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Was brauchen pflegende Angehörige? Neues Projekt fragt nach

Sechs Palliativteams fragen nach, was pflegende Angehörige brauchen – und was ihnen wirklich hilft.
Du sollst Vater und Mutter pflegen!

Wenn ein Familienmitglied die Diagnose einer unheilbaren Krankheit erhält, verändert sich das Leben der ganzen Familie. Plötzlich geht es um Pflege, Arzttermine, Medikamente und die Frage, wie der Alltag weiter funktionieren kann. Für Angehörige bedeutet das oft, immer verfügbar zu sein. Was dabei mit ihnen selbst passiert, wird leicht übersehen – von anderen, aber auch von ihnen selbst.

Bedürfnisse gezielt erfassen

Hier setzt das Projekt „Kommunikation mit Angehörigen“, kurz KOMMA, an. Sechs spezialisierte Palliativteams in Waidhofen/Ybbs, Gmünd, Krems, Tulln, Baden und Neunkirchen erproben derzeit einen Gesprächsleitfaden. Er soll helfen, die Bedürfnisse pflegender und betreuender Angehöriger gezielt zu erfassen.

Denn für viele ist vor allem die ständige Verfügbarkeit belastend. Selbst im Urlaub können Angehörige gedanklich nicht abschalten: Was passiert zu Hause? Wer übernimmt? Kann ich wirklich weg? Die Teams schaffen bewusst Raum für die Angehörigen und fragen systematisch, wie es ihnen geht. 

„Man merkt oft, dass etwas nicht stimmt“

Was dabei ans Licht kommen kann, zeigt das Beispiel einer Familie, die Petra Kozisniks Palliativteam vor Kurzem begleitet hat. Es ging um ganz praktische Fragen: Sozialleistungen, Pflegeantrag und die Organisation des Alltags. Im Gespräch wurde jedoch deutlich, dass die Frau, die ihren Mann pflegte, etwas belastete: Sie hatte den Tod ihrer Tochter noch nicht verarbeitet.

„Man merkt oft, dass etwas nicht stimmt“, sagt Kozisnik, Geschäftsführerin des Landesverbands Hospiz Niederösterreich. Sind die Belastungen einmal ausgesprochen, lassen sich gemeinsam Lösungen oder Abhilfen schaffen. Ein ehrenamtliches Hospizteam kann beispielsweise für einige Stunden im Haushalt bleiben und Angehörigen Zeit für sich verschaffen. Psychologische Begleitung kann dabei helfen, emotionale Belastungen zu verarbeiten. Manchmal lässt sich auch Unterstützung im persönlichen Umfeld organisieren – etwa durch Nachbarn oder andere Menschen aus dem eigenen Netzwerk.

Viele trauen sich nicht

„Zuallererst hilft aber immer reden“, sind sich Kozisnik und Birgit Meinhard-Schiebel, Präsidentin des Vereins pflegender Angehöriger, einig. Viele Menschen kommen spät mit Hospiz- und Palliativversorgung in Kontakt. „Viele trauen sich nicht, um Unterstützung zu bitten“, sagt Kozisnik. Dabei beginnt Palliativversorgung nicht erst in den letzten Tagen des Lebens. Sie kann schon früh unterstützen und dazu beitragen, die Lebensqualität zu verbessern. Doch wie erreicht man Menschen, die sich selbst noch gar nicht als pflegende Angehörige sehen? 

„Wenn man die pflegenden Angehörigen erwischen möchte, muss man schauen, wo sie sind“, sagt Meinhard-Schiebel. Das können Einrichtungen sein, aber auch ganz alltägliche Orte wie ein Café.  Ab 2027 soll der Ansatz in ganz Niederösterreich ausgerollt werden.  Die Herausforderung, jene Menschen zu erreichen, die sich selbst noch gar nicht als pflegende Angehörige sehen, bleibt. Kozisnik weiß, dass es Zeit braucht, die Betroffenen zu erreichen. „Wenn sich jemand meldet und sagt, ich gehöre ja auch dazu, dann haben wir etwas richtig gemacht.“

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