Neue Pflegekräfte aus der Ukraine: AMS-Ausbildung wird fortgesetzt

Mehrere Personen stehen um ein Bett herum
Erfolg für Pilotprojekt des AMS Niederösterreich. Alle Teilnehmer des ersten Kurses bestanden ihre Prüfung. 19 von 22 haben bereits einen Job.

Sprachkurs und Berufsausbildung: das Pilotprojekt des Arbeitsmarktservice (AMS) Niederösterreich verbindet zwei Qualifikationen. Im Caritas Haus Bernadette in Breitenfurt werden Vertriebene aus der Ukraine zu Heimhelfern. Die Kombination hat sich als äußerst erfolgreich erwiesen: 22 ukrainische Staatsbürger, 21 Frauen und ein Mann, nahmen am AMS-Projekt im vergangenen Jahr teil. Alle bestanden ihre Prüfungen, 19 von ihnen stehen heute bereits im Berufsleben. 

Daher hat Anfang Jänner der nächste Kurs begonnen. Diesmal mit 24 Teilnehmern - 23 Frauen und einem Mann.

„Arbeit ist der beste Sprachkurs. Das ist der Leitgedanke für das neue Kursdesign", sagt AMS NÖ Landesgeschäftsführerin Sandra Kern. "Wir verbinden die weiterhin starke Nachfrage nach Personal im Pflegebereich mit dem Anliegen geflüchteter Menschen aus der Ukraine, hier zu arbeiten und etwas beizutragen.“ 

Denn von 2021 bis 2025 ist das Stellenangebot in Niederösterreich für diplomiertes Pflegepersonal um 50 Prozent auf 396 Stellen gestiegen, bei nicht-diplomiertem Personal um 47 Prozent auf 575 freie Stellen. Der Bedarf an Heimhelfern nimmt zu: Ende Dezember 2025 gab es beim AMS NÖ 136 freie Stellen in diesem Bereich. Ihnen stehen 187 Jobsuchende gegenüber.

1.350 geförderte Jobsuchende in der Pflege

Das AMS ist bemüht, durch Förderung von Pflegeausbildungen gegenzusteuern – von der Heimhilfe bis zur diplomierten Gesundheits- und Krankenpflege. Bei der Durchführung des Kurses arbeitet das AMS NÖ mit dem Verein Tralalobe zusammen. Für die fachliche Ausbildung in der Pflege sorgt die Sozialberufeakademie Wienerwald

Ein Saal voller Menschen, die an einem Kurs teilnehmen

In Breitenfurt arbeiten die Kursteilnehmer mit deutsch- und ukrainischsprachigen Trainern.

Voraussetzungen für die Teilnahme am AMS-Kurs sind ein Vertriebenenstatus und Interesse am Pflegeberuf sowie Deutschkenntnisse auf dem Niveau A2. Die mindestens 18 Jahre alten Teilnehmer erwartet Teamcoaching in Deutsch sowie mit russisch/ukrainisch-sprachigen Trainern, um Fach-Vokabular für den Pflegebereich zu erlernen. Der Abschluss erfolgt im Rahmen einer kommissionellen Prüfung, danach folgen Praktika mit der Option, nahtlos in ein fixes Dienstverhältnis zu wechseln.

Der Kurs dauert 18 Wochen, die Kosten von 75.000 Euro werden zur Gänze vom AMS NÖ getragen.

Ausbildung als Krankenschwester

Viele der Absolventen haben in ihrer Heimat bereits im Pflegebereich gearbeitet, wie etwa Hanna Aleksieieva (32). Sie lebt seit November 2024 mit ihrem Ehemann und zwei Kindern in Österreich. "Ich war in der Ukraine acht Jahre lang Krankenschwester, danach Vertreterin für pharmazeutische Produkte", erzählt sie. 

Nach Abschluss des Kurses hofft die 32-Jährige, eine Stelle in einem Seniorenheim oder in der mobilen Heimhilfe zu finden. „Mir macht die Ausbildung große Freude und ich bin vor allem über die Unterstützung beim Deutschlernen glücklich. Das ist für Ukrainer wirklich wichtig, da viele von uns noch nicht lange in Österreich leben", sagt Aleksieieva. Langfristig sei ihr Ziel, ihr Diplom in Österreich nostrifizieren zu lassen, um als Pflegefachassistentin arbeiten zu können.

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Nadiia Drach (li.) hat den Kurs zur Heimhelferin bereits erfolgreich absolviert, Hanna Aleksieieva nimmt am gerade begonnenen Kurs teil.

Dies sei nicht einfach, weiß AMS-Chefin Kern: "Die Anerkennung von beruflichen Kenntnissen und Diplomen aus der Heimat dauert lange. Der nächste mögliche Arbeitsplatz liegt selten ums Eck und viele der Betroffenen sind Frauen, die mit Kindern gekommen sind und nun Berufstätigkeit und Familie unter einen Hut bringen müssen. Ihr Wunsch auf eigenen Beinen zu stehen, ist groß. Wir sehen trotz schwieriger Arbeitsmarktlage gute Erfolge." 

So sei die Zahl der Arbeitsaufnahmen von ukrainischen AMS-Betreuten 2025 um knapp 40 Prozent gestiegen und die der unselbständig Beschäftigten um 30 Prozent.

Mehr Beschäftigte aus der Ukraine

„Prognosen zeigen, dass allein im Gesundheits- und Sozialwesen die Zahl der Beschäftigten in Niederösterreich bis zum Jahr 2030 um rund 9.100 Personen zunehmen wird. Daher werden wir Ausbildungsangebote in diesem Bereich auf allen Ebenen forcieren“, kündigt Sandra Kern an. 

1.350 Menschen starteten 2025 über ein Pflegestipendium und arbeitsplatznahe Qualifizierung eine Ausbildung zu Heimhilfe, Pflegeassistenz, Pflegefachassistenz, Bachelor Gesundheits- und Krankenpflege. Im Jahr 2026 rechnet das AMS insgesamt mit 1.400 geförderten Ausbildungen in der Pflege.

Bereits erfolgreich abgeschlossen hat den Heimhilfe-Kurs in Breitenfurt die 45-jährige Nadiia Drach. Mit ihren beiden Töchtern war sie 2022 nach Österreich gekommen, hatte davor in der Ukraine als Büroleiterin einer Privatklinik gearbeitet. 

Nach dem theoretischen Teil der Ausbildung absolviert Drach ein Praktikum im Haus Bernadette der Caritas, wo ihr danach direkt eine Stelle angeboten wurde. Mittlerweile arbeitet sie dort seit etwa sieben Monaten, möchte sich aber gerne zur Pflegeassistentin weiterbilden. 

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