Neue Grätzel-App für Tulln: Eine Stadt setzt aufs Miteinander
Stefanie Jirgal, Leiterin der Initiative "Stadt des Miteinanders", Bürgermeister und Initiator Mag. Peter Eisenschenk und Stadträtin Eva Koloseus.
Die App hat den Namen "Holpr" und sie soll - werbefrei und ohne Algorithmen - Nachbarn untereinander vernetzen: Nach einer Pilotphase in einem Tullner Viertel mit rund 1.500 Haushalten wird die neue Nachbarschafts-App nun auf die ganze Stadt und auf die Katastralgemeinden ausgerollt.
Anfang April sollen alle Haushalte von der Möglichkeit, am sozialen Netzwerk der Stadt teilzunehmen, verständigt werden.
Digitaler Dorfplatz
Was genau ist diese Nachbarschafts-App? Sie soll dazu beitragen, die kleinen Fragen zu beantworten und Probleme schnell zu lösen. Ist eine Katze entlaufen und hat sie vielleicht jemand gesehen? Braucht jemand ein Werkzeug, das ein Nachbar ausborgen könnte? Gibt es Veranstaltungen oder andere Aktivitäten im Viertel? Themen wie diese können auf dem digitalen Dorfplatz kommuniziert werden. Die Stadtgemeinde stellt dafür die Holpr-App zur Verfügung und bezahlt auch dafür. Der jährliche Preis liegt im niedrigen vierstelligen Euro-Bereich.
Holpr ist ein lokales Netzwerk. Und, darauf legt die Stadtgemeinde Wert, es ist kein Facebook mit Werbung und ewigem Scrollen, auch Likes können keine verteilt werden. Kommt ein neuer Beitrag, dann werden die Nutzer davon mittels Push-Nachricht oder E-Mail informiert. Erfahrungen zufolge landen rund drei bis zehn Beiträge pro Woche in der Nachbarschafts-App.
Wertschätzender Umgangston
Der Testbetrieb in Tulln sowie in Städten, wo die App bereits im Vollbetrieb ist, hat bislang gezeigt, dass der Umgangston dort wertschätzend und freundlich ist. Wer teilnimmt, wird mit Klarnamen registriert und auf Basis seiner bzw. ihrer Adresse der jeweiligen Nachbarschaft zugeordnet.
Keine anonymen Kommentare
Alle Nutzer und Nutzerinnen werden auf Holpr verifiziert. Das bedeutet, dass es keine unangenehmen anonymen Kommentare gibt. Überdies ist die App werbefrei, kostenlos für die Nutzer und die Daten sind gemäß der europäischen Datenschutzgesetzgebung geschützt. Das bedeutet, dass persönliche Daten auch nicht weiterverkauft werden dürfen.
Bis Anfang April wird allen Haushalten ein Schreiben der Stadt mit einem individuellen Zugangscode zugehen. Die App selbst kann dann im Apple App-Store oder dem Google-Play-Store heruntergeladen werden.
Chatten mit den Nachbarn
Tulln hat die Stadtgemeinde in der App auf sieben Nachbarschaften aufgeteilt: Vier Viertel gibt es in der Stadt, dazu kommen Langenlebarn und die südlichen und nördlichen Katastralen. Innerhalb der App können auch Chatgruppen angelegt werden, in denen sich zum Beispiel kleinere Grätzel, einzelne Straßen oder Wohnblocks zusammentun. User können auch Infos aus anderen Vierteln abonnieren, um Informationen und Beiträge aus Wohnvierteln von Verwandten oder Freunden zu bekommen.
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