Chronik | Niederösterreich
27.03.2017

NÖ: Brutal agierende, sechsköpfige Bande inhaftiert

Den Opfern wurden Stichwunden zugefügt, die Polizei ersucht um weitere Hinweise in dem Fall.

Niederösterreichische Kriminalisten haben Angaben vom Montag zufolge eine sechsköpfige albanisch-türkisch stämmige Tätergruppe, darunter drei "äußerst gewaltbereite" Brüder, ausgeforscht, die für brutale Überfälle in Wien und NÖ verantwortlich sein sollen. Vier Verdächtige sind in Wiener Neustadt inhaftiert, zwei in Wien. Die Ermittlungen hinsichtlich weiterer Straftaten dauern noch an.

Nach Observationen wurden die Männer Anfang März mit Unterstützung des Einsatzkommandos Cobra an Adressen in Wien festgenommen. Sie gestanden teilweise ein, in verschiedener Zusammensetzung agiert zu haben, belasteten sich jedoch gegenseitig.

Laut Aussendung der Landespolizeidirektion hatten drei Verdächtige am 20. November 2016 nachts einen türkischen Staatsbürger in Wien-Favoriten gezwungen, in ein Geländefahrzeug einzusteigen. Sie fuhren mit ihrem Opfer nach Bad Vöslau (Bezirk Baden), wo sie den 40-Jährigen in einem abgelegenen Gebiet mit vorgehaltenem Messer dazu nötigten, seine Umhängetasche mit einem vierstelligen Bargeldbetrag und persönlichen Dokumenten herzugeben. Anschließend sollen sie dem Mann in beide Oberschenkel gestochen, ein Messer gegen den Hals gedrückt und ihn aufgefordert haben, um sein Leben zu flehen. Außerdem wurde dem Opfer angedroht, seine Familie zu töten, wenn die Polizei verständigt werde. Die Beschuldigten ließen den geschockten Schwerverletzten am Tatort zurück und flüchteten mit ihrer Beute.

Am 18. Dezember 2016 wurde - ebenfalls in der Nacht - ein enger Vertrauter und Freund des 40-Jährigen unter einem falschen Vorwand in ein Lokal in Wien-Meidling gelockt. Dort wurde der 28-jährige Türke von einem Beteiligten der ersten Tat sowie drei Brüdern verprügelt. Man stach mit Messern auf ihn ein und schlug ihm mit einer Pistole gegen Kopf und Gesicht. Der Mann erlitt mehrfache Brüche im Gesicht und zwölf Stichwunden am Körper und an den Händen. Im Zuge des Kampfes löste sich auch ein Schuss, wobei jedoch niemand verletzt wurde. Ein weiterer Beschuldigter brachte das stark blutende Opfer mit seinem Wagen in ein leer stehendes Bürogebäude in Wien, wo er den Schwerverletzten zurückließ. Erst Stunden später konnte der 28-Jährige selbst ärztliche Hilfe anfordern und wurde in ein Spital eingeliefert.

Zwei Männer sollen außerdem an einer Auseinandersetzung mit Schussabgabe in einem Rotlichtlokal beteiligt gewesen sein und einen tschetschenischen Staatsbürger verletzt haben. Erhebungen in diesem Fall seien noch im Gang.

Die Tätergruppe werde zu weiteren, ähnlich gelagerten Straftaten überprüft. Lichtbilder der Verdächtigen liegen auf, das Landeskriminalamt NÖ ersucht um zweckdienliche Hinweise, die vertraulich behandelt werden (Tel. 059133 30-3333).