Chronik | Niederösterreich
04.01.2019

Nachhaltige Kernspaltung bei Kirsche, Marille und Co.

Start-up erfindet Technologie, um Tonnen von heimischen Obstkernen als Rohstoff wiederzuverwerten.

Tonnenweise Steinobst reift in Österreichs Gärten jährlich heran. Aus dem Fruchtfleisch werden Marmeladen oder Säfte gemacht, tonnenweise Kerne bleiben übrig.

„Die Bauern haben keine Verwendung dafür und müssen dann für die Entsorgung bezahlen oder können sie im besten Fall verheizen. Dabei sind die Kerne von Marillen, Zwetschken, Pfirsichen und Kirschen ein wertvoller Rohstoff“, erklärt der Mostviertler Michael Beitl. Er hat mit seinem Studienkollegen Luca Fichtinger das Unternehmen „Kern-Tec“ gegründet. Sie arbeiten derzeit mit zwei Technikern an einer Technologie, um Obstkerne so zu spalten, dass das Innere, also der Samen, unbeschadet übrig bleibt. Im Mai nimmt ihre Firma den Betrieb auf, wenn die ersten Kirschen reif sind.

Superfood

„Die Weichkerne verkaufen wir dann weiter, sie haben wertvolle Inhaltsstoffe und werden in der Lebensmittel- sowie in der Kosmetikindustrie verwendet. Die Kerne enthalten ungesättigte Fettsäuren, die sehr gesund sind. Das Innere eines Zwetschkenkerns hat zum Beispiel 42 Prozent Proteine, das ist ein vielfaches von einer Nuss“, sagt der 24-jährige Michael Beitl. Kern-Tec holt die Kerne von den Obstbauern und -verarbeitern, trocknet und spaltet sie. Jeder, der eine Tonne hat, kann sich melden. Übrig bleibt nichts, auch die Schale kann verwendet werden: „Sie eignet sich als Strahlmittel in der Oberflächenindustrie, weil sie so einen enorm hohen Härtegrad hat. Genau diese Eigenschaft macht auch die Trennung von Samen und Schale so schwierig, weshalb der Rohstoff in Österreich bisher ungenutzt geblieben ist“, sagt der Jungunternehmer.

Mikroplastik

Außerdem kann die Kernschale Mikroplastik in Kosmetika ersetzen: „In Peelings kann das schädliche Mikroplastik 1:1 mit Kernschalen ersetzt werden, davon profitieren alle.“ 500 Tonnen Kerne sollen pro Jahr durch Kern-Tec eine Verwertung finden. Bisher wurden Steinobstkerne nur im asiatischen Raum verarbeitet. „Es gab bisher kein Verfahren, mit dem man die Kerne spalten kann. Im asiatischen Raum erfolgt das händisch, weil die Löhne so niedrig sind, ist das dort möglich und dann hat man zum Beispiel Marillenkernöl aus China zu uns importiert.“