Offensive gegen illegales Glücksspiel

Polizei und Finanzpolizei beschlagnahmten am Mittwoch 128 Automaten in Niederösterreich.

Das einzig legale technische Gerät in diesem Lokal ist der Kühlschrank", kommentierte ein Finanzpolizist die Kontrolle in einem Wettcafé am Mittwoch süffisant. Mehr als 50 Gasthäuser, Tankstellen und Wettcafés nahmen Polizei und Finanzpolizei am Mittwoch in Niederösterreich im Rahmen einer Großaktion ins Visier. Alleine bis zum frühen Nachmittag beschlagnahmten sie 128 illegale Glücksspielgeräte.

Zeitgleich um 10 Uhr starteten die 200 Polizisten und Finanzpolizisten den Zugriff im gesamten Bundesland. "Wir müssen die Lokale gleichzeitig kontrollieren, da die Inhaber einander sonst gegenseitig warnen", erklärte Finanzpolizistin Linda Hess.

Ziel der Fahnder waren die Glücksspielautomaten – und zwar auch jene, die mit einer Konzession aufgestellt wurden. Denn obwohl in Niederösterreich das kleine Glücksspiel erlaubt ist, dürfen auch hier die Automateneinsätze 50 Cent und die Gewinne 20 Euro nicht übersteigen.

Hohe Gewinne

"Der Automat zeigt zwar nur die Annahme von 50 Cent an, doch die Würfelsymbole daneben zeigen, um wie viel Geld tatsächlich gespielt werden kann", erläutert Finanzpolizist Wilfried Lehner – der mit dem Nachwerfen des Kleingeldes in den Automaten gar nicht nachkommt. Auch der in Aussicht gestellte Gewinn reicht bei manchen Automaten bis 600 Euro. Wer erwischt wird, und zwar egal ob Aufsteller, Inhaber oder Betreiber, dem droht eine Verwaltungsstrafe von bis zu 22.000 Euro – allerdings pro Lokal und nicht pro Gerät.

Angesichts dessen, dass manche Tankstellenpächter mit den Automaten mehr Umsatz machen als mir ihrem eigentlichen Geschäft, sind diese Strafen aber immer noch relativ milde. "Wesentlich drakonischer als die Strafen für illegales Aufstellen sind die jene für Abgabenhinterziehung, denn dann drohen auch Haftstrafen", sagt Lehner, der hier einen nicht ganz unerwünschten Nebeneffekt der Großkontrollen sieht: "Zahlreiche Betreiber melden sich freiwillig bei der Finanz, um Abgaben für ihre illegalen Automaten abzuführen." Gespielt konnte auf den illegalen Glücksspielautomaten nach der Kontrolle jedenfalls nicht mehr werden. Die betreffenden Automaten wurden versiegelt und werden in Kürze abtransportiert.

( Kurier ) Erstellt am 01.02.2012