Nach Doppelmord: Polizei hat „nicht die geringste Spur“

Laut Obduktion wurde das Ehepaar im Marchfeld mit einem massiven Schlag bzw. Dutzenden Messerstichen getötet.

Wer erschlägt brutal zwei betagte Pensionisten, die in einem desolaten und ärmlichen Haus wohnen, in das man lieber etwas hinein trägt als hinaus? Dieser Frage geht seit Dienstag ein Großaufgebot der Polizei nach. Die Aufklärung der beiden Morde stellt die Kriminalisten offensichtlich vor eine äußerst schwierige Aufgabe. „Wir verfolgen derzeit nicht die geringste Spur“, sagte am Mittwoch Abend Oberst Franz Polzer, Leiter der Kriminalabteilung Niederösterreich im Gespräch mit dem KURIER.

Jetzt geht die nackte Angst um im Marchfeld. Laut dem seit Mittwochabend vorliegendem Obduktionsergebnis starb der 76-jährige Gerhard Neugebauer nach einem massiven Schlag auf den Hinterkopf. Seine 80-jährige Ehefrau Erika wurde mit 20 bis 25 Messerstichen in das Gesicht und den Hals getötet, gab der Chef der NÖ-Mordkommission, Leopold Etz, spätabends bekannt. Die Aufklärung der beiden Morde stellt die Kriminalisten vor eine äußerst schwierige Aufgabe. „Wir verfolgen derzeit nicht die geringste Spur“, sagte gestern Oberst Franz Polzer, Leiter der Kriminalabteilung Niederösterreich im Gesprächmit dem KURIER.

 

Angst breitet sich aus

„Wir alle in Obersiebenbrunn hoffen, dass der Doppelmord so rasch wie möglich aufgeklärt wird. Denn die Bevölkerung ist sehr verunsichert. Manche bekommen schon panikartige Zustände, wenn sich ein Verwandter oder Freund am Handy nicht meldet“, berichtet Alfred Iser, Vizebürgermeister der Marchfeld-Gemeinde.

Gerhard und Erika Neugebauer wurden, wie berichtet, am Dienstag von ihrem 50-jährigen Sohn Alfred, der zum Essen kommen wollte, tot aufgefunden. Erika Neugebauer lag im Vorraum des aus der Zwischenkriegszeit stammenden Einfamilienhauses, ihr Mann in einem gemauerten Schuppen, in dem er Werkzeug aufbewahrte.

Ob der oder die Täter Beute gemacht haben – damit würde ein Raubmord vorliegen – steht laut Leopold Etz weiterhin nicht fest. Laden und Kästen im Haus seien geöffnet und durchwühlt worden. Ob etwas fehlt, sei aber derzeit noch unklar. Die Spurensicherung wird noch einige Tage brauchen, bis sie das Haus gründlich untersucht hat.

 

 

Suche nach Zeugen

Im Zusammenhang mit dem Verbrechen waren bei den Ermittlern bis Mittwochabend etwa zehn Hinweise „allgemeiner Art“ eingegangen, aber bislang keine konkrete Spur. Die Erhebungen im Umfeld der Opfer gingen weiter, ebenso Befragungen in Tatortnähe, so Etz. Das Haus ist in einem desolaten Zustand. Das Verbrechen dürfte sich bereits am Montagnachmittag oder -abend zugetragen haben.

Die Befragung des Sohnes, der seine toten Eltern am Dienstagvormittag gefunden hatte, habe keine neuen Erkenntnisse gebracht. Der 50-Jährige gab laut Etz sogar an, er wolle genau überprüft werden, um nicht in irgendeinen Verdacht zu geraten. Sein Bruder lebt im Ausland, vermutlich in Frankreich und sei derzeit nicht erreichbar.

Mit Suchhunden durchkämmten Polizisten Haus und Hof sowie die nähere Umgebung des Hauses nach Gegenständen, die der oder die Täter vielleicht verloren haben könnten.

Sorgen bereitet den Kriminalisten zudem der Umstand, dass der Tatort in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes der Linie WienBratislava liegt. Der oder die Täter könnten sich nach dem Mord unauffällig ins Ausland abgesetzt haben.

Die Polizei bittet die Bevölkerung um Hilfe. Vor allem Zugreisende könnten vielleicht interessante Beobachtungen gemacht haben. Hinweise werden unter  059133/30333 sowie an jeder Polizeidienststelle entgegen genommen.

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( Kurier ) Erstellt am 14.12.2011