Chronik | Niederösterreich
20.01.2012

Nach Panne in Westbahn „gefangen“

Eine Zugbegleiterin verhinderte, dass ein Fahrgast im Bahnhof defekten Zug verließ. Der Kunde fühlte sich in „rollendem Käfig“.

Nach der Rücknahme der Raucher-Erlaubnis in ihren Waggons ist die neue Westbahn (Westbahn Management GmbH) auch vor weiteren Pannen nicht gefeit. So wurden nach einem Gebrechen in Niederösterreich Passagiere eine Stunde am Verlassen des Zuges gehindert, obwohl dieser in einem Bahnhof stand.

„Eigentlich kann man das als Freiheitsentzug bezeichnen. Einige Ungereimtheiten wird die Westbahn noch aufarbeiten müssen“, fordert Pendler Franz W. aus Amstetten. Auf der Heimfahrt von St. Pölten hatte der Angestellte in einem Westbahnzug ein skurriles Erlebnis. Dem gut gefüllten Abendzug vor dem Dreikönigstag entschwanden gegen 18.45 Uhr vor Ybbs die Lebensgeister. Die Garnitur rollte gerade noch in den Bahnhof ein. Eine Lautsprecherstimme klärte über eine Betriebsstörung auf.

Ausstiegsverbot

Schließlich fiel der Strom aus und „ich wollte aus dem den Zug, da er ohnehin am Bahnsteig stand“, erzählt W. Doch das lehnte die Zugbegleiterin freundlich aber bestimmt ab. Dabei erklärte sie, dass die Westbahn für den Bahnhof Ybbs keinen Nutzungsvertrag mit den ÖBB habe. „Da droht eine hohe Pönale, wenn jemand aussteigt“, soll sie gesagt haben. Züge der Westbahn halten in NÖ nur in Amstetten und St. Pölten.

Im stickigen, notbeleuchteten Zug fühlte sich W. nach 40 Minuten sehr unwohl. Auch andere klagten und angesäuselte Fahrgäste motzten. Gesundheitliche Beschwerden wischte die Hostess mit dem Hinweis auf ihre Rotkreuz-Ausbildung und einen Defibrillator vom Tisch.

„Pönale vor Menschenleben. Unglaublich. Mich hätte meine Frau mit dem Pkw von Amstetten aus abholen können. Auch ÖBB-Züge hätten wir zur Weiterfahrt nutzen können“, erinnert sich der Amstettener.

Nach einer Stunde wurde er wieder überrascht. Alle Passagiere durften dann doch aus dem Zug und mit einem außerplanmäßig angehaltenen Westbahnzug weiterreisen.

Westbahn-Sprecher Manfred Mader behauptet, das Personal habe richtig gehandelt. Weil der Zug nicht in Gesamtlänge am Bahnsteig stand, sei das Aussteigen verboten. Nur das gemeinsame Agieren der Zugbegleiter habe das Umsteigen dann doch ermöglicht. Die Pönal-Geschichte sei aber erfunden, erklärt Mader.