Pfarre Stützenhofen: Warten auf den Segen

Kirchgang: Ein Ort hofft und bangt. Für seinen vielleicht ersten homosexuellen Pfarrgemeinderat.

Im Glauben wagen und entfalten" ist auf einem Plakat vor dem Altar zu lesen. Es zeigt einen Schmetterling. Mit dem Spruch ist wahrscheinlich nicht der 26-Jährige gemeint, aber die Worte passen jedenfalls zur Geschichte von Florian Stangl.

Knapp fünfzig Menschen besuchen am am Sonntag die Heilige Messe im kleinen Weinviertler Ort Stützenhofen (Bezirk Mistelbach, NÖ). Dechant George van Horick begrüßt alle Kirchgänger und auch die "fremden Gesichter", die er in seiner Kirche "noch nie zuvor" gesehen hat. Er weiß nicht, ob die Fremden auch Christen sind, aber er heißt auch sie herzlich willkommen.

Seit der Pfarrgemeinderatswahl am Sonntag vor einer Woche ist Stützenhofen ein bisschen berühmt geworden. Denn Florian Stangl, bekennender Homosexueller und mit großer Mehrheit (94 von 142 Stimmen) in den Pfarrgemeinderat gewählt worden.

Auch der Messgang am fünften Sonntag der Fastenzeit behandelt dieses Thema: "Ich darf Ihnen allen die Grüße des Kardinals ausrichten", sagt der Dechant zu Beginn der Messe. Das Thema seines Hochgebets: "Versöhnung".

Warten und Hoffen

Behindertenbetreuer Stangl: „Das Gespräch war sehr freundlich. Aber jetzt müssen wir einfach warten.“
© Bild: Eder/Kurier

Seit dem gemeinsam Mittagessen von Stangl, seinem Lebenspartner und Kardinal Christoph Schönborn, kann man in Stützenhofen nur noch eines: Warten. "Das Gespräch war sehr freundlich. Aber jetzt müssen wir einfach warten", sagt Stangl.

"Gott schütze unsere neu gewählten Pfarrgemeinderäte" lautet eine Fürbitte während der Messe. "Und stärke auch ihre Freunde und Angehörigen", heißt es in der darauffolgenden.

Die Stützenhofner sind optimistisch, auch wenn seit der Wahl viele Fragen aufgetaucht sind: Darf ein Homosexueller ein Pfarrgemeinderat sein? Und darf jemand, der in einer eingetragenen Partnerschaft lebt, ein Pfarrgemeinderat sein? Und ist diese Wahl eigentlich rechtens von Statten gegangen?

"Ja", weiß Wahlleiter Franz Schuster. "Es ist alles korrekt abgelaufen. Es wäre zu einfach, das jetzt über diesen Weg zu machen."

Und auch darüber, dass die Statuten für die Pfarrgemeinderatswahlen nur sehr schwammig formuliert sind, ist man sich in Stützenhofen einig. "Wer A sagt, muss auch B sagen können", meint Dechant van Horick nach dem Kirchgang im Kreise seiner Schäfchen. "Das heißt, wenn Geschiedene, Wiederverheiratete gewählt werden dürfen, müsste das auch in Ihrem Fall so sein", sagt er zu Florian Stangl.

Auch dessen Kollegin aus dem Pfarr-Gremium und Leiterin des Kirchenchores, Bettina Weigl, stellt sich hinter Stangl: "Es wird in Zukunft immer mehr solcher Fälle geben. Darauf muss sich die katholische Kirche langsam einstellen."

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( Kurier ) Erstellt am 26.03.2012