Wasser trinken – zumindest einen halben Liter – wird in 22 Volksschulen in Niederösterreich zur Pflicht.

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Niederösterreich
09/30/2018

Pilotprojekt: Wasser statt Limonade in den Volksschulen

An 22 Schulen in Niederösterreich sollen Kinder pro Vormittag mindestens einen halben Liter trinken.

von Martin Gebhart, Ernst Mauritz

Der Gesundheitstipp, täglich genug frisches Wasser zu trinken, ist schon zum Stehsatz geworden. In Niederösterreich wird dazu jetzt an 22 Volksschulen ein Pilotprojekt gestartet, damit Kinder bewusst zur Wasserflasche statt zu irgendwelchen zuckerhaltigen Limonaden greifen. Ziel der Aktion ist, dass die Schüler pro Vormittag mindestens einen halben Liter Wasser trinken. Und dass sie so auch Vorbilder für ihre Familien werden.

Mit dabei ist die Volksschule Perschling im Bezirk St. Pölten. Dort präsentierte der zuständige Landesrat Martin Eichtinger (ÖVP) diese Initiative der Organisation „tut gut“. „Mit dem Pilotprojekt werden in einer ersten Phase in 22 Volksschulen rund 3000 Schülerinnen und Schüler in über 160 Klassen mit der Wasser-Botschaft erreicht“, sagt Eichtinger. Gleichzeitig verwies er auf die gesundheitsfördernden Eigenschaften des klaren Wassers: aufmerksamere Kinder, Vermeidung von Konzentrationsschwächen durch Flüssigkeitsdefizit, Prävention im Hinblick auf Adipositas und Karies.

Die 22 Volksschulen sind in den Bezirken Bruck an der Leitha, Melk, St. Pölten und Tulln beheimatet. Projektleiterin Irene Öllinger: „Was ist der wichtigste Nährstoff für den menschlichen Körper. Dehydrierung führt zur Konzentrationsschwäche.“

Flaschen und Pässe

Für das Pilotprojekt rüstet „tut gut“ die Schulen nun mit Trinkflaschen, Trinkplakaten, Trinkpässen und Materialien für den Unterricht aus. Es sind auch Workshops für die Lehrkräfte und eine begleitende Evaluierung vorgesehen.

Warum die Volksschule Perschling da mitmacht, erklärt Leiterin Edith Jagodic so: „Es ist uns wichtig, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass es den Kindern gut geht und dass das Lernen in den Klassenräumen erfolgreich stattfinden kann. Der Griff zur Wasserflasche soll zu einer Selbstverständlichkeit werden. Untersuchungen zeigen, Kinder trinken oft zu wenig und zu süß.“ Das Projekt wird in wenigen Tagen starten. Wobei Landesrat Eichtinger klar stellte, dass dadurch die bewährte Schulmilch nicht verdrängt werden soll. Vielmehr wäre die HBSC-Studie der WHO aus dem Jahr 2014 ausschlaggebend dafür gewesen. Da wurde erhoben, dass 16 Prozent der österreichischen Schüler täglich stark zuckerhaltige, synthetische Limonaden trinken.

Die Erziehungsberechtigten werden im Vorfeld durch einen Elternbrief von der Initiative, die unter dem Titel „H2NOE – Wasserschulen in Niederösterreich“ läuft, verständigt. Das Pilotprojekt ist in NÖ vorerst einmal für ein Jahr geplant.

 

Richtwerte: Wie viel Kinder täglich für optimale Leistung trinken sollten

„Kinder regelmäßig daran  erinnern, dass sie trinken sollen –  am besten Leitungswasser –, ist wichtig“, sagt der Physiologe und Ernährungsspezialist Cem Ekmekcioglu von der MedUni Wien. „Es wird zwar kein Schulkind verdursten, da braucht man keine Angst zu haben.“ Allerdings: Die geistige Leistungsfähigkeit ist bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr besser. „Wir wissen aus mehreren Studien, dass bei zu geringer Flüssigkeitsaufnahme die Merkfähigkeit beeinträchtigt sein kann.“

In der Nacht kommt es bei jedem Menschen zu einer leichten Dehydrierung („Austrocknung“): „Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen sowie Kopfschmerzen sind typische Symptome. Deshalb sollte man den Tag immer mit einem Glas Leitungswasser beginnen.“

Wasseraufnahme

Sieben bis Unter-10-Jährige sollten täglich laut den Richtwerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zirka einen Liter Wasser (970 Milliliter) über Getränke zu sich nehmen. Milch und Kakao gelten als Lebensmittel. Bei zehn bis Unter-13-Jährigen sind es 1170 Milliliter, bei den 13- bis Unter-15-Jährigen 1330 Milliliter, bei Älteren dann eineinhalb Liter (1530 ml) Wasser. Der Gesamtbedarf an Wasser ist aber  deutlich höher, da kommt  dann auch die Wasseraufnahme durch feste Nahrung dazu.

Kinder benötigen übrigens umgerechnet auf ihr Körpergewicht mehr Flüssigkeit als Erwachsene. Ekmekcioglu: „Natürlich ist es wichtig, für eine gute Leistungsfähigkeit etwas zu frühstücken. Aber trinken ist genauso wichtig.“

Das regelmäßige Trinken von Wasser anstelle von zuckerhaltigen Getränken beugt auch der Entstehung von Übergewicht und Adipositas („Fettleibigkeit“) vor. Kinder an das Trinken von Wasser zu gewöhnen, ist deshalb enorm gesundheitsfördernd. Wird ein Glas Wasser zum Essen getrunken, dehnt sich der Magen stärker – und das führt zu einer früheren Sättigung.

Mehr als 50 Prozent des menschlichen Organismus bestehen aus Wasser, bei Säuglingen sind es  sogar 70 Prozent. Flüssigkeit wird ständig über die Haut, den Darm (Stuhl), die Nieren (Urin) sowie beim Atmen ausgeschieden.

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