Pflegerin unter Mordverdacht: Gruft jahrelang von Wasser geflutet

Reicher Unternehmer starb 2021, seine Pflegerin soll Testament gefälscht haben. Einen Rückschlag gibt es nun bei den Ermittlungen.
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Bei dem Fall werden Erinnerungen an den Arsen-Krimi von 2013 wach. Die Exhumierung des Niederösterreichers Alois F. (61) und des Wiener Pensionisten Herbert A. (68) hatte damals dazu geführt, dass der Giftmord an ihnen aufgeflogen ist. Durch mehrmalige Arsengaben hat ihre polnische Pflegerin und Putzfrau Bogumila W. die Männer damals ins Grab gebracht.

Am 19. Dezember des Vorjahres rückten Tatortspezialisten des NÖ Landeskriminalamtes (LKA) in ähnlicher Mission auf den Mödlinger Friedhof aus. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt wurde die Leiche des am 27. Februar 2021 verstorbenen, wohlhabenden Unternehmers Günter B. (86) aus dessen Gruft geholt und exhumiert.

Eine Obduktion und ein toxikologisches Gutachten sollen feststellen, ob der Niederösterreicher aus Hinterbrühl tatsächlich an einem Darmverschluss gestorben ist oder eventuell "nachgeholfen“ wurde.

Die frühere Pflegerin des Mannes befindet sich wegen des Verdachts des Mordes und des schweren Betruges seit Herbst 2025 in Wiener Neustadt in U-Haft. Die Frau soll durch eine gewiefte Testamentsfälschung an das Vermögen ihres Gönners gekommen sein, so der Verdacht von Staatsanwalt und Mordermittlern.

Von der Pflegerin zur Firmenchefin

Laut dem bisherigen Verfahrensstand konnte folgendes ermittelt werden. Die 43-Jährige hatte im Jahr 2017 über Inserate als eine Art Pflegerin bei Günter B. im Bezirk Mödling angeheuert. Zuvor soll sie in eher zwielichtigen Kreisen ihr Geld verdient haben. "Sie kümmerte sich um den Haushalt, putzte und betreute den Unternehmer“, erklärt ein Ermittler.

Leben im Luxus

Auf Fotos posierte die 43-Jährige gerne im Porsche oder Mercedes-Cabrio des reichen Mannes. Er hatte mit diversen Handelsfirmen und Vermietungen ab den 1990er-Jahren gut verdient und ein Vermögen angehäuft. Als sich sein Gesundheitszustand 2020 verschlechterte, soll die Frau auf Zuruf eines mutmaßlichen Drahtziehers – im Verdacht steht ein Arzt als Mastermind im Hintergrund – die Idee geboren haben, das Testament ihres Gönners zu fälschen.

Die Ermittlungen gegen die Frau und ihren Helfer wurden durch eine Anzeige im August 2025 ins Rollen gebracht. Ein Häftling hatte ausgepackt, er belastet die 43-Jährige schwer. "Weil sie ihm die versprochene Gage für seine Hilfe angeblich nie bezahlt hat“, heißt es aus Ermittlerkreisen.

Die Gruft von Günter B. am Friedhof in Mödling wurde am 19. Dezember 2025 geöffnet und der Leichnam exhumiert.

Die Gruft von Günter B. am Friedhof in Mödling wurde am 19. Dezember 2025 geöffnet und der Leichnam exhumiert.

Doppelgänger engagiert?

Der Mann behauptet, für die Frau eine Art Doppelgänger aufgetrieben zu haben. Mit diesem "alten, gebrechlichen Mann“ im Schlepptau soll die Pflegerin zu einem Notar gegangen sein, um das Testament zu ihren Gunsten aufzusetzen. Sie wurde darin als Alleinerbin der Firmen und mehrerer Immobilien eingesetzt.

Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt gab ein Schriftgutachten zu den am Testament getätigten Unterschriften in Auftrag. In dem Gutachten wurde festgestellt, dass die dort getätigte Unterschrift "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ nicht jene des reichen Unternehmers war.

Wenige Monate nach der Testamentsunterzeichnung war der 86-Jährige tot. Die Pflegerin streifte das gesamte Millionenerbe ein. Nachdem der Rechtsanwalt des verstorbenen Unternehmers einen interimistischen Geschäftsführer in dessen Firmen eingesetzt hatte, übernahm die Pflegerin im April bzw. Mai 2023 die Leitung der diversen Gesellschaften.

Luxusimmobilien

Unter anderem geht es dabei um die Vermietung wertvoller Immobilien. Eine 330 Quadratmeter große Prachtvilla im Bezirk Mödling wird für 3.300 Euro monatlich auf diversen Plattformen angeboten. Auch wertvolle Sportwagen des Verstorbenen wurden nach seinem Tod verkauft und zu Geld gemacht.

Eine Wende bekam der Fall, als durch Zeugenaussagen plötzlich im Raum stand, dass der Pensionist eventuell keines natürlichen Todes gestorben sei. Deshalb wurde der Leichnam auch exhumiert – allerdings mit einem für die Ermittler und Gerichtsmediziner wenig erfreulichem Ergebnis.

Wassereintritt

Weil die Gruft am Friedhof in Mödling nicht dicht war, trat über Jahre Regen und Grundwasser in die Grabstätte ein. Die Ausschwemmungen könnten das toxikologische Gutachten zunichtemachen, befürchtet man beim Landeskriminalamt.

Laut der Anwältin der Beschuldigten, Astrid Wagner, bestreitet ihre 43-Jährige Mandantin die Vorwürfe. Die Anzeige basiere auf den Aussagen "dubioser Belastungszeugen“. "Es handelt sich um eine Intrige in einem gewissen Milieu“, so Wagner.

Anwalt Sascha Flatz vertritt den mutmaßlichen Drahtzieher im Hintergrund, der ebenfalls jegliche Tatbeteiligung bestreitet.

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