Mordanklage: So soll Promi-Winzer eine Millionärin getötet haben

Die Staatsanwaltschaft sieht einen als Sterbehilfe getarnten Mord. Der südsteirische Unternehmer war in die Pleite geschlittert.
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Im Krimi um einen bekannten südsteirischen Winzer, der seit Juli des Vorjahres wegen Mordverdachts in der Justizanstalt St. Pölten in U-Haft sitzt, hat die Staatsanwaltschaft eine Entscheidung getroffen.

Der 58-Jährige wurde wegen Mordes und schweren Betrugs angeklagt, bestätigt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Thomas Korntheuer gegenüber dem KURIER. Dem Steirer wird laut Anklageschrift vorgeworfen, einen als Sterbehilfe getarnten Mord an einer millionenschweren Niederösterreicherin (71) begangen zu haben. Die Frau aus dem Bezirk St. Pölten pflegte eine enge Beziehung zu dem Winzer.

Fall rekonstruiert

In monatelangen Ermittlungen wurde der Fall von der Staatsanwaltschaft, dem Landeskriminalamt NÖ und Forensikern genau rekonstruiert. Dies gipfelt nun in einer 27-seitigen Anklage, die einen perfiden Mordplan zeichnet:

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft St. Pölten hatte der Winzer zum Todeszeitpunkt von Monika M. bereits Schulden in der Höhe von 4,3 Millionen Euro. Von 2022 bis 2024 wurden gegen ihn 14 Exekutionsverfahren geführt. Um seinen "teuren Lebensstil“ mit Maserati und Rolex-Uhren weiter zu bewahren, soll er laut Anklage wohlhabenden Frauen nachgestellt und ihnen die "große Liebe“ vorgetäuscht haben. So sei es ihm gelungen, teils "exorbitante Beträge“ herauszulocken, so die Staatsanwaltschaft.

Mehrere Frauen bestätigten im Ermittlungsverfahren diese Masche. Eine 77-jährige Akademikerin gab als Zeugin an, dass der Weinbauer im Oktober 2024 bereits beim ersten Kennenlernen fragte, ob sie ihm 100.000 Euro leihen könne. Schließlich überredete er sie geschickt, ihm eine Million Euro zu schenken.

Diese Million sollte aus dem Verkaufserlös einer ihrer Liegenschaften bewerkstelligt werden. Im März 2025 unterschrieb die Akademikerin ein Testament, in dem der Angeklagte mit einer Million Euro bedacht wurde, sollte die Frau schon vor der geplanten Schenkung sterben.

Pferd vom Winzer gekauft

Das spätere Opfer, Monika M., lernte der Winzer im April 2019 kennen, als die wohlhabende Niederösterreicherin ein Pferd von ihm kaufte. Später entwickelte sich eine Beziehung zwischen der Pensionistin und dem adretten Winzer.

Monika M. soll sich in den steirischen Weinbauer und Lebemann "unsterblich verliebt" haben, ihre eigene Ehe mit einem Anwalt war zerrüttet. 

Lebenslanges Wohnrecht

In ihrem Testament machte sie den Weinbauern zum Alleinerben und überschrieb ihm im Mai 2022 ihr Anwesen im Bezirk St. Pölten, acht Wohnungen in Sieghartskirchen, zwei Wohnungen in 1130 Wien, sowie Grundstücke und eine Wohnung in St. Johann im Pongau. Nur in ihrem Haus behielt sich die Frau ein lebenslanges Wohnrecht vor.

Am 7. September 2022 hatte Monika M. einen schweren Schlaganfall erlitten, der sie linksseitig lähmte. Sie war auf 24-Stunden-Pflege angewiesen. Noch am Tag des Schlaganfalls nahm sich der Ehemann der Frau das Leben.

Frau erwirkte eine Sterbeverfügung

Nur 24 Stunden später erschien der angeklagte Winzer bei ihr im Krankenhaus, damit Monika M. eine Generalvollmacht unterschreibt, "die ihm in allen finanziellen Angelegenheiten eine umfassende Handlungsbefugnis gab“, heißt es in der Anklage.

Anschließend räumte der Winzer laut Aufzeichnungen der Bank die Konten der wohlhabenden Frau leer und verkaufte ohne Zustimmung ihren BMW X5. Monika M. hatte mangels Deckung kein Geld mehr um Lebensmittel im Supermarkt zu bezahlen, heißt es in der Anklageschrift. 2024 soll die Pensionistin aus Verzweiflung über ihre Lebenssituation den Wunsch geäußert haben, sterben zu wollen. Sie erwirkte eine Sterbeverfügung.

Auf gutes Zureden von Freunden und ihres Pflegers soll die Frau Anfang 2025 wieder Lebenswillen entwickelt haben. Sie versöhnte sich nach Jahren mit ihrer Tochter und vereinbarte Termine beim Friseur, zur Maniküre, Kosmetik etc.

Ein Glas Wein am Sterbebett

Das soll den Winzer nervös gemacht haben, "da er erkannte, dass die einzige potenzielle Erbin wieder in das Leben von Monika M. getreten war“, heißt es vonseiten der Staatsanwaltschaft. Er besorgte das tödliche Medikament aus der Apotheke und soll der Pensionistin vorgetäuscht haben, dass sie mehrere Wochen einen Magenschutz einnehmen müsse.

Weil der Pfleger der Frau stutzig geworden war, hatte er diverse Video- und Tonaufnahmen gemacht - auch von Telefonaten der Frau. Zum Beweis dafür, dass Monika M. nicht sterben wollte, fragte er sie am 5. März 2025, ob sie sterben will, was sie mehrfach verneinte, so die Staatsanwaltschaft. Dies sie umfassend dokumentiert.

BUWOG GRASSER PROZESS: DOHR

Anwalt Michael Dohr vertritt den Winzer

Zwei Tage später war die Frau tot. An ihrem Sterbebett saß der Winzer mit einer Flasche seines eigenen Weins. Den Pfleger hatte er nach Hause geschickt. Zuvor hatte der 58-Jährige ihr noch ein Testament unterschreiben lassen, dass die Tochter im Falle des Ablebens der Frau keine Ansprüche auf das Erbe habe.

Versicherungsbetrug

Wie Ermittler rekonstruierten, kontaktierte der Beschuldigte nur 48 Stunden nach dem Ableben der Millionärin einen Immobilienmakler, weil er ihr Haus für 4,5 Millionen Euro verkaufen wollte. Der Winzer bestreitet laut Rechtsanwalt Michael Dohr alle Vorwürfe. Beim Prozess im Frühjahr wird es auch einen Nebenschauplatz geben. Der Winzer ist außerdem wegen einen Versicherungsbetrugs angeklagt.

Wie Dohr erklärt, habe sein Mandant nichts anderes gemacht, als die gesetzlich erlaubte Sterbehilfe geleistet. Die Witwe hatte laut Dohr zuvor alle benötigten Dokumente eingeholt und den 58-Jährigen dazu ermächtigt, das tödliche Präparat für sie aus der Apotheke zu holen. Es liege kein Motiv vor, denn die Frau hatte den Winzer bereits 2022 in einem Testament zum Alleinerben eingesetzt, so der Anwalt.

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