auf einen Biberbau. Der Anzbach ist aufgestaut. „Das nächste Hochwasser kommt bestimmt, dann schwimmt alles.“ Doch es ist nicht einfach, die Bauten des streng geschützten Bibers wegzubekommen. „Wir warten auf den Bescheid – sehnsüchtig“, erklärt Widmann. „Sonst sind wir zur Untätigkeit verurteilt.“ Kein Einzelfall.

Felix Montecuccoli, der Präsident der „Land&Forst Betriebe Österreich“, einer Interessensvertretung mit 640 Mitgliedern, klagt über massive Schäden, die der wieder heimisch gewordene Nager anrichtet: „Bäume werden gefällt, Bäche und Kleinkraftwerke verstopft, die Uferböschung unterhöhlt.“ Sobald Hochwasser kommt, seien viele Gegenden schutzlos. „Sind Menschen dadurch in Gefahr, hat man in Niederösterreich die Möglichkeit, Biber abzufangen oder zu vertreiben“, kontert Martin Tschulik, Leiter der Abteilung Naturschutz im Land. Die Genehmigungen dafür dauern zu lange, klagt Montecuccoli.

Freude über die Wiederkehr des Bibers zeigt Johann Nesweda. Der Ökologe versucht den Nager wieder ins rechte Licht zu rücken. „Die Probleme hat man selbst verursacht. Durch passende Pflanzen kann man es aber wieder gut machen.“ Niedrige Gehölzer am Ufer würden die Biber von den Bäumen ablenken. Für Montecuccoli ist das nicht machbar. „Einzelne können nicht die Last tragen, damit sich die Gesellschaft am Biber erfreuen kann.“ Handlungsbedarf sieht er beim Land: Es soll sich auf EU-Ebene dafür einsetzen, den Schutz herabzustufen.

Eine regionale Einschätzung aber „ist wegen der europäischen Gesetze nicht möglich“, erklärt Tschulik. Die Bestände müssten sich in der gesamten kontinentalen Zone erholt haben, um etwas ändern zu können. 2013 ist wieder ein Bericht an die EU fällig. Zählungen Montecuccoli hat nun eigene Zählungen angestellt. Dabei kam man auf 6000 Stück, die sich von der Donau weg ausgebreitet haben. Dort wurde ab 1976 mit der Wiederansiedlung begonnen. Das Land geht derzeit nur von etwa der Hälfte aus, will sich aber die Zahlen Montecuccolis ansehen. Inzwischen hofft der Forstwirt zumindest auf eine Erhöhung der Entschädigungszahlungen, „um sich geeignete Gegenmaßnahmen leisten zu können.“ Der Schaden aller Problemtierarten, zu denen auch Fischotter zählen, schätzt er auf eine halbe Million Euro pro Jahr.

Bisher würde nur ein Bruchteil entschädigt. „Das Aussetzen der Biber wurde aus öffentlichen Geldern bezahlt, jetzt muss man auch gemeinsam für die Schäden gerade stehen.“ Besonders viele Biber haben sich in Moosbrunn angesiedelt. Regelmäßig tritt die Piesting über die Ufer und überflutet Felder. Landwirt Karl Frühling: „Wir fühlen uns von der hohen Politik im Stich gelassen, die Verantwortung wird nur von A nach B geschoben.“

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