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Chronik Niederösterreich

Explosion in Langenzersdorf: Vermisster tot geborgen

Gegen 7.30 Uhr kam es zu der Explosion. Die Ursache ist bisher unklar. Suchhunde suchen nach Personen im Schuttkegel.

von Kevin Kada, Teresa Sturm, Patrick Wammerl, Katharina Zach

01/29/2021, 08:33 AM

Der nach der Explosion in einem Mehrparteienhaus in Langenzersdorf (Bezirk Korneuburg) von Freitagfr√ľh vermisste Mann ist am fr√ľhen Abend tot geborgen worden. Er lag unter den Tr√ľmmern, teilte Feuerwehrsprecher Franz Resperger mit. Das Opfer soll 60 Jahre alt sein.

Es d√ľrfte sich um einen Bewohner handeln, der davor nicht erreicht beziehungsweise sein Aufenthaltsort nicht eruiert werden konnte. Schon zu Mittag hie√ü es, dass eine Person in den Tr√ľmmern vermutet wurde. Allerdings konnten die Einsatzkr√§fte den Ungl√ľcksort aus Sicherheitsgr√ľnden lange nicht betreten.

Laut Resperger durften in dem von der Explosion betroffenen Trakt des Objektes die Mieter nicht zur√ľck in ihre Wohnungen. Sie seien gr√∂√ütenteils bei Familienangeh√∂rigen und Freunden untergebracht worden. Die Feuerwehr blieb dem Sprecher zufolge am Ort der Explosion und hielt Brandwache. Abbrucharbeiten sollen Samstagfr√ľh fortgesetzt werden.

Seit den fr√ľhen Morgenstunden sind Feuerwehr, Rettung und Polizei in Langenzersdorf (Bezirk Korneuburg) im Einsatz. Ein Mehrparteienhaus wurde durch eine Explosion stark besch√§digt. An der Ecke des Hauses ist das Dach eingest√ľrzt und mehrere Stockwerke sind zerst√∂rt.

Landesrettungskommandant Werner Kraut vom Roten Kreuz N√Ė erkl√§rt: "Es sind derzeit 10 Personen im Gemeindesaal untergebracht und werden dort vom Kriseninterventionsteam betreut." Weiters sind sechs Personen verletzt, diese wurden in die umliegenden Krankenh√§user abtransportiert. Zum Gesundheitszustand der Verletzten machte Kraut keine weiteren Angaben.

Jedenfalls soll sich unter den Verletzten eine schwerverletzte Person befinden, wie Sonja Kellner, Sprecherin des RK N√Ė gegen√ľber dem KURIER best√§tigte.

Laut den Ermittlern hat sich die Explosion in einer Wohnung im zweiten Stock des Mehrparteienwohnhauses ereignet. Ein Gasanschluss ist in dem Wohnhaus vorhanden. Es sei aber noch viel zu fr√ľh Mutma√üungen √ľber die Ursache anzustellen, so die Kriminalisten. Sobald das Geb√§ude betreten werden kann, wird mit der Ursachenermittlung begonnen.

Unterdessen ist auch das √Ėsterreichische Bundesheer zum Ort des Ungl√ľcks ausger√ľckt. 32 Soldaten des ABC-Abwehrzentrums helfen vor Ort. Im Einsatz sind Rettungs- und Bergekr√§fte, Brandschutz- und Sanit√§ts-Experten sowie mehrere Spezialfahrzeuge.

Vom Roten Kreuz Nieder√∂sterreich sind 25 Personen im Einsatz. Hinzu kommen etwa 100 Polizeibeamte sowie 150 Einsatzkr√§fte der Feuerwehr. Au√üerdem sind auch die beiden Rettungshubschrauber Christophorus 3 und 9 im Einsatz. 

Weiters sind Kr√§fte der Wiener Berufsrettung, der Wiener Berufsfeuerwehr sowie Suchhunde im Einsatz. "Ein Statiker hat sich den Schutthaufen angesehen, jetzt wird gemeinsam mit einem Privatunternehmen und der Feuerwehr begonnen den Schuttkegel abzuarbeiten, weil wir noch nicht wissen, ob sich versch√ľttete Personen im Bereich vor dem Haus befinden", erz√§hlt Franz Resperger, Sprecher der Landesfeuerwehr Nieder√∂sterreich.

"Dritter und vierter Stock komplett zerstört"

Die Löscharbeiten der rund 150 Einsatzkräfte der Feuerwehr sind zum größten Teil eingestellt. Gelegentlich flackern noch Glutnester auf, diese werden bei Nachlöscharbeiten beseitigt. Einsatzleiter Stefan Janoschek erklärt die ersten Minuten des Einsatzes: "Wir sind vor Ort angekommen und haben festgestellt, dass der dritte und vierte Stock des Wohnhauses komplett zerstört war und sich im Nahbereich vor dem Haus befunden hat. Wir starteten mit der Evakuierung des Hauses und konnten mit der Drehleiter unter anderem eine Person aus dem Stiegenhaus befreien, die dort eingesperrt war."

3. Dezember 1999: Kurz vor Weihnachten ereignete sich das bisher verheerendste Gas-Ungl√ľck in Nieder√∂sterreich. Nach einer enormen Explosion st√ľrzt ein dreist√∂ckiges Geb√§ude in Wilhelmsburg, Bezirk St. P√∂lten, ein. Bei der Gasexplosion kamen neun Menschen ums Leben. Ermittlungen ergaben, dass ein Blitzschutzmonteur bei Sanierungsarbeiten die Gasleitung angebohrt hatte. Die zur Schadensbehebung eingesetzten Techniker der EVN hatten es unterlassen, die Gaszufuhr abzuschalten, nur unzureichende Messungen durchgef√ľhrt und auch die einzelnen Wohnungen nicht √ľberpr√ľft, ehe die Evakuierung - zu fr√ľh - aufgehoben wurde.

1. Mai 2001: Bei einer Gasexplosion in einem Einfamilienhaus in Atzenbrugg (Bezirk Tulln) kam ein 24-J√§hriger ums Leben. Ursache des Ungl√ľcks war ein Defekt in der Fl√ľssiggasanlage.

24. August 2007:  In einem Wohn- und Gesch√§ftshaus im ober√∂sterreichischen Mondsee trat Gas aus und explodierte. Vier Personen wurden verletzt, ein Wohnungsinhaber rang um sein Leben. Zwei der Opfer wurden sp√§ter angeklagt: Sie sollen die Explosion beim Entleeren von Gasflaschen verursacht haben.

20. M√§rz 2009: Ein Menschenleben forderte eine Gasexplosion in einem Bauernhaus im n√∂. Heurigenort Hagenbrunn (Bezirk Korneuburg). Eine 59-j√§hrige Frau kam ums Leben, ihr 63-j√§hriger Mann erlitt schwere Verbrennungen.

11. April 2010: Verh√§ltnism√§√üig glimpflich endete ein Gasanschlag in Fernitz (Bezirk Graz-Umgebung): Die Polizei fand heraus, dass der Ex-Mann einer 42-j√§hrigen Hausbewohnerin eine Gasleitung anges√§gt und so eine Explosion verursacht hatte. Nur er wurde leicht verletzt.

3. Juni 2010: In der Fr√ľh kam es in einem Wohnhaus in St. P√∂lten zu einer verheerenden Explosion. Die Gasexplosion zerst√∂rte das Geb√§ude zur G√§nze. F√ľnf Menschen starben in den Tr√ľmmern. Untersuchungen ergaben, dass die Hauszuleitung defekt war - dort wo eine Starkstromleitung kreuzte.

26. April 2014: Ein Mieter manipulierte in einem Haus in Rudolfsheim-F√ľnfhaus die Gasleitung und l√∂st eine Explosion aus. Der 19-J√§hrige starb, 13 Menschen wurden verletzt. Eine Frau konnte knapp acht Stunden nach dem Einsturz aus den Schuttmassen geborgen.

26. J√§nner 2017: Ein 56-j√§hriger Mieter, der delogiert werden sollte, hatte absichtlich eine Gasexplosion herbeigef√ľhrt. Der Hausverwalter, ein Anwalt, der mit dem Gerichtsvollzieher die Wohungst√ľr √∂ffnen wollte, kam ums Leben, als sie das Schloss aufbohrten. Das Gas-Luftgemisch in der Wohnung hatte sich entz√ľndet.

12. Dezember 2017: In der Erdgas-Verteilerstation Baumgarten im Bezirk Gänserndorfl kam es zu einer verheerenden Explosion. Ein Arbeiter starb, 21 Menschen wurden verletzt. Die Druckwelle war 180 Kilometer weit messbar. Ermittlungen ergaben, dass ein Bolzen mangelhaft befestigt war.

26. Juni 2019: In der Pre√ügasse in Wien-Wieden kam es zu einer verheerenden Gasexplosion. Ein 22-J√§hriger hatte in Suizidabsicht ein Gasrohr manipuliert. Er sowie eine 29-j√§hrige Mieterin starben. 15 Anrainer wurden verletzt, davon zwei schwer.

23. September 2019: Eine Frau kam bei einer Gasexplosion in einem Supermarkt in der Tiroler Gemeinde St. Jodock am Brenner ums Leben, es gab elf Verletzte. Bei Bauarbeiten war eine Gasleitung angebohrt worden.

Gegen 12 Uhr soll mit dem Abbau des Schuttkegels begonnen werden k√∂nnen. Suchhunde sind bereits jetzt im Einsatz. Unter anderem ist auch ein Schallortungsteam vor Ort, um Versch√ľttete zu finden.

LKA √ľbernimmt Ermittlungen

Die Ermittlungen wurden von der Brandgruppe des Landeskriminialamtes Nieder√∂sterreich √ľbernommen. Die Brandgruppe macht zusammen mit Sachverst√§ndigen die Ursachenermittlung. Laut LKA N√Ė gehen die Ermittler aktuell von einer Gasexplosion im Obergescho√ü gegen 7.30 Uhr aus. 

Rund 100 Polizisten sind aktuell im Einsatz, wie Johann Baumschlager, Sprecher der Landespolizeidirektion N√Ė erkl√§rt. "Aktuell f√ľhren Beamte des Landeskriminalamtes Erhebungen durch. Es wird versucht mit den im Haus gemeldeten Personen Kontakt aufzunehmen. Das wird aber noch einige Zeit dauern."

Rund 60 Personen sollen in dem Haus gemeldet sein. Wie viele sich davon in den Morgenstunden noch im Haus befunden haben, ist derzeit unklar.

Der KURIER hat mit einem Anrainer √ľber den Vorfall gesprochen: "Ich wohne f√ľnf H√§user weiter und ware gerade dabei meine Tochter in die Tagesbetreuung zu bringen. Da hat es einen Knall gegeben, Fenster sind zerbrochen und ich wusste nicht was passiert ist."

Nachdem er sich vergewissert hatte, dass es seinen Kindern gut geht, lief der Anrainer auf die Stra√üe. "Da hab ich nach links geschaut und auf einmal fehlt da eine Ecke von einem ganzen Haus. Die Polizei und Feuerwehr war auch sehr schnell da. Die Rettungskette hat also super funktioniert. Aber es ist ein schreckliches Bild da in der Stra√üe."

Auch die Familie Jax hat die Explosion gehört. "Das ganze Haus hat gebebt", so Frau Jax, die mit ihrem Ehemann neben dem explodierten Haus wohnt.

‚ÄěEs ist wie im Film, wie im Film‚Äú, sagt eine Frau, die in der direkten Nachbarschaft wohnt. Sie beschreib, dass ihre Kinder sich vor lauter Angst auf den Boden gelegt haben.

Ein Augenzeuge berichtet, dass er einen Arzttermin gehabt h√§tte, gegen√ľber von dem eingest√ľrzten Haus. ‚ÄěIch bin im Krankenstand und wollte nur zur √Ąrztin und dann kam der Knall. Die Erde hat gebebt.‚Äú

Bei besagter √Ąrztin gegen√ľber des explodierten Hauses arbeitet Ordinationsgehilfin Catharina B√§r. ‚ÄěEs war so arg. Die Frau Doktor ist gleich mit dem Notarztkoffer raus gelaufen. Mein Sohn hat mich weinend angerufen. Der dachte an einen Terroranschlag. Ich habe sofort alle Leute angerufen, die ich kenne, ob es ihnen eh gut geht.‚Äú

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