Chronik | Niederösterreich
23.07.2018

Neustart für Mountainbike-Routen in Niederösterreich

Bestehendes Netz soll überarbeitet und verbessert werden. Die WKNÖ ist für die Freigabe der Forststraßen.

Mountainbiken ist längst ein Breitensport geworden. Allein in NÖ sind mehr als 133.000 Menschen mit den Geländerädern unterwegs. Tendenz steigend, dank der E-Bikes: Sie machen bereits 20 Prozent der verkauften Räder aus. Damit nimmt aber auch der Nutzungsdruck im Wald zu. Denn das Biken ist nur auf genehmigten Routen erlaubt, es bedarf laut Forstgesetz der Zustimmung der Grundeigentümer. Aus Sicht der Mountainbiker hinkt das Angebot hier hinterher. Die Folge: Viele fahren illegal.

Niederösterreich will nun bei den Strecken nachbessern sowie das Tourismuspotenzial nutzen. Mit der Langstreckenmountainbikerin Lisa Ribarich wurde bei der NÖ Werbung eine eigene Koordinatorin als Ansprechpartnerin installiert. Zudem wurde eine Lösung für die Haftungsfrage präsentiert. Das Thema Versicherung hatte die Freigabe neuer Mountainbike-Routen erschwert. Nun ist klar: Bei Bedarf springt die Landeshaftpflichtversicherung ein.

Zeitgemäßes Angebot

„Es geht darum, das Streckennetz der vergangenen zehn Jahre zu überarbeiten und das Angebot anzupassen“, erklärt Ribarich. Immerhin habe sich der Sport aufgrund der technischen Entwicklung stark verändert: „Früher ist man fast nur auf Forststraßen gefahren, nun hat er sich Richtung Singletrails entwickelt.“ Diese schmalen Wege seien technisch anspruchsvoller, das Naturerlebnis intensiver.

Knapp 5000 Kilometer zähle das Mountainbikenetz in NÖ, sagt Ribarich. Die Strecken sollen nun über den Sommer analysiert werden. Ziel ist es, den Asphaltanteil auf 30 Prozent zu reduzieren. Gefördert wird der Aufbau von „Trailareas“ mit verschiedenen, abwechslungsreichen Strecken.

Initiieren soll diese jeder können, egal ob Tourismusbüros wie im Wienerwald, wo derzeit 55 Gemeinden und mehr als 50 Grundeigentümer verhandeln, oder Privatpersonen. Diese müssen sich selbst um Lösungen mit den Waldeigentümern kümmern, das Land unterstützt mit Musterverträgen und Förderungen und übernimmt die Haftung. „Forst-, Jagd- und Naturschutzaspekte müssen abgeklärt werden, dann steht einer Ausweitung nichts im Weg“, sagt Ribarich. Bis 2019 sollen sich die Regionen mit allen Beteiligten zusammensetzen und über die Freigabe neuer Strecken verhandeln. Das neue Netz wird einheitlich beschildert.

Als dritten Schritt will das Land die Errichtung von Bikeparks wie den „Wexl Trails“ oder Trailcentern wie jenes auf der Hohen Wand Wiese fördern. Dort sollen den Sportlern auch Shops, Fahrtechnikkurse oder Aufstiegshilfen zur Verfügung stehen. „Wichtig ist, die Initiativen so zu koordinieren, dass der Druck auf den Wald reduziert wird.“

Für die SPÖ NÖ geht die Strategie nicht weit genug. Sie fordert – wie die Naturfreunde – die Freigabe der Forststraßen. Unterstützung bekommen die Roten von ungewohnter Seite – von der Wirtschaftskammer NÖ. „Das Angebot, das derzeit entsteht, ist gut“, sagt Wolfgang Menzel von der Fachgruppe der Freizeit- und Sportbetriebe und selbst Mountainbiker. Allerdings reiche es nicht für die Tourenfahrer. Deren Reisefreiheit werde durch das Forstgesetz eingeschränkt. Mit der Gesetzeslage stehe Österreich im Vergleich zu den Nachbarländern alleine da, ein ernst zu nehmender Wettbewerbsnachteil. „Es gibt viel Potenzial, das wir nicht nutzen.“ Der Mountainbike-Tourismus stecke in Ostösterreich in den Kinderschuhen.

Martin Höbarth, Geschäftsführer des Waldverbands Österreich, winkt ab. „Diese Forderung geht am Bedarf vorbei“, meint er mit Verweis auf die „Singletrails“. Auch für Tourenfahrer sei die Abstimmung mit den Grundeigentümern die beste Lösung. Neben ungeklärten Haftungsfragen bei einer Öffnung der Forststraßen, sei diese auch ein Eingriff ins Eigentum. Dazu komme, dass die Schäden in den Wäldern zunehmen, die Sportler zu lenken sei ein Gebot der Stunde.

Zumindest was die Wichtigkeit von Trails betrifft, stimmt Menzel mit Höbarth überein. Hier setzt der WKNÖ-Funktionär seine Hoffnung auch auf den Wiener SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig. Rund 58 Hektar Land gehören der Stadt – darunter Rax und Schneeberg. Dort habe man unter Altbürgermeister Michael Häupl bei neuen Strecken gebremst.