Hotel auf dem Mond: Architekt aus NÖ plant Leben im All
Werner Grandls Ideen nehmen auf dem Bildschirm Gestalt an.Hier die Weltraumstation.
Im Hotelzimmer herrschen angenehme 23 Grad. Künstliches Licht fällt von der Decke, Fenster gibt es keine. Draußen führt ein Weg durch einen Park, in dessen Mitte ein kleiner Teich liegt. Hier endet der Spaziergang – weiterzugehen wäre lebensgefährlich.
107 Meter über dem Boden verschließt eine gewaltige Kuppel die Öffnung des unterirdischen Hohlraums. Sie hält die Atmosphäre im Inneren und macht einen Ort bewohnbar, an dem Menschen eigentlich nicht überleben könnten.
Kein Science-Fiction-Roman, sondern ein architektonisches Konzept von Werner Grandl. Der pensionierte Architekt entwirft seit mehr als 30 Jahren Lebensräume für Menschen im All. Das Hotel würde er im sogenannten Mare Tranquillitatis Hole bauen – einer riesigen Lavahöhle auf dem Mond.
Früher oder später werden wir die Erde verlassen müssen, um als Art und als Zivilisation zu überleben.
Architekt
„Rein technisch wäre das heute schon möglich“, sagt er. Für ihn ist ein solches Bauvorhaben keine ferne Fantasie. Er ist davon überzeugt, dass die Menschheit ihren Lebensraum langfristig erweitern muss.
„Wir sind auf lange Sicht als Spezies durch kosmische Katastrophen wie große Vulkane und Asteroideneinschläge bedroht“, erklärt er. „Früher oder später werden wir die Erde verlassen müssen, um als Art und als Zivilisation zu überleben“.
Rotierende Raumschiffe
Diese Überzeugung prägt alle seine Entwürfe. Denn selbst wenn Menschen den Mond oder den Mars besiedeln, bleibt ein Problem: Die Schwerkraft reicht dort nicht aus. Auf dem Mond beträgt sie nur ein Sechstel der Erdanziehung. Muskeln und Knochen würden sich bei einem langen Aufenthalt abbauen.
Deshalb setzt Grandl auf rotierende Raumstationen. Durch ihre Drehbewegung erzeugen sie künstliche Schwerkraft und könnten Astronautinnen und Astronauten deutlich längere Aufenthalte im All ermöglichen. Die Idee ist nicht neu – schon die Pioniere der Raumfahrt schlugen solche Konstruktionen vor. Für Grandl sind sie jedoch der entscheidende Schritt, wenn Menschen dauerhaft außerhalb der Erde leben sollen.
Bereits seit den 1990er-Jahren beschäftigt er sich mit Fragestellungen wie dieser. Wie das zu seinem Architekturstudium passt? „Hervorragend“, sagt Grandl. „Das ist ja Architektur – nur eben nicht hier.“ Während seines Studiums entwarf er erste Konzepte für Raumstationen. Später plante er Wohn- und Geschäftshäuser in Niederösterreich und im Burgenland.
Zu Besuch bei der UNO und in Princeton
Seine Weltraumprojekte entstanden daneben – abends, am Wochenende und ohne Bezahlung. Heute widmet er den Projekten fast seine gesamte Zeit. Regelmäßig reist er zu internationalen Raumfahrtkongressen, präsentiert seine Konzepte und diskutiert mit Wissenschaftlern und Ingenieuren.
Bereits 1993 stellte er gemeinsam mit seinem inzwischen verstorbenen Kollegen Antonio Germano ein Projekt an der Princeton University vor. „Die haben geschaut“, sagt Grandl und lacht. „Was zwei kleine Ingenieure aus Europa da präsentierten.“
Das Hotel auf dem Mond gibt es derzeit nur auf Papier.
Sein „Hotel auf dem Mond“ stellte er der UNO vor. Doch wie kommt man auf diese Entwürfe? Seine Ideen beginnen meist mit einer einfachen Frage: Wie können Menschen auch außerhalb der Erde dauerhaft leben? Seine Vorstellungskraft sei dabei das wichtigste Werkzeug. „Die Ideen kommen einfach so über mich“, sagt er. Aufhalten könne er diesen Denkprozess nicht.
Projekt Mars: Leben in der Röhre
Eines seiner jüngsten Projekte führt noch weiter hinaus aus dem Erdorbit: zum Mars. Als dauerhafte Heimat für Menschen hält Grandl den Roten Planeten allerdings nur bedingt geeignet. Die geringe Schwerkraft, etwa 38 Prozent der Erdanziehung, würde den menschlichen Körper auf Dauer zu sehr belasten.
Interessanter sei der Mars deshalb als Forschungsstation und als Quelle für Rohstoffe und Wasser, das sich an den Polen befindet, so Grandl. Eisen, Aluminium, Titan und andere Materialien könnten künftig auf dem Erdmond, den erdnahen Asteroiden und dem Mars und seinen beiden Monden abgebaut werden.
Grandl denkt deshalb über einen besonderen Ort nach: Deimos, einen der Marsmonde. Seine Idee ist, Siedlungen in natürliche Hohlräume oder künstlich geschaffene Röhren zu bauen. Dort wären Menschen besser vor der kosmischen Strahlung geschützt.
Zimmer mit eigenem Bad
Grandl öffnet eine Datei auf seinem Computer. Auf dem Bildschirm erscheinen detaillierte Pläne: Zimmer, Betten, Duschen. „Jeder Bewohner hätte eine eigene Dusche“, zeigt er auf dem Plan. Auch an die Energieversorgung hat er gedacht – schließlich müsste die Anlage rund um die Uhr künstlich beleuchtet werden.
„Man würde Atomreaktoren brauchen“, sagt er. Doch das sei im Vergleich zur kosmischen Strahlung kein allzu großes Risiko, fügt er hinzu. Wasser könnten die Menschen vom Mars gewinnen - die Polkappen sind nämlich vergletschert. Sogar Landwirtschaft wäre in geschützten Bereichen mit künstlichem Licht möglich.
Dass seine eigenen Konzepte eines Tages Realität werden, wird er selbst vermutlich nicht mehr erleben. Gerne würde er ins All fliegen, sagt Grandl. Doch die enorme Beschleunigung beim Start einer Rakete wäre in seinem Alter zu belastend.
Der Wunsch, den Weltraum zu entdecken, ist ihm aber trotzdem geblieben. „Wäre ich nicht Architekt geworden, hätte ich am liebsten Raumfahrtingenieur gelernt“, sagt er rückblickend und lächelt.
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