© Thomas Lenger

Niederösterreich
09/24/2018

Oberwaltersdorf: Miethai will alte Menschen loswerden

Ein Privatdetektiv spionierte im Pflegeheim den Zustand einer Bewohnerin aus.

von Patrick Wammerl

Der Kampf ist wie jener von David gegen Goliath. Eine Gruppe alter und zum Teil gebrechlicher Menschen kämpft in Oberwaltersdorf (Bezirk Baden) gegen einen berüchtigten Immobilienhai, der versucht, die letzten verbliebenen Mieter auf die Straße zu setzen. Zahlreiche Klagen sind anhängig. Einer 89-jährigen Mieterin wurde im Landespflegeheim in Baden sogar ein Privatdetektiv auf den Hals gehetzt.

Vor fast 25 Jahren sind die Pensionisten in die damaligen Sozialwohnungen der Gemeinde Oberwaltersdorf im Bezirk Baden eingezogen. Im vermeintlich sicheren Hafen der Gemeindebauten wollten die Mieter unbeschwert ihren Lebensabend verbringen. Doch Oberwaltersdorf schlitterte in arge finanzielle Turbulenzen. Die „Oberwaltersdorfer Kommunalbetriebs GmbH“, kurz OKOG, ging in Konkurs und alle Gemeindewohnungen wurden verkauft. Die Opposition und Medien sprachen damals vom „dümmsten Konkurs“ Niederösterreichs, da die Gläubiger mit einer Quote von mehr als 81 Prozent bedient wurden.

Auch der Gemeindebau Siedlerstraße wurde an eine Immobilienfirma aus Wien verkauft. Das 2800 große Areal gab es zum Spottpreis von 400.000 Euro. Nur zwei Jahre später bot die Immobilienfirma 900 des Areals bereits für 1,2 Millionen Euro auf diversen Verkaufsplattformen an. Nur die verbliebenen Mieter waren dem Wiener Eigentümer ein Dorn im Auge. „Zu allererst wurde der Instandhaltungsbetrag ordentlich erhöht, was die Gesamtkosten der Wohnungen mehr als verdoppelte“, sagt Cornelia Ritter, Tochter der 89-jährigen Bewohnerin Maria Fischer.

Danach stiegen einige Bewohner auf das Angebot des Vermieters ein, für ein paar Tausend Euro ihre Wohnungen zu räumen. Nur Maria Fischer, ihre Nachbarn Hildegard Varga (84), sowie der 71-jährige Invalide Peter Pagjura konnten und wollten nicht gehen und kämpften seither gegen ihren Rausschmiss an.

Harte Bandagen

Daraufhin wurde die Gangart härter. Obwohl die Mieter monatlich einen Strom- und Heizkostenanteil einbezahlten, wurde ihnen vom Energieversorger das Gas abgedreht. Der Eigentümer hatte die Beiträge anscheinend nicht weiter gegeben. Die Machenschaften dürften nicht neu sein. Eine der schillernden Figuren der Immobilienfirma war bereits am Wiener Straflandesgericht wegen getürkter Betriebskostenabrechnungen zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Den alten Bewohnern und Cornelia Ritter machen vor allem die, wie sie sagen, „mafiaähnlichen Vertreibungsmethoden“ Angst. Nachdem Maria Fischer im Winter 2017 stationär im Landespflegeheim Baden aufgenommen wurde, schlich sich kurz darauf ein von der Immobilienfirma beauftragter Detektiv in das Heim ein und stellte Erkundigungen an. Pflegedirektorin Susanne Stanzel bestätigt den Vorfall.

Der Mann gab sich als Prüfer des Wählerverzeichnisses aus und stellte allerhand Fragen zum Gesundheitszustand von Frau Fischer. „Ich war sehr geschockt, als ich vor Gericht erfuhr, dass der Detektiv den Gesundheitszustand meiner Mutter und sogar ihre Pflegestufe kannte“, sagt Ritter. Mit den Nachforschungen sollte bewiesen werden, dass kein Wohnbedarf mehr bestehe. Die Immo-Firma war für keine Stellungnahme erreichbar.

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