Ökosystem im Lunzer See massiv unter Druck
Fischer am Lunzer See, im Hintergrund der Wassercluster Lunz.
Eislaufparadies im heurigen Jänner, kühlendes Badeparadies an tropisch heißen Tagen im Sommer, dazu ein See voll mit glasklarem Trinkwasser – der Lunzer See wird als Naturidylle und Öko-Paradies von der Bevölkerung hoch geschätzt. Kaum bekannt ist, dass die Klimaerwärmung dem Bergsee massiv zusetzt und das Ökosystem im See zu kippen droht.
Wie bei allen Gewässern im Land schreitet auch die Erwärmung des einzigen Natursees in Niederösterreich beharrlich und bedrohlich voran – was gravierende Auswirkungen sowohl auf die Mikroorganismen als auch auf die Fischwelt hat.
Mindestens zwei Grad wärmer
Die Durchschnittstemperatur hat sich seit 1980 um rund zwei Grad erhöht. Seit vielen Jahren wird das natürlich von den Forschern des Wasserclusters Lunz dokumentiert und zuletzt auch immer intensiver erforscht. Die seit 1905 am See betriebene Gewässerforschung der einstigen "Biologischen Station" wird nun von drei Universitäten (Uni Wien, Boku Wien und Donauuni Krems) fortgeführt.
Nicht nur die Forscher berichten seit Jahren von den alarmierenden Entwicklungen im See, auch die alteingesessenen Fischer sind Zeitzeugen. "Früher war es hier ein Paradies für Saiblinge und Forellen, das ist vorbei. Jetzt gibt"s hier das Rotäugl in Schwärmen", gibt ein im Boot stehender Hobbyfischer bereitwillig Auskunft.
Raubfische
Mit dem "Rotäugl" ist die Rotfeder gemeint. Sie verbreitet sich neben dem dominanten Hecht und dem Barsch rasant im See. Der Raubfisch setzt dem seit jeher bekannten Seesaibling massiv zu, wie auch der Forscher Martin Kainz von der Donauuni Krems dokumentiert. Die Wassererwärmung ist grundsätzlich für Saibling und Forelle ungünstig, fördert sie doch die Ausbreitung von Parasiten, wie etwa dem Hechtbandwurm.
Professorin Gabriele Weigelhofer im Zentrallabor der Wasserclusters Lunz.
Wärme fördert auch Mikroorganismen und Bakterien, was den Sauerstoffverbrauch im Wasser steigen lässt, berichtet die wissenschaftliche Leiterin am Wassercluster, Gabriele Weigelhofer bei der Präsentation der Forschungsarbeit in Lunz. Warmes Wasser könne nicht so viel Sauerstoff lösen, zum Temperaturstress komme der Sauerstoffstress, den viele Wassertiere, Insektenlarven, Kleinkrebse oder auch Fische nicht mehr überleben können.
Alarmstimmung
"Auch wenn der See mit seiner Trinkwasserqualität unser Stolz ist, so ist er doch am ökologischen Kippen", kommentiert Peter Strauss, Direktor des Bundesamts für Wasserwirtschaft, die Entwicklung des Lunzer Sees. Weigelhofer weist auf Temperaturmessung des Seewassers seit 1930 hin.
Früher als Kältepol gehandelt, entspreche das nicht mehr der Realität. Bis auf die Ausnahme des heurigen Winters gab es seit sieben Jahren keine durchgängig begehbare Eisdecke mehr am See. Auch die Tage mit Schneebedeckung in der Region sinken. Und im Sommer werden "die für den See atypischen 25 Grad Wassertemperatur immer häufiger", bedauert Weigelhofer.
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